Volvo startet den EX60 in drei Antriebsvarianten und will bei Reichweite und Ladeleistung Maßstäbe setzen. Im Fahrtest zeigt der P10 AWD seine Stärken.
Seit 2008 ist Volvo mit dem XC60 in der SUV-Mittelklasse vertreten. Seitdem hat sich das Modell zum Verkaufsrenner der Marke entwickelt. Nun stellen die Schweden dem als Hybrid und Plug-in-Hybrid angebotenen XC60 den vollelektrischen EX60 mit 800-Volt-Architektur zur Seite.
Zum Marktstart stehen drei Antriebsversionen zur Wahl: der P6 electric mit Hinterradantrieb sowie der P10 AWD electric und der P12 AWD electric mit Allradantrieb. Während P6 und P10 noch im Sommer 2026 zu den Händlern kommen, soll der P12 Anfang 2027 anrollen. In allen drei Versionen ist serienmäßig ein 22-kW-On-Board-Lader verbaut.
Die Einstiegsversion wird von einer 275 kW (374 PS) starken Permanentmagnet-Synchronmaschine an der Hinterachse angetrieben. Zur Batterie, Reichweite und Ladeleistung nennt Volvo folgende Werte:
Der P10 AWD electric bringt eine Systemleistung von 375 kW (510 PS) auf die Straße. Diese Variante dürfte im Fuhrpark vermutlich die größte Rolle spielen, wenn die Entscheidung für einen Volvo EX60 fällt.
Wie beim P12 kommt vorne ein Asynchronmotor und hinten eine Permanentmagnet-Synchronmaschine zum Einsatz. Der Frontmotor wird nur bei Bedarf zugeschaltet, wenn mehr Traktion oder Leistung benötigt wird.
Das später folgende Spitzenmodell verfügt ebenfalls über Allradantrieb und erreicht laut Volvo eine WLTP-Reichweite von maximal 810 Kilometern.
Im Datenblatt wird der Verbrauch des P10 mit 16,2 kWh je 100 Kilometer beziehungsweise 19,2 kWh einschließlich Ladeverlusten angegeben. Wir waren rund 80 Kilometer mit dem EX60 unterwegs. Die Strecke umfasste einige auf Tempo 130 begrenzte Autobahnabschnitte, längere und durchaus flott gefahrene Landstraßenpassagen sowie einen großen Anteil Stadtverkehr. Die Temperaturen lagen bei etwa 20 Grad. Anschließend zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 17,1 kWh je 100 Kilometer an. Das ist auch angesichts des Fahrzeuggewichts von 2,35 Tonnen ein überzeugender Wert.






Besonders auffällig war während der Testfahrt die Ruhe im Auto. Selbst die Abrollgeräusche der Reifen waren nur ansatzweise zu hören. Weniger überzeugend ist, dass Volvo die Zahl der physischen Bedienelemente weiterhin auf ein Minimum reduziert. Die Sitze lassen sich zwar elektrisch verstellen, und die Lautstärke wird über eine schicke Walze geregelt. Wer jedoch die Außenspiegel oder das Lenkrad einstellen möchte, muss zunächst das Infotainmentdisplay bedienen. Dort gibt es einen Schnellzugriff für den linken und rechten Spiegel sowie das Lenkrad. Nach Auswahl des jeweiligen Symbols erfolgt die Einstellung über einen Knopf am Lenkrad.
Während der Fahrt sollten diese Handgriffe nicht vorgenommen werden, da sie unnötig vom Verkehrsgeschehen ablenken. Ohne vorherige Erklärung kann auch die Bedienung über den Lenkradknopf Schwierigkeiten bereiten. Gerade bei Poolfahrzeugen mit häufig wechselnden Fahrern ist das nachteilig.
Die umständliche Bedienung ist allerdings nur einer von zwei erkennbaren Nachteilen des Volvo EX60. Dafür beeindruckt das SUV mit einem großen Platzangebot im Passagierabteil und im Kofferraum. Das Ladeabteil lässt sich aufgrund der im Verhältnis 40:20:40 geteilten hinteren Lehnen variabel von 523 bis auf maximal 1.647 Liter vergrößern. Dann steht eine ebene Ladefläche zur Verfügung. Im hinteren Bereich sind zwei Klappen im Ladeboden installiert, um darunter kleine Gegenstände verstauen zu können. Unter der Fronthaube gibt es einen Frunk, der 58 Liter fasst.
Die Sitze sind straff, aber bequem gepolstert. Die eingesetzten Materialien wirken hochwertig und tragen zu einem angenehmen Innenraum bei. Vor dem Fahrer befindet sich ein neu entwickeltes, 11,4 Zoll großes Display mit den wichtigsten Fahrzeuginformationen.
Daneben ist ein gebogener 15-Zoll-Touchscreen im Querformat angeordnet. Dank OLED-Technologie bietet er eine sehr scharfe Darstellung. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit lassen sich die gewünschten Bereiche schnell aufrufen.
Auch die Klimaautomatik wird über den Bildschirm bedient. Selbst die Luftdüsen lassen sich nicht über manuelle Stellknöpfe, sondern nur digital in die gewünschte Richtung verstellen. Das Suchen und Wischen auf dem Display kann während der Fahrt ebenfalls unnötig ablenken.
Die Sprachsteuerung mit Google Gemini ist auf natürliche Sprache ausgelegt und reagiert zuverlässig. Statt eines herkömmlichen Handschuhfachs gibt es ein ausklappbares Staufach zwischen Fahrer- und Beifahrersitz.
Beim Fahren lässt der 4,80 Meter lange, 1,90 Meter breite und 1,64 Meter hohe Volvo EX60 kaum Schwächen erkennen. Der P10 AWD beschleunigt laut Datenblatt innerhalb von 4,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Wichtiger für den Alltag ist jedoch, dass der EX60 ausreichend Leistung und Durchzug bietet, um Überholvorgänge schnell abzuschließen.
Auch schnelle Richtungswechsel meistert das SUV ruhig. Der EX60 liegt sicher in der Hand und bleibt im Standardmodus selbst in zügig gefahrenen Kurven auch dank der direkt reagierenden Lenkung problemlos in der Spur.
Die beim Ultra verbauten 21-Zoll-Leichtmetallräder sorgen für einen festen Kontakt zur Straße. In den anderen Ausstattungen kommen 20-Zoll-Räder zum Einsatz.
Im Performance-Modus reagiert das Fahrzeug direkter und beschleunigt kräftiger. Im Range-Modus wird der Antrieb auf eine möglichst hohe Energieeffizienz und Reichweite ausgerichtet.
Der Volvo EX60 P10 Ultra ist bereits ab Werk umfangreich ausgestattet. Dazu gehört ein feststehendes Panorama-Glasdach, dessen Transparenz sich elektromechanisch anpassen lässt. Zur Ausstattung zählen außerdem:
Für die Sicherheit stehen zahlreiche Assistenzsysteme bereit. Fünf Radarsensoren, fünf Kameras und zwölf Ultraschallsensoren liefern dafür permanent Daten an eine zentrale Recheneinheit. Auf Wunsch ist der EX60 mit einer Anhängerkupplung erhältlich. Der P6 darf bis zu zwei Tonnen ziehen, die beiden Allradversionen bis zu 2,4 Tonnen. Stütz- und Dachlast liegen jeweils bei maximal 100 Kilogramm.