Bei der Restwertermittlung von Elektrofahrzeugen spielt der Batteriezustand eine entscheidende Rolle. KI‑gestützte Telematik reduziert Wertverlust und steigert den Wiederverkaufspreis.
Fuhrparkbetreiber, die Elektroautos weiterverkaufen möchten, stehen zunehmend vor Herausforderungen. Klassische Bewertungsfaktoren wie Alter und Kilometerstand reichen heute nicht mehr aus, um den tatsächlichen Restwert eines Elektroautos zuverlässig zu bestimmen.
Der entscheidende Faktor ist der Batteriezustand (State of Health). Er beeinflusst maßgeblich den Wiederverkaufswert und den Wertverlust von E‑Autos. Fabian Seithel, Associate Vice President Sales & Business Development EMEA bei Geotab, zeigt, wie Telematiklösungen mit KI-Unterstützung dabei helfen können, zuverlässige Batteriedaten zu erheben.
Bei der Restwertermittlung von Elektrofahrzeugen spielt der Batteriezustand eine entscheidende Rolle. Dennoch war es lange schwierig, diesen zuverlässig zu bewerten. Die Folge:
Um einen stabilen Gebrauchtwagenmarkt zu etablieren, gilt es, diese Probleme zu beseitigen. Eine wichtige Stellschraube dafür können Batteriezertifikate sein, die den aktuellen Gesundheitszustand (State of Health, SoH) sowie die Restkapazität des Antriebsakkus dokumentieren. Ein solches Zertifikat erhöht das Vertrauen potenzieller Käufer und kann sich positiv auf den Restwert des Elektroautos auswirken.
Die oft befürchtete schnelle Alterung tritt in der Praxis weniger drastisch auf. Eine Analyse von Geotab mit mehr als 22.000 Fahrzeugdaten zeigt eine durchschnittliche Degradationsrate von 2,3 Prozent pro Jahr. Das Ladeverhalten erweist sich dabei als eine zentrale Einflussgröße: Fahrzeuge, die stark auf Gleichstrom-Schnellladungen über 100 kW angewiesen waren, zeigten eine schnellere Degradation von durchschnittlich bis zu 3,0 Prozent pro Jahr, verglichen mit etwa 1,5 Prozent bei Fahrzeugen, die hauptsächlich mit Wechselstrom oder bei geringerer Leistung geladen wurden.
Ein bewusster Umgang beim Laden reduziert den Wertverlust von E‑Autos erheblich. So können Nutzer selbst etwas für den Werterhalt ihres Fahrzeugs tun. Ein Batteriezertifikat dürfte sich also auch aus diesem Gesichtspunkt für Verkäufer lohnen. Für Flottenbetreiber stellt sich allerdings die Frage, wie sie ohne großen Aufwand an die entsprechenden Daten kommen. Für Privatverkäufer mag ein einzelner Werkstattbesuch zur Messung kein Problem darstellen. In großen Fuhrparks sieht dies anders aus, gerade wenn beispielsweise eine ganze Fahrzeuggeneration auf einmal veräußert werden soll.
Moderne Telematik-Technologie ermöglicht es, über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs hinweg kontinuierlich eine Vielzahl von Sensordaten zu erfassen. Diese Daten liefern eine objektive Grundlage zur Bewertung von Elektroautos – ohne aufwendige manuelle Prüfungen.
Auf Basis dieser Daten lassen sich unter anderem das Fahrverhalten, etwa Brems- und Beschleunigungsmuster oder das Kurvenverhalten, die überwiegend gefahrenen Streckentypen wie Autobahn, Stadtverkehr oder Offroad-Passagen sowie Motorlaufzeiten ermitteln. Für E-Fahrzeuge lassen sich zusätzlich elektrische Werte abrufen:
Auch die Häufigkeit und Art auftretender Warnmeldungen können berücksichtigt werden. Diese Informationen sind entscheidend, um den Restwert eines E‑Autos realistisch zu berechnen.
Datenerfassung ist dabei aber nur eine Seite der Medaille. Denn die erfassten Daten gilt es im Anschluss auszuwerten. Mithilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich große Datenmengen analysieren und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzen. Die KI-gestützte Anwendung überwacht kontinuierlich den Zustand der Hochvoltbatterien von Elektrofahrzeugen und analysiert deren Gesundheitszustand mithilfe intelligenter Algorithmen. Ziel ist es, die Batterieleistung zu verbessern, die Lebensdauer der Batterien zu verlängern und gleichzeitig den Wiederverkaufswert der Fahrzeuge zu erhöhen. Dabei werden belastende Fahr- und Ladegewohnheiten erkannt, die die Batterie schneller altern lassen können. Zusätzlich erstellt das System Prognosen zur künftigen Batteriealterung und erkennt potenzielle Probleme frühzeitig, bevor es zu Ausfällen kommt.
Ein Schlüssel zum höheren Wiederverkaufswert sind automatisch generierte Batteriezertifikate im PDF-Format. Diese bieten transparente Nachweise über den Batteriezustand und schaffen Vertrauen beim Käufer. Durch die frühzeitige Erkennung von Wartungsbedarf helfen die KI-Systeme außerdem, ungeplante Standzeiten und Reparaturkosten zu reduzieren.
Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge entwickelt sich zunehmend zu einem datengetriebenen Markt. Objektive Batteriezustandsbewertungen und belastbare Restwertprognosen schaffen dabei die Grundlage für präzise und wirtschaftliche Entscheidungen. Für Flottenmanager und Fuhrparkverantwortliche, die die Elektrifizierung ihrer Flotte vorantreiben möchten, eröffnet dies neue Chancen. Wer früh auf KI-gestützte Telematik setzt, sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Fabian Seithel