Eine Auswertung von 6,6 Millionen Fahrzeugdiagnosen zeigt Auffälligkeiten bei Kilometerständen. Doch nicht jede Abweichung bedeutet einen manipulierten Tacho.
Bei rund jeder neunten elektronischen Fahrzeugdiagnose in Deutschland gibt es Hinweise auf einen möglicherweise manipulierten Kilometerstand. Das zeigt eine gemeinsame Untersuchung von Tüv Nord und dem Diagnosedienstleister Carly. Die Unternehmen haben dafür rund 6,6 Millionen sogenannte Scans ausgewertet, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.
Bei einer solchen Diagnose werden über die OBD-Schnittstelle im Fahrzeug Informationen aus den elektronischen Steuergeräten abgerufen. Dazu gehören neben gespeicherten Fehlercodes auch Daten zur Laufleistung. Weichen die Angaben von denen auf dem Kilometerzähler des Tachos ab, kann das auf eine Manipulation hindeuten. Bei 11,5 Prozent der in Deutschland durchgeführten Auslesevorgänge lag mindestens einer der gespeicherten Kilometerstände über der Tachoanzeige. Im internationalen Durchschnitt waren es 10 Prozent.
Ein Beweis für eine Manipulation sind solche Abweichungen allerdings nicht. Auch der Austausch eines Steuergeräts oder des Tachos sowie die Umrechnung von Meilen können zu unterschiedlichen Werten führen. Diese Fälle wurden in der Untersuchung nicht herausgefiltert. Wie viele Fahrzeuge tatsächlich einen manipulierten Kilometerstand aufweisen, lässt sich aus den Daten also nicht ableiten.
Auch bei der Fehlersuche liefert die elektronische Diagnose zahlreiche Treffer. In 83 Prozent der Auslesevorgänge fand sich mindestens ein Eintrag im Bereich der Fahrzeugelektrik.
Besonders häufig betroffen waren die Spannungsversorgung und das Bordnetz (66,7 Prozent), die Motorsensorik (59,9 Prozent) und die Kraftstoffaufbereitung (45,4 Prozent). Insgesamt fanden sich bei mehr als 90 Prozent der Diagnosen gespeicherte Fehlercodes.
Einzelne Auffälligkeiten sind noch kein Beweis für eine Manipulation. Bei Zweifeln kann eine professionelle Gebrauchtwagenprüfung sinnvoll sein. (SP-X/iz)