Joachim Marschal, Head of DACH bei Uber for Business, erklärt im Interview, wie digitale Mobilität ohne Fuhrpark funktioniert – flexibel, global und nachhaltig.
Mit wachsender Bedeutung von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kostenkontrolle geraten klassische Fuhrparks zunehmend unter Druck. Während Leasingmodelle feste Budgets erfordern und ungenutzte Ressourcen binden, suchen viele Unternehmen nach flexibleren Alternativen. Uber for Business, ein Geschäftsbereich der Mobilitätsplattform Uber, will genau das bieten: Eine digitale Flottenlösung, die Unternehmen bei Bedarf nutzen können – weltweit, transparent abgerechnet und mit CO₂-Reporting inklusive. Seit 2020 ist Uber for Business in Deutschland aktiv und richtet sich an Firmen, die auf eine On-Demand-Mobilitätsstrategie setzen. Wie sich das Modell vom traditionellen Fuhrpark unterscheidet, wo die Vorteile und Herausforderungen liegen und wie das Reporting funktioniert, erklärt der Uber for Business Deutschland-Chef im Interview.
Uber for Business ist ein globaler Geschäftsbereich von Uber, der sich auf die geschäftliche Nutzung unserer Mobilitätsdienste konzentriert, aber auch andere Lösungen wie Uber Eats für Essenslieferungen verfügbar macht. Während Uber als Plattform für Fahrten von Privatkunden bekannt ist, bieten wir mit Uber for Business eine speziell auf Unternehmen zugeschnittene Lösung an. In Deutschland sind wir seit 2020 aktiv. Ziel ist es, Firmen eine flexible, digitale Mobilitätslösung zur Verfügung zu stellen, mit der sie Mitarbeiterfahrten steuern, analysieren und effizient verwalten können – ohne eigene Fahrzeugflotten aufbauen oder betreiben zu müssen.
Im klassischen Fuhrpark werden Fahrzeuge geleast, gewartet und oft über Jahre hinweg gebunden – mit allen dazugehörigen Fixkosten. Unser Ansatz ist grundlegend anders: Uber for Business stellt keine eigene Fahrzeugflotte bereit, sondern ermöglicht es Unternehmen, jederzeit auf bestehende, externe Flotten zuzugreifen – bei Bedarf. Das ist im Prinzip eine digitale, abrufbare Flotte. Der entscheidende Unterschied liegt in der Variabilität der Kosten: Unternehmen zahlen nur, wenn der Dienst tatsächlich genutzt wird. Es gibt keine Leasingraten, keine laufenden Betriebskosten, keine Mindestnutzung.
Genau. Wir bieten bewusst kein klassisches Leasing- oder Abo-Modell an. Unser System basiert auf einem Pay-as-you-go-Prinzip. Nur wenn eine Fahrt gebucht und durchgeführt wird, entstehen Kosten. Diese sind klar und transparent einsehbar – im Vorfeld, in Echtzeit und in der Auswertung. Das bringt natürlich Vorteile, insbesondere für Unternehmen mit unregelmäßigem Mobilitätsbedarf oder projektbasierten Teams. So können Firmen ihre Mobilität flexibel und bedarfsgerecht gestalten.
Das ist eine berechtigte Frage. Unsere Lösung setzt auf Flexibilität statt Planbarkeit durch feste Raten. Natürlich erfordert das ein Umdenken – gerade in der Budgetplanung. Aber in der Praxis zeigt sich: Viele Unternehmen schätzen die Kostentransparenz und die Möglichkeit, nur für das zu zahlen, was auch tatsächlich genutzt wird. Zudem bieten wir über unser Dashboard umfassende Auswertungs- und Steuerungstools, die dabei helfen, Budgets dennoch verlässlich zu managen.
Gerne. Das Dashboard ist unsere zentrale Plattform für Unternehmen. Hier können Administratoren unter anderem Mobilitätsrichtlinien definieren – also festlegen, welche Mitarbeitenden wann, wo und wie unsere Services nutzen dürfen. Zusätzlich lassen sich sämtliche Fahrten nachvollziehen, inklusive der zugehörigen Kosten und CO₂-Werte. Auch eine rollenbasierte Verwaltung und die Einbindung in bestehende Abrechnungssysteme ist möglich. Ziel ist es, volle Transparenz und Kontrolle über die unternehmensweite Mobilität zu ermöglichen.
Nachhaltigkeit ist ein zunehmend zentrales Thema in unseren Kundengesprächen. Über das Dashboard bieten wir ein granulares CO₂-Reporting an, das alle durchgeführten Fahrten berücksichtigt. Dabei unterscheiden wir auch zwischen Fahrzeugkategorien – etwa reguläre Fahrzeuge oder Uber Green. Letzteres umfasst derzeit Hybrid- und vollelektrische Fahrzeuge. Bis 2040 wollen wir weltweit vollständig emissionsfrei arbeiten. Das Reporting zeigt also nicht nur den aktuellen Stand, sondern auch Optimierungspotenziale auf. Und: Diese Services sind für unsere Firmenkunden kostenfrei.
Insbesondere im Kontext von Scope-3-Emissionen – also den indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette – spielt Mobilität eine große Rolle. Zwar gibt es aktuell noch keine verbindlichen Regulierungen in diesem Bereich, aber viele Unternehmen wollen sich frühzeitig darauf vorbereiten. Unser Reporting bietet genau das: konkrete, faktenbasierte Daten über die durchgeführten Fahrten – aufgeschlüsselt nach Emissionstypen und nutzbar für Nachhaltigkeitsberichte. Wir verstehen uns hier als Partner für vorausschauende Unternehmen.
Wir arbeiten derzeit mit rund zehn führenden Abrechnungssystemen zusammen. Dazu gehören unter anderem SAP Concur, Expensify, Navan Expense, Rydoo oder Chrome River. Unsere Schnittstellen ermöglichen die automatisierte Übermittlung der relevanten Daten – von der Fahrt-ID bis zur Rechnung – in die jeweiligen Unternehmenssysteme. Das spart Zeit in der Buchhaltung und senkt Fehlerquellen.
Mitarbeitersicherheit ist ein zentraler Aspekt. Unsere App enthält verschiedene Sicherheitsfeatures: z. B. die Möglichkeit, den Standort in Echtzeit mit Kolleginnen oder Vorgesetzten zu teilen, einen Notfallbutton oder direkte Kontaktaufnahme mit dem Kundensupport. Zudem kooperieren wir mit Dienstleistern wie International SOS. Im Ernstfall kann ein Unternehmen nachvollziehen, wo sich Mitarbeitende befinden – etwa bei Krisen im Ausland. Wichtig ist dabei immer: Datenschutz steht an erster Stelle. Wir sind GDPR-konform und erfüllen alle regulatorischen Anforderungen.
In Deutschland sind wir reiner Vermittler von Fahrten – das heißt, die Fahrzeuge gehören lokalen, lizenzierten Mietwagen- und Taxiunternehmen. Diese entscheiden selbst über Ausstattung wie Dashcams. In der Regel werden entsprechende Aufnahmen nach klaren datenschutzrechtlichen Vorgaben gespeichert und gelöscht – etwa nur bei einem Vorfall. Uber selbst hat keine einheitliche Dashcam-Richtlinie für alle Partner, achtet aber auf rechtskonforme Verarbeitung im Sinne der DSGVO.
Unsere Lösung eignet sich besonders gut für Unternehmen mit wechselnden Teams, Dienstreisen oder temporären Mobilitätsbedarfen. Durch das flexible Modell entfallen Vorhaltekapazitäten oder Mindestabnahmemengen. Gleichzeitig behalten Unternehmen über das Dashboard stets den Überblick über Kosten, Nutzung und CO₂-Werte – auch für einzelne Teams oder Standorte.
Wir entwickeln die Plattform kontinuierlich weiter – sowohl technisch als auch funktional. Ein Fokus liegt auf der weiteren Verbesserung des CO₂-Reportings und der Ausbau von Uber Green. Wichtig ist uns, dass wir unseren Kunden nicht nur Mobilität zur Verfügung stellen, sondern ihnen helfen, Prozesse zu optimieren und strategische Ziele wie Nachhaltigkeit oder Flexibilität zu erreichen.
Die zentrale Herausforderung liegt in der Integration: Mobilität darf kein isoliertes System sein, sondern muss sich nahtlos in Unternehmensprozesse einfügen. Außerdem braucht es mehr Transparenz, etwa bei Kosten, CO₂-Ausstoß und Nutzung. Und schließlich ist Nutzerfreundlichkeit ein entscheidender Faktor – sowohl für die Mitarbeitenden als auch für Administratoren. Die Lösungen müssen einfach zu bedienen und gleichzeitig steuerbar sein. Hier sehen wir bei vielen Anbietern noch Potenzial, das ausgeschöpft werden sollte. (ja)