Ein Logistikunternehmen mit Sitz in Niedersachsen setzt auf Elektromobilität und alternative Kraftstoffe. Ein Pilotprojekt zeigt, wie nachhaltige Lösungen im Schwerlastverkehr gelingen können.
Das Unternehmen inTime Express Logistik mit Sitz in Kirchhorst/Niedersachsen, plant ab 2025 den Einsatz von Elektro-LKWs im Schwerlastverkehr. Der Fokus liegt auf der Reduzierung von CO₂-Emissionen, einem der größten Treiber des Klimawandels. Zwei vollelektrische Fahrzeuge sollen zunächst auf planbaren Langstrecken getestet werden. „Unser Ziel ist es, den Wandel aktiv zu gestalten und die Möglichkeiten der Elektromobilität voll auszuschöpfen“, erklärt Geschäftsführer Gerd Röttger. Doch der Weg dorthin ist komplex und mit Herausforderungen verbunden.
Ein entscheidender Punkt für den Erfolg der Elektromobilität im Schwerlastverkehr ist die Ladeinfrastruktur. Anders als bei Pkw erfordern Elektro-LKWs leistungsstarke Ladesysteme und zuverlässige Stromquellen. inTime Express Logistik setzt auf Eigeninitiative: Photovoltaikanlagen auf den Hallendächern, ein Batteriespeicher und eigene Ladesäulen bilden die Grundlage für das Pilotprojekt. Langfristig sei jedoch staatliche Unterstützung unverzichtbar, betont Röttger: „Allein eine Trafostation kostet uns 500.000 Euro – das können wir ohne finanzielle Hilfe nicht stemmen.“ Um die Effizienz der neuen Elektro-LKWs zu maximieren, nutzt das Unternehmen die Telematik-Lösung von Webfleet, einem führenden Anbieter für Flottenmanagement. Damit lassen sich Daten zu Reichweite, Ladestatus und Routenplanung in Echtzeit überwachen. Die Lösung hilft, den Betrieb zu optimieren und die Fahrzeugeinsätze noch effizienter zu gestalten.
Da der vollständige Übergang zur Elektromobilität noch Jahre dauern wird, setzt inTime auf einen hybriden Ansatz. Für längere Strecken und unvorhersehbare Transporte verwendet das Unternehmen HVO100, einen Biokraftstoff, der aus Abfallprodukten gewonnen wird. „Wir wählen die jeweils beste Technologie für den spezifischen Bedarf“, so Röttger. Dieser pragmatische Ansatz ermöglicht es, die CO₂-Bilanz schon heute deutlich zu verbessern, ohne die Flexibilität zu verlieren.
Ab 2025 müssen neu zugelassene LKW laut EU-Vorgaben 15 Prozent weniger CO₂ ausstoßen als in den Vergleichsjahren 2019 und 2020. Auch das deutsche Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) schreibt vor, dass Gebäude mit mehr als 20 Stellplätzen mindestens einen Ladepunkt bereitstellen müssen. Hinzu kommt die schrittweise Anpassung der Lkw-Maut: Ab 2026 wird für emissionsfreie Fahrzeuge ein um 75 Prozent reduzierter Mautteilsatz erhoben, was Anreize für die Umstellung schafft.
Ein zentraler Bestandteil der Strategie von inTime ist die Zusammenarbeit mit den Kunden. Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen, während nur ein paar Vorreiter bereits auf grüne Logistiklösungen setzen. Die neue CSRD-Richtlinie, die 2025 in Kraft tritt, verpflichtet Unternehmen jedoch dazu, ihre CO₂-Emissionen inklusive Scope-3-Emissionen offenzulegen. „Unsere Kunden müssen genauso bereit sein, in umweltfreundliche Technologien zu investieren wie wir“, erklärt Röttger.



Das Pilotprojekt von inTime Express Logistik liefert wertvolle Erkenntnisse, die Fuhrparkmanager nutzen können, um ihre Flotten nachhaltig zu gestalten. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die schrittweise Elektrifizierung. Da ein vollständiger Umstieg auf Elektro-LKWs kurzfristig kaum realisierbar ist, empfiehlt sich eine graduelle Integration. Ergänzend können alternative Kraftstoffe wie HVO100 eingesetzt werden, um die Emissionen zu senken und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Aufbau eigener Ladeinfrastruktur. Durch Investitionen in Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher kann nicht nur die Versorgungssicherheit gewährleistet, sondern auch die Abhängigkeit von externen Stromquellen reduziert werden. Staatliche Förderprogramme spielen dabei eine Schlüsselrolle, um die finanziellen Belastungen zu verringern. Darüber hinaus zeigt das Projekt, wie wichtig die Einbindung von Kunden ist. Nachhaltigkeit in der Logistik erfordert Transparenz und Zusammenarbeit. Kunden müssen über die Vorteile umweltfreundlicher Technologien informiert und zur Mitgestaltung des Wandels motiviert werden. Schließlich betont die Erfahrung von inTime die Bedeutung von Technologieoffenheit. Eine Kombination verschiedener Ansätze – von Elektro-LKWs bis hin zu Biokraftstoffen – ermöglicht es, die jeweils beste Lösung für spezifische Anforderungen zu finden. Unterstützt wird dies durch moderne Telematiksysteme wie Webfleet, die den Betrieb der Fahrzeuge effizient überwachen und optimieren können. Diese Ansätze verdeutlichen, dass nachhaltiges Flottenmanagement kein starrer Prozess ist, sondern eine flexible, strategische Ausrichtung erfordert, die technologische Innovationen und wirtschaftliche Realitäten gleichermaßen berücksichtigt.