New Mobility zieht in die Fuhrparks ein. Wie das aussehen kann und was New Mobility für Fuhrparkmanager bedeutet, erläuterte uns Sophia Matt, Beraterin für nachhaltige Mobilität bei Project Climate.
Mobilität ist mehr als nur (E-)Auto. Gerade in den vergangenen Jahren stieg durch erhöhtes Umweltbewusstsein, Digitalisierung und Elektrifizierung die Beliebtheit alternativer Mobilitätsangebote besonders im urbanen Raum nochmal an. E-Roller zeichneten das Bild der Kurzstrecken-Mobilität neu, die Nachfrage nach Diensträdern stieg deutlich und Sharing statt Besitztum erfuhr Aufwind. So zog das Konzept der New Mobility schließlich auch in Fuhrparks ein. Was genau sich dahinter versteckt, erfuhren wir im Vorfeld der Seminare der bfp AKADEMIE zum Thema New Mobility von Sophia Matt, Beraterin für nachhaltige Mobilität bei Project Climate.
New Mobility ist kein neues Konzept, aber durch ein zunehmendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung und Digitalisierung bekam das Thema nochmal Rückenwind. Als Sammelbegriff steht New Mobility für zahlreiche Mobilitätsmöglichkeiten und hört damit nicht einfach beim (E-)Auto auf. Viel mehr fallen darunter auch Alternativen zum Auto, innovative Mobilitätslösungen oder Sharing-Angebote und gerade in den vergangenen Jahren zeigte sich, wie dynamisch sich dieser Markt entwickelt. Neue Mobilitätskonzepte kamen auf den Markt und wurden ausprobiert, mit der Zeit revidiert, verbessert, neu aufgestellt; man denke hierbei besonders an E-Scooter in den Städten.
Gemein haben Mobilitätslösungen, die sich hinter dem Konzept New Mobility sammeln, dass sie vor allem in Ballungsräumen versuchen, auf Platzmangel zu reagieren, mit dem Ziel, einfache sowie gut zugängliche Mobilität zu schaffen. Damit sollen gleichzeitig auch ökologische und soziale Herausforderungen adressiert werden.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei es von Vorteil, zahlreiche Mobilitätslösungen nutzen zu können, die ihr aktuelles Mobilitätsbedürfnis befriedigt, sagt Sophia Matt, die als Referentin bei den bfp-AKADEMIE-Seminaren „Mehr Effizienz im Fuhrpark: Mit New Mobility zu Kostenreduktion und nachhaltigem Erfolg“ (hier zum Online-Seminar am 10. Juli und 10. September 2024 anmelden!) und „New Mobility für Arbeitsweg und Dienstreisen - ganzheitliches Mobilitätsmanagement neu gedacht“ (hier zum Online-Seminar am 19. September 2024 anmelden!) die Mobilitätsaspekte in Unternehmen beleuchtet.
Ein Trend ginge aktuell zur Multimodalität. Je nach Reise- oder Mobilitätsanlass würde auf die Verkehrsmittel zurückgegriffen, die verfügbar sind. Was für Angestellte mehr Freiheit in Bezug auf ihre betriebliche Mobilität bedeutet, stelle Unternehmen aber auch vor Herausforderungen, betont Matt. Menschen würden sich nicht mehr auf ein Verkehrsmittel versteifen, sondern sich flexibler ihre Mobilitätsangebote zusammensuchen, und zwar so, wie es ihrem aktuellen Bedarf entspreche: „Das ist aber eine Herausforderung. Wenn man vom Arbeitsweg spricht, möchte ein Mitarbeiter vielleicht mit dem Sharing-Rad kommen, eine andere Person, weil sie vielleicht weiter weg wohnt und auch noch ländlich, mit einem Auto und wieder eine andere möchte einen Scooter oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das heißt für Unternehmen ist es schwierig, da den Überblick zu behalten und bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln, die auf alle Bedürfnisse passen und gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es natürlich wichtig, dass man die Bedürfnisse irgendwie befriedigen kann.“
Schon lange müssen sich Unternehmen gegenüber Arbeitnehmern attraktiv gestalten, Stichwort Fachkräftemangel. Unternehmen schauen, welche Angebote geschaffen werden können, die die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen. Und gerade die betriebliche Mobilität stelle in dem Kontext einen signifikanten Faktor der Mitarbeiterzufriedenheit dar. Das sei aber keine einfache Angelegenheit und kann mitunter ein Spannungsfeld kreieren, weil Unternehmen einerseits aufgrund von Umweltauflagen wie der CSRD CO2-Emissionen einsparen, Kosten managen und gleichzeitig Mitarbeiteransprüche und Bedürfnisse hinsichtlich betrieblicher Mobilität berücksichtigen müssen. So stelle New Mobility das Fuhrparkmanagement vor Herausforderungen: „Wie wir gelernt haben, ist Mobilität ein sehr emotionales Thema. Und ein sehr persönliches. Keiner möchte sich vorschreiben lassen, wie er sich fortzubewegen hat.“ Das als Unternehmen zu managen, sprich CO2-Emissionen zu reduzieren und zeitgleich niemandem Vorschriften zu machen, sei schwierig.
New Mobility setzt also auf zahlreiche Möglichkeiten, tägliche Wege auch ohne das Auto zurückzulegen. Heißt das, der Dienstwagen im Fuhrpark ist bald obsolet? Wohl eher nicht. Das zeigt schon eine aktuelle Studie, nach der auch junge Nachwuchskräfte Wert auf einen Dienstwagen legen. Auch wird insbesondere bei längeren Strecken noch maßgeblich auf das Auto gesetzt. Allerdings wird der Fuhrpark immer elektrischer und das, obwohl mangelnde Reichweiten noch immer kritisiert werden. Dem entgegen steigt allerdings die Zahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte kontinuierlich an (wir berichteten). Und so würden viele Arbeitnehmer schon auf E-Autos umsteigen und für die Langstrecke gegebenenfalls einfach mehr Zeit für Ladestopps einplanen. Die Langstrecke sei mit dem E-Auto daher nicht grundsätzlich schwierig, allerdings gebe es Fälle und Fahrprofile, bei denen E-Mobilität unpraktisch sei. Daher komme es bei der Wahl des Mobilitätsmittels auf den individuellen Case und das jeweilige Unternehmen an, also wie verschiedene Fuhrparks auf verschiedene Einsatzgebiete ausgelegt sind.
Dass Arbeitswege aber auch auf vielerlei Art und Weise zurückgelegt werden können, wurde bei Project Climate zuletzt im kommunalen Kontext deutlich. Die Analyse arbeitsbedingter Wege zeigte dort, dass einerseits Verbrennerfahrzeuge des Projekt-Fuhrparks durch E-Autos ersetzt werden, und andererseits Strecken mit Pedelecs (unser Bericht zu Bikeleasing Services) und Lastenfahrrädern (unser Bericht zu Lastenrad-Leasing) zurückgelegt werden konnten. Im Ergebnis zeigten sie, dass der Fuhrpark um die Hälfte reduziert, komplett elektrifiziert und auch durch Lastenfahrräder und Pedelecs ergänzt werden konnte.
Individualisierte betriebliche Mobilität, die Einsparung von CO2-Emissionen, zu der Unternehmen aufgefordert sind und gleichzeitig Wirtschaftlichkeitsaspekte berücksichtigen; gewichtige Aspekte, die die Umgestaltung eines Fuhrparks erschweren. Unmöglich sei es aber nicht, solange Unternehmen mit dem richtigen Ansatz an das Thema New Mobility herangehen: „Was man machen kann, ist Anreize und Nudges setzen. Da hilft es immer, sich vorab die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzuschauen, sonst läuft man Gefahr, Maßnahmen zu ergreifen, die gar keine Wirkung haben, weil man an der völlig falschen Stelle ansetzt.“ Und dann würde auch deutlich, was im Wirkungsbereich der Unternehmen liege.
Am Beispiel Fahrrad hieße dies: Gibt es genug Stellplätze beim Unternehmen? Haben diese eine gute Qualität? Sind sie überdacht? Befinden sie sich in unmittelbarer Reichweite zum Unternehmen? Gibt es nach längeren Fahrten eine Möglichkeit vor Ort zu duschen? „Da kann das Unternehmen ansetzen und etwas tun, aber dafür muss man herausfinden: Was ist es, dass die Leute davon abhält, klimafreundlich unterwegs zu sein.“ Allerdings brauche ein solches Unterfangen vor allem auch Zeit: „Internalisierte Verhaltensweisen, gerade in Bezug auf Mobilität, zu verändern, dauert. Das hat auch viel mit Erfahrung und ausprobieren zu tun.“
Wie Sie Ihren Fuhrpark nachhaltig und effizient aufstellen können und welche Mobilitätskonzepte für Ihr Unternehmen sinnvoll sind, weiß Sophia Matt, Beraterin für nachhaltige Mobilität bei PROJECT CLIMATE. Im Rahmen zweier Seminare der bfp AKADEMIE gibt sie ausführliche Informationen darüber, was New Mobility bedeutet und zeigt, welche Möglichkeiten zur Umsetzung von New Mobility im Fuhrpark bestehen. Weitere Informationen zu den Seminaren finden Sie hier: