Mit Eigenzulassungen drücken Hersteller Autos in den Markt, steigern Verkaufszahlen und umgehen CO₂-Strafen – eine Taktik mit Risiken und Chancen.
Verkaufszahlen sind in der Automobilbranche ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Herstellers. Doch wer genau hinschaut, erkennt schnell: Nicht alle Zahlen spiegeln die tatsächliche Nachfrage wider. Ein großes Schlüsselwort dabei lautet: Eigenzulassungen. Diese sogenannten taktischen Zulassungen verfälschen die Marktdaten erheblich und sind in der Branche seit Jahrzehnten ein kontroverses Thema – mit direkten Auswirkungen auf Fuhrparkmanager.
Eigenzulassungen bezeichnen Fahrzeuge, die von Autoherstellern, Importeuren oder Händlern selbst zugelassen werden. Sie dienen dazu, die Verkaufsstatistiken zu schönen, Überkapazitäten auszugleichen oder gesetzliche Vorgaben zu umgehen. Darunter fallen beispielsweise Vorführwagen, Flottenfahrzeuge oder Tageszulassungen, die oft mit minimaler Laufleistung zu attraktiven Preisen verkauft werden. Laut Experten gilt ein Eigenzulassungsanteil von bis zu 20 Prozent als normal – alles darüber hinaus deutet auf taktische Manöver hin.
Für Fuhrparkmanager sind diese Fahrzeuge aufgrund der oft günstigen Konditionen besonders interessant, bergen aber auch Risiken für die Restwertentwicklung und langfristige Fuhrparkkosten.
Die Gründe für diese Praxis sind vielfältig:
Ein aktuelles Beispiel liefert die Marke MG, die zum chinesischen SAIC-Konzern gehört. Mit einem Eigenzulassungsanteil von über 52 Prozent im Jahr 2024 – im Dezember sogar 70 Prozent – führt MG die Rangliste der Eigenzulassungen an. Warum? Der Grund liegt in einer strategischen Entscheidung: Um einer hohen Strafsteuer der Europäischen Union zu entgehen, wurden viele Fahrzeuge vorzeitig zugelassen. Diese Steuer hätte ab November 2024 satte 36 Prozent betragen. Durch die vorgezogene Zulassung konnten die Fahrzeuge als nahezu neuwertig mit Rabatten angeboten werden.
Doch MG ist nicht allein. Auch andere Importmarken wie Suzuki, Mitsubishi oder Mazda verzeichneten zum Jahresende 2024 Eigenzulassungsquoten von über 50 Prozent. Besonders in gesättigten Märkten wie Deutschland greifen Hersteller verstärkt zu diesem Mittel, um Verkaufszahlen aufzupolieren.
Während der Covid-Pandemie waren Eigenzulassungen aufgrund hoher Auftragsbestände vieler Hersteller stark zurückgegangen. Doch mit der Normalisierung des Marktes kehrten die taktischen Zulassungen zurück. Anfang 2024 lagen sie noch deutlich niedriger, da Hersteller ihre offenen Bestellungen abarbeiteten. Gegen Jahresende jedoch stieg der Anteil wieder an, insbesondere bei elektrifizierten Fahrzeugen, die in einem schwächelnden Markt für E-Autos oft über Eigenzulassungen verkauft werden.
Eigenzulassungen bieten Fuhrparkmanagern zahlreiche Vorteile, erfordern jedoch eine genaue Analyse:
Eigenzulassungen bleiben ein wichtiges Instrument der Autobranche und bieten Fuhrparkmanagern attraktive Möglichkeiten zur Kostensenkung. Allerdings ist eine genaue Marktbeobachtung notwendig, um von den Vorteilen zu profitieren und Risiken wie Wertverluste zu minimieren. Mit einer durchdachten Strategie können Fuhrparks von den oft günstigen Konditionen der Eigenzulassungen erheblich profitieren. (ja)