Polestar will in Deutschland mit einem angepassten Vertriebsmodell wachsen. Der Hersteller baut auf enge Bindung mit Volvo-Händlern, erweitert sein Portfolio und plant mehr Standorte.
Polestar richtet sein Deutschlandgeschäft neu aus. Seit Sommer 2025 verantwortet Jan Grindemann als Regional Director Central Europe und Managing Director Germany den Ausbau des Vertriebsnetzes und die Umsetzung der globalen Wachstumsziele.
Polestar will seine Marktposition in Deutschland mit einem angepassten Vertriebsansatz stärken. Das neue Konzept orientiert sich an einem modifizierten Agenturmodell, das dem klassischen Vertragshandel ähnelt und den Partnern unternehmerischen Spielraum lässt. Jan Grindemann beschreibt die Lage als intensiven Wettbewerb. „Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb, in dem sich jeder Marktanteile kauft – wir auch“, sagte er. Entscheidend sei jedoch, die Markenpositionierung konsequent weiterzuführen.
Aktuell verfügt Polestar in Deutschland über rund zwölf Standorte. Bis Ende des Jahres soll das Netz auf etwa 25 wachsen, 2027 sollen fünf weitere folgen. Damit wolle man über 80 Prozent der Bevölkerung eine Fahrzeit von rund 45 Minuten zum nächsten Standort ermöglichen. Neue Partner stammen ausschließlich aus dem Volvo-Handel, zudem greift Polestar auf das bundesweite Servicenetz von Volvo mit rund 200 Standorten zurück.
Der geplante Ausbau des Händlernetzes hängt eng mit der Produktoffensive zusammen. Nach den SUV Polestar 3 und Polestar 4 sollen der Gran Turismo Polestar 5 und der kompakte SUV Polestar 7 folgen. Letzterer ist für das volumenstarke europäische Kompaktsegment vorgesehen. Mit dem neuen Modell rechnet Grindemann mit steigenden Stückzahlen.
Der Hersteller will neben Flottenkunden stärker Privatkundinnen und Privatkunden ansprechen. Derzeit entfallen rund 60 Prozent der Zulassungen auf gewerbliche Kunden, private Käuferinnen und Käufer machen etwa zehn Prozent aus. Künftig soll auch das Gebrauchtwagengeschäft stärker zur Stabilisierung beitragen. Rückkaufprogramme wurden reduziert und schrittweise durch professionellen Flottenvertrieb ersetzt. Jeder Handelspartner ist verpflichtend in das Polestar-Used-Car-Programm eingebunden, inklusive geprüfter Fahrzeuge und Batteriezertifikat.
Für 2026 erwarte Polestar ein moderates Wachstum. Netzumbau, neue Modellreihen und organisatorische Anpassungen dürften die Dynamik zunächst bremsen, mittelfristig aber die Basis für profitableres Wachstum schaffen. „Wenn es uns im Team Spaß macht, Autos zu verkaufen – und den Händlern auch –, dann haben wir sehr viel erreicht.“ (sp-x)