Audis elektrisches Mittelklasse-SUV ist das erste Modell auf der neuen PPE-Plattform. Mit 800 Volt-Technik und bis zu 270 KW Ladeleistung setzt der Q6 e-tron Maßstäbe.
Mehrmals wurde der erste Auftritt des Q6 e-tron verschoben, jetzt kommt das elektrische Mittelklasse-SUV endlich in den Handel. Hinsichtlich Fahrleistungen, Reichweite und Ladezeiten ist Audi mit dem Q6 e-tron ein großer Wurf gelungen, der beinahe den größeren und exklusiveren Q8 e-tron alt aussehen lässt. Auch die Wettbewerber wie Tesla Model Y oder BMW iX3 müssen sich warm anziehen. Dafür sorgen 800 Volt-Technik, starke Elektromotoren und ein ausgeklügeltes Batterie- und Lademanagement. Zwei Allrad-Varianten mit 100 kWh großer Batterie und bis zu 625 Kilometer Reichweite gehen Mitte Juli an den Start: der Q6 e-tron quattro mit 285 kW/388 PS für wenigstens 62.773 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) und der SQ6 e-tron mit 380 kW/517 PS zu Preisen ab 78.823 Euro. Es folgen zwei Versionen mit 225 kW/306 PS starkem Heckantrieb; die erste mit gleich großem Akku für 57.815 Euro ist bereits bestellbar, eine zweite mit 83 kWh-Batterie kommt später.
Der Q6 e-tron basiert auf der neuen, gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE- Plattform (Premium Platform Electric), auf der auch der Porsche Macan basiert. Auf dieser Architektur werden weitere Elektromodelle wie der A6 e-tron als Limousine und Avant sowie der Q6 e-tron Sportback folgen. Optisch macht das 4,77 Meter lange SUV keine Experimente und kommt mit typischer Audi-DNA, mit steiler Front, hoher Schulter und –Dachlinie daher. Was dem einen langweilig erscheinen mag, ist für den anderen genau das Design, das er aus Ingolstadt erwartet. Neu sind die aufpreispflichtigen digitalen OLED-Heckleuchten, deren Lichtmuster erstmals mit dem Umfeld kommunizieren (Car-to-X). In kritischen Verkehrssituationen warnen beispielsweise rote Dreiecke den nachfolgenden Verkehr.
Vorn sitzt es sich luftig, die Sitzposition passt, aber auch hinten gibt es dank 2,90 Meter Radstand enorm viel Platz für Knie und Kopf. Auch das Gepäckvolumen mit 526 bis 1.529 Liter ist ordentlich. Dazu kommen weitere 64 Liter im Frunk, der neben den Ladekabeln auch eine Reisetasche aufnehmen kann. Wer einen Anhänger zu ziehen hat, trifft mit dem Q6 e-tron eine gute Wahl: bis zu 2,4 Tonnen darf der an den Haken nehmen.
Verarbeitung und Materialanmutung im Innenraum sind makellos. Bei der Bedienung setzt Audi mit einer neuen Bildschirmlandschaft voll auf Digitalisierung. Das große, gebogene Panoramadisplay mit OLED-Screen vereint das 11,9 Zoll große Fahrerdisplay und das zentrale 14,5 Zoll-Touchdisplay unter einer Glasabdeckung. Auf Wunsch gibt es einen LED-Monitor vor dem Beifahrer sowie ein Head-up-Display, das mit Augmented Reality-Technik arbeitet. Das Infotainmentsystem, das erstmals Android Automotive OS als Betriebssystem nutzt, bleibt trotz einiger Direktwahltasten sehr komplex mit zahlreichen Untermenüs. Es gibt aber eine Extra-Klimaleiste und sogar noch einen physischen Drehknopf für die Lautstärke. Bis zu 30 Sicherheits- und Fahrassistenten sind erhältlich. Einparkhilfe, ACC, Effizienzassistent, aktiver Frontassistent und Ablenkungs- und Müdigkeitswarnung sind serienmäßig. Auf ersten Ausfahrten mit Vorserienfahrzeugen zeigte der digitale Sprachassistent, der mit ChatGPT-Unterstützung arbeitet, noch leichte Schwächen. Die Spracherkennung weigerte sich, einige Befehle auszuführen, und auch die Navigation kickte uns zweimal aus dem System.
Mit einem permanenterregten Synchronmotor an der Hinterachse und einem Asynchronmotor an der Vorderachse kommt in den Allradversionen vom Q6 e-tron eine neue Generation an Elektroantrieben zum Einsatz. Beim Laden setzt Audi auf 800 Volt-Technik, die hinsichtlich Ladeleistung und Effizienz Vorteile gegenüber 400 Volt bietet. An HPC-Ladesäulen kann der Elektriker Strom bis 270 kW und in nur zehn Minuten Energie für weitere 255 Kilometer Reichweite aufnehmen. Steht nur eine 400-Volt-Ladesäule zur Verfügung, wird die 100 kWh-Batterie automatisch in zwei Hälften mit gleicher Spannung geteilt, die sich parallel mit 135 kW laden lassen (sog. Bankladen). Auf ersten Testkilometern präsentierte sich der Q6 e-tron quattro sportlich-agil mit ausreichend komfortabler Federung. Aufgefallen ist uns, wie leise es im Fahrzeug ist. Mit 19,7 kWh je 100 Kilometer lag unser Verbrauch nur knapp über dem Normwert, dabei haben wir das Elektro-SUV so effizient wie möglich bewegt. Wer es krachen lässt, öfter den Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden (SQ6: 4,3 Sekunden) erledigt und den 2,4 Tonnen schweren Fünfsitzer hinauf bis zur Höchstgeschwindigkeit von 210 und 230 km/h treibt, muss freilich mit deutlich mehr rechnen.




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