Brände bei E-Autos sorgen schnell für Schlagzeilen – doch sind sie wirklich gefährlicher als Verbrenner? Fakten, Studien und Feuerwehr-Einschätzungen klären auf, was Mythos ist und was Realität.
Immer wieder berichten Medien über brennende E-Autos – ein gefundenes Fressen für Kritiker der Elektromobilität. Der Fokus der Medien auf diese Brände erweckt bei vielen den Eindruck, dass Elektroautos häufiger oder gefährlicher brennen als herkömmliche Fahrzeuge. Doch wie sieht die Realität wirklich aus? Brennen Stromer tatsächlich schneller oder heftiger als Verbrenner?
In Deutschland existiert bislang keine öffentliche Statistik, die gezielt Brände von E-Autos erfasst. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte 2023 Zahlen zu Fahrzeugbränden: Von 14.200 kaskoversicherten Pkw, darunter Verbrenner und Elektroautos, zeigte sich statistisch keine erhöhte Brandgefahr für Elektroautos. Allerdings führt die höhere Medienpräsenz von E-Auto-Bränden zu einer verzerrten Wahrnehmung.
Auch international bestätigen Studien ein geringes Brandrisiko bei E-Autos: Die schwedische Zivilschutzbehörde (MBS) veröffentlichte 2023 eine Studie, die zeigt, dass E-Autos deutlich seltener brennen als andere Fahrzeuge – die Brandrate von Stromern lag hier bei lediglich 0,004 Prozent. Der ADAC kam 2022 zu dem Schluss: „Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Elektroautos eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotor.“
Das Fraunhofer Institut ISI ergänzt: Zwar gibt es noch nicht genügend Daten, doch die bisher vorliegenden Studien sprechen für keine erhöhte Brandgefahr bei E-Autos. Zudem senken moderne Batterietypen wie Lithium-Eisenphosphat- oder Natrium-Ionen-Batterien die Gefahr eines Brandes deutlich.
Falls ein E-Auto doch mal brennen sollte, liegt es wie bei Verbrennern häufig an der Fahrzeugelektrik, so der ADAC. Ursache eines Brandes kann zum Beispiel ein Kurzschluss am Kabelbaum sein. Im Gegensatz zum Elektroauto kommen beim Verbrenner aber noch Öl und Kraftstoffaustritt als Ursache hinzu.
Laut dem ADAC entwickeln brennende Autos heutzutage – unabhängig von der Antriebsart – generell eine größere Hitze und mehr Flammen. Das liegt daran, dass deutlich mehr brennbare Stoffe verbaut werden als noch vor einigen Jahrzehnten: mehr Dämmung, mehr Kunststoffe und breitere Reifen.
Fahrzeugbrände aufgrund der Hochvoltbatterie sind nach Angaben des ADAC selten. Diese können durch Krafteinwirkung von außen – wie bei einem Unfall, oder durch interne Effekte entstehen. Wenn sich eine Zelle aufgrund einer Verformung oder eines internen Kurzschlusses erhitzt, kann das zum „Durchgehen“ der Hochvoltbatterie führen. Beim Brand einer Zelle werden deren benachbarte Zellen so aufgeheizt, dass sie sich in einer Art Kettenreaktion nacheinander entzünden, bis der Akku durchgebrannt ist oder bis durch Löscharbeiten die Temperatur nachhaltig gesenkt wurde. Diesen Prozess nennt man Thermal Runaway.
Brennen E-Autos anders als Verbrenner? Ja, vor allem dann, wenn die Batterie betroffen ist. Während bei Verbrennern oft Löschschaum eingesetzt wird, der den Sauerstoff entzieht, ist bei E-Autos Wasser das Mittel der Wahl: Denn Wasser kühlt die Batterie, unterbricht die thermische Kettenreaktion und verhindert so eine Ausbreitung des Brandes.
Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Batterie wasserdicht in einem Gehäuse unter dem Fahrzeugboden verbaut ist, wodurch das Löschwasser nur schwer an die Brandherde gelangt. Zudem kann ein scheinbar gelöschter Brand sich durch restliche Hitze oder Kurzschlüsse später erneut entzünden. Deshalb müssen Feuerwehren oft über Stunden mit großen Wassermengen kühlen.
Manchmal werden spezielle Löschcontainer eingesetzt, in denen das brennende Fahrzeug komplett unter Wasser gesetzt wird – dies ist allerdings aufwendig und verursacht Totalschäden. Forschungsprojekte arbeiten zudem an hitzebeständigen Löschdecken oder speziellen Löschdüsen, die direkt in die Batterie geführt werden, um effektiver löschen zu können.
Der Deutsche Feuerwehrverband betont jedoch, dass E-Auto-Brände nicht grundsätzlich gefährlicher oder komplexer zu löschen sind als etwa Gasfahrzeugbrände. Es sind jedoch spezielle Schulungen und Löschmethoden notwendig.
Brandbekämpfung in geschlossenen Garagen ist generell schwierig – für Elektroautos wie für Verbrenner. Besonders problematisch ist die giftige Rauchentwicklung bei brennenden Batterien, die eine aufwändige Sanierung erfordern kann. Moderne Sicherheitsvorkehrungen und Vorschriften für Ladestationen tragen dazu bei, das Risiko zu minimieren. Feuerwehr und Rettungsdienste sind auf diese Herausforderungen vorbereitet.
Kommt es zum Brand, zahlt in der Regel die Teilkasko für den entstandenen Schaden – die Haftpflichtversicherung hingegen nicht, da sie nur Schäden an Dritten deckt.
Die Reparaturkosten von E-Autos nach Unfällen sind im Schnitt bis zu 25 Prozent höher als bei Verbrennern. Das liegt vor allem an den teuren Batterien und den oft langen Standzeiten während der Reparatur. Häufig werden Batterien nach Unfällen komplett ausgetauscht, da es an präzisen Diagnose- und Reparaturmöglichkeiten fehlt. Der GDV fordert daher Hersteller auf, Batterien besser zu schützen und transparentere Daten für Werkstätten bereitzustellen, um wirtschaftlichere Reparaturen zu ermöglichen.
Besitzer sollten ihre Fahrzeuge regelmäßig nach Herstellervorgaben warten lassen und Reparaturen am Hochvoltsystem nur von spezialisierten Werkstätten durchführen lassen. Das Laden sollte möglichst immer an fachgerecht installierten Wallboxen erfolgen. „Notladekabel“ sind nur für den Ausnahmefall geeignet.
Nach einem Brand ist eine mehrtägige Überwachung des Fahrzeugs üblich, um Wiederentzündungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Die mediale Aufmerksamkeit für brennende E-Autos ist hoch – oft höher als für Brände bei Verbrennern. Wissenschaftliche Studien, Erfahrungen von Feuerwehr und Versicherern zeigen jedoch: Elektroautos brennen nicht häufiger oder grundsätzlich gefährlicher als herkömmliche Fahrzeuge.
Brandbekämpfung bei E-Autos erfordert zwar spezielle Methoden und längere Kühlzeiten, ist aber gut beherrschbar. Fortschritte in der Batterietechnik und neuen Löschverfahren verringern die Risiken weiter.
Für alle Interessierten gibt es unter folgendem Link ein Video, in dem die Thematik um brennende E-Autos behandelt wird: