Fünf Minuten tanken, 700 Kilometer fahren und hinten kommt nur Wasserdampf raus. Mit dem Master H2 Tech will Renault neue Maßstäbe im Nutzfahrzeugbereich setzen.
Brennstoffzelle trifft Nutzlast: Sieht so die Antriebszukunft der leichten und schweren Lademeister aus? Wenn es nach Renault geht, kommt ein klares Ja. Und dafür haben die Franzosen einen echten „Master“-Plan aufgelegt. Um die Antriebswende im Gewerbe zu schaffen, müssten zwar alle an einem Strang ziehen und von allen Beteiligten, also Politik, Industrie und Gesellschaft, gemeinsam kräftig in die Hände gespuckt werden, doch sei die Transformation ohne Alternative. „BEV-Transporter sind definitiv die Zukunft. Nur an der Umsetzung hapert es noch. Alles dauert viel zu lange“, ließ Heinz-Jürgen Löw, Senior Vice President Renault Nutzfahrzeuge, beim Roundtable-Gespräch auf der diesjährigen IAA Transportation in Hannover wissen. Die Umsetzung müsse auf alle Schultern verteilt werden und könne nicht nur den OEMs (Original Equipment Manufacturer/Erstausrüster) überlassen werden, grummelte er weiter.
Freilich, Renault hat schon jetzt einen ganz eigenen „Master“-Plan aufgelegt. Eben genau mit seinem Nutzfahrzeug-Topseller Master. Nach der Verbrenner- und Stromerversion hat der französische Autobauer jetzt die Wasserstoffvariante vorgestellt, die die Franzosen sehr selektiv in ausgesuchten Märkten, unter anderem in Deutschland, in den Handel bringen wollen. Bereits ab 2025, spätestens 2026 soll der fortschrittliche Wasserstoff-Transporter die Palette der leichten Nutzfahrzeuge (LCV) erweitern. Entwickelt wurde er vom 2021 gegründeten Joint Venture Hyvia – der Name „Hyvia“ ist ein Kompositum aus „Hy“ für „Hydrogen“ (engl. Wasserstoff) und „via“ für „Straße“ –, das zu gleichen Teilen von der Renault Group und dem H2-Spezialisten Plug Power gehalten wird, nach eigenen Angaben Pionier und Weltmarktführer für schlüsselfertige Wasserstoff- und Brennstoffzellenlösungen.
Und genau aus dieser Kooperation heraus kommt der nun vorgestellte Prototyp Master H2-Tech, der die Vorteile der Wasserstofftechnologie mit der bewährten Multi-Energy-Plattform des Renault Master vereint und wie kein anderes Nutzfahrzeug bisher für Effizienz und Leistung stehen soll. Dafür nutzt der Master H2-Tech eine Dual-Power-Architektur, bestehend aus einer 47-kW-Brennstoffzelle und einer 20-kWh-Batterie. Diese Kombination ermöglicht eine beachtliche WLTP-Reichweite von bis zu 700 km. Das H2-LCV kann in nur fünf Minuten betankt werden, was einen großen Vorteil gegenüber rein batterieelektrischen Fahrzeugen darstellt. Zur Auswahl stehen Versionen mit 7,5 oder 9 Kilogramm Wasserstoffspeicherkapazität in Hochdrucktanks (700 bar). Der Elektromotor leistet 143 PS und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Ein entscheidender Vorteil des Master H2-Tech ist die Integration der gesamten Wasserstoffarchitektur in die Fahrzeugplattform. Dies gewährleistet, dass sowohl Laderaum als auch Nutzlast erhalten bleiben. Das Ladevolumen reicht von 10,4 bis 14,3 m³, in der Version mit großem Volumen sogar bis zu 20 m³. Die Nutzlast beträgt bis zu 1.490 Kilogramm, während die Anhängelast bei 2.500 Kilogramm liegt. Neben der zu den meisten Stromern (bisher) vergleichsweise hohen Reichweite verfügt der Wasserstoff-Master noch über etliche weitere Pluspunkte: Schnelle Kraftstoffaufnahme – die kurze Betankungszeit von fünf Minuten minimiert Ausfallzeiten; Wetterunabhängigkeit – die Reichweite bleibt in allen Jahreszeiten konstant; Null-Emission – während der Fahrt werden keine CO2-Abgase oder regulierte Luftschadstoffe ausgestoßen; Flexibilität – der Master H2-Tech ist als Kastenwagen, Pritsche oder Fahrgestell erhältlich.
Zu den Minuspunkten zählen die kaum vorhandene Infrastruktur und die dadurch bedingt äußerst geringe Nachfrage. Und auch die Anstrengungen der Politik halten sich in puncto Ausbau von H2-Technik, -Förderprogramme und -Ladeeinrichtungen ziemlich in Grenzen. Gleichwohl plant das Joint-Venture HYVIA, ein umfassendes Wasserstoff-Ökosystem aufzubauen. Dazu gehören neben den Fahrzeugen auch Wasserstoff-Tankstellen, CO2-neutrale Wasserstoffversorgung sowie Finanzierungs- und Wartungsdienstleistungen. Dies soll Kunden eine ganzheitliche Lösung für den Umstieg auf Wasserstoffmobilität bieten.
Der Renault Master H2-Tech zeigt das Potenzial von Wasserstoff im Nutzfahrzeugsektor. Mit seiner Kombination aus hoher Reichweite, kurzer Betankungszeit und Nutzlasterhalt adressiert er zentrale Anforderungen von Geschäftskunden. Die geplante Markteinführung 2025 könnte einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Logistik und Transport darstellen. Die Entwicklung des Master H2-Tech unterstreicht Renaults Engagement für vielfältige Antriebslösungen. Durch die Fertigung aller Antriebsvarianten – Verbrenner, batterieelektrisch und Brennstoffzelle – auf demselben Montageband demonstriert Renault Flexibilität und Effizienz in der Produktion. Mit dem Master H2-Tech positioniert sich Renault zudem als Vorreiter in der Wasserstofftechnologie für leichte Nutzfahrzeuge und bietet eine vielversprechende Alternative für Unternehmen, die nach nachhaltigen, leistungsfähigen Transportlösungen suchen.
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