Der deutsche Markt gehört zur europäischen Spitzenklasse beim Absatz von Elektroautos. Mit der steigenden Zahl an batterieelektrischen Fahrzeugen wächst auch die Erwartung an Arbeitgeber, eine zuverlässige Ladeinfrastruktur bereitzustellen. Was leistet in dieser Hinsicht AC-Laden? Lohnt sich die Investition?
von Patrick Lengenfelder
Was einst als nettes Extra galt, wird heute als selbstverständlicher Teil des Alltags vorausgesetzt. Dennoch schrecken viele Unternehmen aufgrund von Kosten oder vermeintlicher Komplexität davor zurück, Lademöglichkeiten anzubieten. In der Realität sind dies jedoch keine echten Barrieren. Vielmehr profitieren Unternehmen, die gezielt in Ladelösungen für die eigene Belegschaft und den Fuhrpark investieren, von einer gesteigerten Attraktivität als Arbeitgeber. Zusätzlich wird die effiziente Elektrifizierung der eigenen Flotte gefördert.
Für Facility Manager und Immobilienverantwortliche, die umsichtig in die Elektromobilität investieren wollen, ergibt sich daraus ein schwieriger Spagat: Wird zu wenig in die Infrastruktur investiert, steigt die Zahl an frustrierten E-Autofahrern. Installiert ein Unternehmen zu viel, drohen unnötige Kosten, teure Netzaufrüstungen und unterausgelastete Anlagen. In diesem Zusammenhang bedeutet Zukunftssicherheit weniger das Streben nach maximaler Ladeleistung und -geschwindigkeit. Vielmehr liegt der Fokus auf Lösungen, die den heutigen Bedarf decken und gleichzeitig für kommende Anforderungen gerüstet sind.
Ein Großteil der öffentlichen Debatte dreht sich um DC-Schnellladestationen, insbesondere an prominenten Standorten entlang der Autobahnen. Diese Ladestationen spielen zwar eine wichtige Rolle, spiegeln jedoch nicht das typische Ladeverhalten im Alltag wider.
Heute entfallen rund 75 Prozent des öffentlichen Ladenetzes in Deutschland auf das AC-Laden (Wechselstrom), auch bekannt als Level-2-Laden. Ob zu Hause, im Betrieb oder am Zielort – es deckt die häufigsten Anwendungsbereiche ab. Angesichts der steigenden Zahl von E-Fahrzeugen werden diese alltäglichen Ladestationen die primären Anlaufstellen für den Ladevorgang bleiben. Da Fahrzeuge dort ohnehin den Großteil des Tages parken, fügt sich das AC-Laden ideal in das Nutzerverhalten ein. Es liefert ausreichend Reichweite bei gleichzeitig moderaten Installationskosten.
Was sich bereits ändert, ist die Leistungsfähigkeit des Level-2-Ladens. Moderne AC-Ladestationen sind längst nicht mehr auf langsames „Über-Nacht-Laden“ beschränkt. Mit Ladeleistungen von bis zu 22 kW können Einheiten der nächsten Generation höhere Geschwindigkeiten liefern, als viele Unternehmen vermuten – und das ohne zusätzliche Kosten. Dies hat Folgen für die Infrastrukturplanung: Unternehmen und Immobilieneigentümer können ihre Investitionen minimieren und dennoch einen echten Mehrwert bieten. Zum einen wird die Mitarbeiterbindung gestärkt. Zum anderen lassen sich Dienstwagenflotten auf diese Weise effizient laden und mehrere Fahrzeuge pro Tag versorgen.
Im Vergleich zu DC-Alternativen sind diese Ladestationen in der Anschaffung und Wartung günstiger. Zudem lassen sie sich oft in bestehende Netzanschlüsse integrieren. Das ermöglicht eine Installation an fast jedem Ort. Der Wartungsaufwand ist minimal, die Zuverlässigkeit exzellent. Das macht AC-Lösungen besonders für Unternehmen mit mehreren Standorten sinnvoll, die eine flächendeckende Ausrollung für ihre Flotte und Belegschaft anstreben.
Die Installation ist jedoch nur ein Teil des Projekts. Erst die Kombination aus hochwertiger Hardware und der passenden Management-Software erschließt den vollen Nutzen. Die neueste Generation von AC-Ladelösungen, wie etwa die CP6000 von ChargePoint, spiegelt diesen Wandel wider. Sie ist auf Anpassungsfähigkeit ausgelegt. So kann die Station dank der 22-kW-Ladekapazität im Tagesverlauf mehrere Fahrzeuge bedienen, ohne dass zusätzliche Hardware in Form von Ladestationen erforderlich wird.
Eine geeignete Software-Plattform steigert die Effizienz weiter, indem sie Features nutzt, um die Stromverteilung auf mehrere Fahrzeuge aktiv zu steuern. Ein dynamisches Lastmanagement ermöglicht es, die verfügbare Ladeleistung zu teilen, ohne den Standort zu überlasten. Gleichzeitig stellt die Zugangskontrolle sicher, dass Ladestationen exklusiv für Mitarbeiter oder Flottenfahrzeuge reserviert werden können. Neue Technologien wie Wartelisten beseitigen den Frust an voll belegten Standorten, indem sie eine digitale Warteschlange für die nächste freie Ladesäule verwalten.
Ein Arbeitsplatz oder Betriebshof muss nicht zwangsläufig mehr Ladesäulen installieren, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Er muss die vorhandenen Ladestationen nur besser nutzen. Dieser Ansatz markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Bewertung von Infrastruktur. Zukunftsfähige Strategien zielen auf maximale Effizienz und ein optimiertes Ladeerlebnis für die Belegschaft.
Dieses Umdenken ist für Unternehmen relevant, die beispielsweise „Return-to-Office“-Modelle unterstützen und Fortschritte bei ihren Nachhaltigkeitszielen demonstrieren wollen. Während in Deutschland durch das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) bereits klare Quoten für die Ladeinfrastruktur bei Neubauten und größeren Renovierungen bestehen, steigt der Druck durch den Markt bereits schneller als durch die Gesetzgebung. Die Herausforderung besteht darin, eine Infrastruktur bereitzustellen, die den Bedarf deckt, ohne überdimensioniert, unflexibel oder veraltet zu sein.
Letztlich sind die effektivsten Ladelösungen jene, die sich nahtlos in bestehende Routinen integrieren. Mitarbeiter möchten keine Umwege in Kauf nehmen. Sie möchten, dass der Ladevorgang natürlich abläuft, während sie arbeiten. In diesem Kontext geht es beim Laden weniger um reine Geschwindigkeit als vielmehr um Komfort, Zuverlässigkeit und intelligente Auslastung.
Das AC-Laden ermöglicht es also, mehr Fahrzeuge mit weniger Infrastruktur zu laden. Das geht auf eine Weise, die zum Lebens- und Arbeitsstil der Belegschaft passt. Daraus ergibt sich für Facility- und Fuhrparkmanager eine echte Chance. Mit intelligenten AC-Technologien, getragen von Hardware-Innovationen und smarten Systemdesigns, können Unternehmen Kosten senken und unnötige Erweiterungen vermeiden. Gleichzeitig bieten sich so langfristige Lösungen für die jeweiligen Flottenstrategien.