Mit Ladeleistungen von über 1.000 Kilowatt macht BYD Tempo beim Megawatt-Laden. Ladezeiten für Elektroautos sollen so auf Tankstellen-Niveau verkürzt werden. Noch stehen Technik und Infrastruktur jedoch vor großen Hürden.
Schon heute arbeitet BYD an Schnellladesystemen, die weit über das hinausgehen, was im Pkw-Bereich bislang üblich ist. Der chinesische Hersteller spricht bei seiner zweiten Generation des sogenannten Flash Charging von Ladeleistungen bis zu 1.500 Kilowatt und bringt damit das Thema Megawatt-Laden aus dem Nutzfahrzeugsegment in den Pkw-Alltag.
Während heutige Schnellladesysteme meist zwischen 150 und 350 Kilowatt liefern, setzt BYD auf deutlich höhere Spannungen und Ströme. Grundlage ist eine 1.000-Volt-Architektur mit Strömen von bis zu 1.000 Ampere. Kombiniert wird das mit der LFP‑Blade-Batterie 2.0 sowie spezieller Leistungselektronik und gezielter Kühlung. Theoretisch lassen sich so Ladeleistungen von weit über 1.000 Kilowatt erreichen.
In der Praxis bedeutet das laut BYD, dass innerhalb von etwa fünf Minuten Energie für bis zu 400 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können. Für einen Akku mit 122 Kilowattstunden nennt der Hersteller eine Ladezeit von neun Minuten von zehn bis 97 Prozent. Selbst bei minus dreißig Grad Celsius verlängert sich der Vorgang demnach lediglich um etwa drei Minuten. Die Garantie auf die Batterie liegt weiterhin bei acht Jahren oder 250.000 Kilometern, so BYD.
Kern der Strategie ist die sogenannte Super‑e‑Plattform. Batterie, Inverter, Elektromotor und Peripherie sind auf das hohe Spannungsniveau abgestimmt. Siliziumkarbid‑Halbleiter sollen eine effizientere Stromverarbeitung ermöglichen, neu entwickelte Zellchemien und Separatoren die hohen Ladeleistungen ohne deutlich verkürzte Lebensdauer verkraften. Zum Einsatz kommen zudem flüssigkeitsgekühlte CCS‑Kabel und Steckverbindungen.
Mit steigender Ladeleistung wachsen jedoch auch die technischen Herausforderungen. Hohe Ströme erfordern eine aufwendige Kühlung der Kabel, zugleich steigen die Anforderungen an Sicherheit und thermisches Management der Batterien. Eine weitere Hürde ist die Netzintegration: Megawatt‑Lader benötigen Anschlussleistungen, die vielerorts das bestehende Stromnetz überfordern könnten.
BYD setzt deshalb auf integrierte Pufferspeicher an den Ladesäulen. Zwei Batterien mit jeweils 185 Kilowattstunden speichern Energie aus dem Netz und geben sie kurzfristig mit hoher Leistung an das Fahrzeug ab. So sollen bis zu fünf Fahrzeuge pro Stunde geladen werden können.
Der Hersteller plant, das Flash‑Charging‑System zügig auszurollen. Stella Li, Vice President von BYD, erklärte, man wolle ein eigenes Flash‑Charging‑Netzwerk aufbauen, Händler unterstützen und mit vorhandenen Betreibern kooperieren. In China seien bereits 5.300 Ladepunkte installiert, bis Ende 2026 sollen es 20.000 werden. Außerhalb Chinas sind weitere 6.000 geplant, davon 3.000 in Europa. In Deutschland sollen 300 T‑förmige Stationen mit je zwei Ladepunkten ans Netz gehen, hier mit Ladeleistungen von etwas über 1.000 Kilowatt.
Erste Fahrzeuge mit dieser Technik sind bereits angekündigt. Mit dem Z9 GT der Premiummarke Denza stellte BYD in Europa ein Modell vor, das das neue Ladesystem unterstützt. Weitere Fahrzeuge sollen folgen, darunter ein Elektro‑SUV unter dem BYD‑Label. Künftig sollen alle neuen Denza‑Modelle Flash Charging bieten.
Konkurrenten arbeiten ebenfalls an Hochleistungsladesystemen. Mercedes‑Benz zeigte bereits ein Konzeptfahrzeug mit Ladeleistungen im Megawatt‑Bereich, Tesla nutzt Megacharger bisher vor allem für Nutzfahrzeuge. Europäische Anbieter wie ABB E‑Mobility, Siemens oder Alpitronic entwickeln entsprechende Hardware. Serienreife Systeme für Pkw sind bisher jedoch rar.
Langfristig dürfte sich Megawatt‑Laden vor allem dort durchsetzen, wo Zeit eine zentrale Rolle spielt, etwa auf Autobahnen, in urbanen Ladehubs oder im Flottenbetrieb. Ob sich die Technik als neuer Standard etabliert, hängt nach Einschätzung der Branche weniger von der Machbarkeit als von Kosten, Netzausbau und der Verbreitung geeigneter Fahrzeuge ab. Sicher ist nur: Der Wettlauf um die schnellste Ladesäule hat begonnen. (SP-X)