Vehicle-to-Load (V2L) ermöglicht es Elektroautos, externe Geräte mit Strom zu versorgen. Die Funktion gewinnt mit steigenden Batteriekapazitäten zunehmend an Bedeutung.
Elektroautos lassen sich zunehmend auch als mobile Stromquelle nutzen. Mit der Funktion Vehicle-to-Load wird Energie aus der Traktionsbatterie direkt an externe Verbraucher abgegeben. Was früher als Ausnahme galt, ist bei immer mehr aktuellen Modellen verfügbar.
Elektroautos waren lange Zeit reine Stromabnehmer. Energie floss aus dem Netz in die Batterie, nicht umgekehrt. Erst Fortschritte bei Leistungselektronik und Hochvolttechnik ermöglichten es, gespeicherten Strom wieder nach außen zu leiten. Vehicle-to-Load, kurz V2L, ist eine eigenständige Unterfunktion des bidirektionalen Ladens.
Im Unterschied zu anderen Varianten wie der Versorgung eines Hauses (V2H) oder der Rückspeisung ins Stromnetz (V2G) liefert V2L Strom direkt an elektrische Geräte. Technisch greift das System auf den vorhandenen Wechselrichter des Fahrzeugs zurück. Dieser wandelt bei aktivierter Funktion den Gleichstrom aus der Batterie in haushaltsüblichen Wechselstrom mit 230 Volt und 50 Hertz um. Eine zusätzliche Infrastruktur ist dafür nicht notwendig.
Erst größere Batterien haben diese Art der Nutzung im Alltag praktikabel gemacht. Moderne Elektroautos verfügen häufig über Akkus mit mehr als 60 Kilowattstunden Kapazität. Frühere Fahrzeuge hätten diese Aufgabe zwar grundsätzlich erfüllen können, es fehlte jedoch an Reichweite, Leistung und einer komfortablen Umsetzung.
Hersteller setzen bei V2L auf zwei unterschiedliche Konzepte. Einige Modelle verfügen über integrierte 230-Volt-Steckdosen im Innen- oder Kofferraum. Zu den frühen Beispielen zählen der Hyundai Ioniq 5 und der Kia EV6. Hier genügt es, ein Gerät direkt anzuschließen.
Andere Fahrzeuge nutzen externe Adapter, die in die Ladebuchse gesteckt werden. Die Aktivierung erfolgt über das Fahrzeugmenü. Ein Beispiel dafür ist der Mazda 6e. Diese Lösung verzichtet auf zusätzliche Steckdosen im Fahrzeug und gilt als flexibel einsetzbar.
Die abgegebene Leistung liegt je nach Modell typischerweise zwischen 2 und 3,6 Kilowatt. Das reicht für zahlreiche Anwendungen, etwa für Laptops, Kaffeemaschinen, Kühlboxen oder Elektrowerkzeuge. Auch größere Verbraucher wie Gefrierschränke lassen sich betreiben. Beim Camping oder auf Baustellen ohne Netzanschluss kann das Auto so einen Generator ersetzen.
Auch bei Stromausfällen kann V2L hilfreich sein. Beleuchtung, ein WLAN‑Router oder ein Kühlschrank lassen sich betreiben, sofern eine Verbindung vom Fahrzeug zum Gebäude hergestellt wird. Die Traktionsbatterie dient dabei als temporärer Stromspeicher. Mit der wachsenden Verbreitung von Elektroautos gewinnt diese Form der Stromnutzung insgesamt an Relevanz und ist durch ihre vielseitigen und flexiblen Einsatzmöglichkeiten auch für Fuhrparks interessant. (SP-X)