Digitale Displays, smarte Assistenten und 720 km Reichweite – der Audi A6 Avant e-tron performance verspricht viel Technik, Reichweite und Komfort. Doch wie alltagstauglich ist der Elektro-Kombi wirklich? Wir haben ihn getestet.
Ein volldigitales Cockpit, smarte Assistenzsysteme und viel Reichweite – der Audi A6 Avant e-tron performance will vieles zugleich sein: intelligent, komfortabel und sportlich. Doch steckt hinter all der Technik auch echte Alltagstauglichkeit? Und wie schlägt sich der elektrische Oberklasse-Kombi auf der Straße? Wir haben den Audi A6 Avant e-tron performance ausführlich getestet.
Es ist nicht das Äußere, was zählt. Vielmehr sind es die inneren Werte, und die sind es, die beim Audi A6 e-tron performance auffallen. Konkret: Bildschirme, Knöpfe und Regler, die das Cockpit zieren. Am wichtigsten aber: Ein MMI Panoramadisplay im Curved Design, das aus dem 11,9 Zoll großen Audi Virtual Cockpit und dem 14,5 Zoll großen MMI Touchdisplay besteht. Zunächst wirken sie erschlagend, schnell wird aber deutlich, dass sie recht durchdacht sind. Letzteres ist so aufgebaut, dass man die wichtigsten Elemente während der Fahrt einfach und intuitiv ansteuern kann. Dazu helfen kleine Kacheln auf der linken Bildschirmseite. Auch die Fahrzeugtemperierung lässt sich ohne weiteres am unteren Bildschirmrand konfigurieren. Man kann auch tiefer ins Menü eintauchen und weitere Elemente auffinden, wenn man denn will. Für den Alltagsgebrauch sind die wichtigsten Elemente zumindest an Ort und Stelle sofort auffindbar. Allerdings zeigt sich das Design der Regler zum Ein- und Ausschalten von Fahrzeugfunktionen, sollte man tiefer in das Menü eintauchen, etwas wenig durchdacht. Ein oder aus, entweder ist es dunkelgrau oder schwarz. Man erfährt aber nicht vom bloßen Hinschauen, was denn nun was ist.
Weiter geht es in der Fahrertür. Dort befindet sich ein Touchpad mit satten 14 Knöpfen, womit unter anderem die Sitzheizung oder die Verriegelung des Autos angewählt werden kann. Außerdem ist das Lenkrad mit Touchbedienung anstelle von Schaltern und Rollen ausgestattet. Was sich nach Touch anhört, fühlt sich aber trotzdem haptisch, daher nach Schalter, an.


Ein Head-Up-Display projiziert alle wichtigen Hinweise während der Fahrt direkt in das Sichtfeld des Fahrers. Das umfasst auch proaktive Hinweise bzgl. die Änderung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Etwaige Begrenzungen fliegen dann in Form der kreisrunden Schilder in das Blickfeld des Fahrers oder der Fahrerin, mitsamt Hinweis dafür, dass man doch den Fuß vom Pedal nehmen soll.
Apropos Technik: Zahlreiche Features können auch per Sprachbefehl „Hey Audi“ angesteuert werden. Das funktionierte auf unseren Tests erstaunlich gut, nahm sie doch jede Anweisung erstaunlich schnell an. Navigationsanweisungen wurden sofort ohne weitere Nachfrage in die Tat umgesetzt und die Strecke unverzüglich auf Fahrer- und Infotainmentdisplay projiziert, letzteres in fotorealistischen Bildern. Auch konnten wir per Sprachbefehl Fragen stellen, die das System mit Daten aus dem Internet beantwortete. Nur funktionierte das Abschalten von Funktionen per Voice Control nicht immer. Die Rekuperation ließ sich per Sprachbefehl zwar ausschalten, nur bei Assistenzsystemen wie dem Spurhalteassistenten weigerte sich der Bordcomputer. Das musste dann per Touchscreen ausgestellt werden.
In unserem Fahrzeugmodell hatte auch der Beifahrer ein Display (gegen Aufpreis ab Paket Tech plus), und anstelle von Rückspiegeln hatte unser Audi A6 virtuelle Außenspiegel, die, anstelle von konventionellen Spiegeln, Echtzeitbilder der Fahrzeugumgebung über Kameras auf Displays in den Fahrertüren überträgt. Ob das wirklich sinnvoll ist? Audi spricht von einem „Design- und Technologie-Highlight“. Gewöhnungsbedürftig trifft es eher, gerade beim ersten Einparken hat es doch für Probleme gesorgt, weil während der Fahrt noch der korrekte Winkel eingestellt werden musste.


So manches Goodie ist vielleicht gut gemeint, aber ob virtuelle Außenspiegel wirklich sein müssen? Was, wenn sie ausfallen? Je mehr Technik, desto anfälliger! Die Option gibt es zumindest, gegen 1.218 Euro (alle Preise netto, zzgl. USt.) Aufpreis versteht sich.
Name ist Programm: Auf der Strecke präsentiert sich der A6 e-tron performance seinem Namen gerecht als echtes Statement, optisch wie fahrdynamisch. In 5,4 Sekunden schießt der Premium-Stromer von 0 auf 100 km/h und das kontrolliert und souverän. Auch durch enge Kurven manövriert er mit Leichtigkeit und nimmt jede Ecke bravourös mit. Das Lenkrad wirkt sportlich und liegt gut in der Hand, die Lenkung ist präzise, gar spielerisch.
Unser Modell besaß außerdem ein adaptives Luftfederfahrwerk (im Technologiepaket Tech Pro gegen 6.932 Euro Aufpreis), eine elektronische Luftfederung mit stufenlos adaptivem Dämpfungssystem an den Rädern. Dieses soll sowohl den Fahrkomfort als auch die Fahrdynamik verbessern. Auf der Strecke heißt das: sportlich, aber nicht holprig. Unebenheiten steckte der Stromer mit Leichtigkeit weg. Die Sitze überzeugten zeitgleich mit gelungenem Seitenhalt und einer effektiven Lendenwirbelstütze, sodass auch längere Etappen ermüdungsfrei absolviert werden konnten.
Auch akustisch zeigt sich der Audi von seiner besten Seite. Der Innenraum bleibt angenehm leise, selbst bei hohen Geschwindigkeiten, dank guter Geräuschdämmung. Allerdings ist uns ein Surren aufgefallen, das während der Fahrt in höheren Geschwindigkeiten zu vernehmen ist - das ging auch nicht weg.
Schließlich kann sich auch die Reichweite sehen lassen. Natürlich ging sie bei Sprints auf der Autobahn schneller nach unten, aber mit bis zu 720 Kilometern Reichweite (nach Herstellerangaben) rückt der nächste Ladestopp in weite Ferne. Davon abgesehen, dass die Verbräuche auf unseren Testfahrten wirklich gut waren, mit Angaben von unter den WLTP-Werten des Herstellers. Sollte man dann an der Ladesäule stehen, kann man sowohl AC als auch DC auf der Fahrerseite laden. Eine weitere Möglichkeit zum AC-Laden gibt es auf der Beifahrerseite.
Und das Laden ging relativ fix. An zwei Ladestopps lud der A6 Avant e-tron performance wie folgt:
Audi schlüsselt den Verbrauch des A6 Avant e-tron performance nach WLTP unter verschiedenen Bedingungen auf. Angegeben haben die Ingolstädter die Verbräuche durch die Innenstadt mit 11,4 kWh/100km, die Fahrt am Stadtrand mit 12,0 kWh/100km, die Fahrt auf Landstraßen 13,5 kWh/100km, die Fahrt auf der Autobahn 19,2 kWh/100km und ein kombinierter Verbrauch von 14,9 kWh/100km. Bei unseren Testfahrten kamen wir auf folgende Verbrauchswerte:



Enorm viel Fahrspaß und Komfort, hohe Reichweiten, ein großzügiger Kofferraum und sonst alles was man - vielleicht auch gar nicht - braucht. Und vor allem: Technik, soweit das Auge reicht. Vom geschwungenen MMI Panoramadisplay über ein Head-up-Display bis hin zu Sprachsteuerung und virtuellen Außenspiegeln ist der A6 Avant e-tron performance vollgestopft mit digitalen Features. Die Bedienung erfolgt teils intuitiv über Touch, teils über das Lenkrad – oder eben per „Hey Audi“-Sprachbefehl. Selbst der Beifahrer bekommt auf Wunsch ein eigenes Display, wenn das Tech-plus-Paket gebucht wird. Das Fahrerlebnis ist damit nicht nur komfortabel, sondern auch hochgradig digitalisiert. Nur hat so ein üppiges Fahrerlebnis seinen Preis: Bereits ohne Sonderausstattungen, besondere Sitzbezüge oder Technik-Pakete schlägt der A6 Avant e-tron performance mit satten 64.915 Euro zu buche. Vom Brutto-Preis her kann man sich den A6 sogar auf über 100.000 Euro hochindividualisieren. Dann bekommt man einen Technologieriesen mit exzellentem Fahrkomfort. Aber ob alle Technik-Goodies dabei sein müssen ist eine andere Frage. Und wie gesagt, ist der Fahrtkomfort dann auch sechsstellig. (ks)