Erste Ausfahrt mit BMWs neuem i5 Touring, dem ersten rein elektrischen Kombi der weiß-blauen Premiummarke. Ein großer Wurf, nicht nur bei Platz und Technik.
Kleider machen Leute. Was früher galt und ein ungeschriebenes Gesetz war, wird heute zwar nicht mehr ganz so streng gehandhabt. Doch gerade Geschäftsleute, die etwas auf sich halten und ihr Unternehmen entsprechend repräsentieren wollen bzw. müssen, dürften große Freude am neuen BMW i5 Touring finden. Denn der erste vollelektrische Kombi der bayrischen Premiummarke erfüllt so ziemlich alle Voraussetzungen, die Flottenchefs, leitende Fuhrparkmanager oder gestandene Vielfahrer an einen standesgemäßen Dienstwagen stellen – mit dem frisch gestarteten i5 Touring gibt’s einen maßgeschneiderten Businessanzug, mit dem Geschäftsmann durchaus eine gute Figur machen kann.
Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Bisher ist der E-Kombi aus Dingolfing das einzige Angebot in dieser Gewichtsklasse. Ansonsten liegt die diesbezügliche Spannung am Netz zurzeit bei null. Und wie es sich mit Reichweitendruck, Ladeinfos und Ladestopps in Theorie und Praxis anfühlt, konnten wir leider mangels Zeit und Möglichkeiten noch nicht testen. Wie fährt er sich denn aber nun, BMWs elektrifizierter Lademeister? Bfp FUHRPARK & MANAGEMENT durfte mit dem eleganten Elektrokombi schon mal eine ausgiebige Testrunde durchs Altmühltal drehen.
Wir sind sowohl in der Einstiegsversion i5 eDrive40 Touring als auch mit der besonders dynamischen Variante M60 xDrive Touring unterwegs. Fokussieren wollen wir uns jedoch auf die Basisvariante, die bereits mit stattlichen 60.672 Euro (zzgl. USt.) zu Buche schlägt. Denn bei der Allradausgabe geht es nicht nur in puncto Fahrspaß und Agilität mächtig zur Sache, sondern auch beim Preis. Die Liste startet bei selbstbewussten 85.294 Euro, netto wohlgemerkt.
Das Cockpit präsentiert sich bei beiden Modellversionen volldigital. Gleich ins Auge fällt die riesengroße, leichtgebogene Instrumentenanzeige, neudeutsch Curved Display. Dabei bilden ein 12,3 Zoll großer Info-Monitor und der Control-Touchscreen mit einer Bildschirmdiagonale von 14,9 Zoll einen spacigen, zeitgemäßen Anzeigenverbund. Zum modernen Premium-Ambiente im Interieur tragen außerdem die neuen serienmäßigen Sportsitze und das jetzt im unteren Bereich abgeflachte Lenkrad bei. Optional steht des Weiteren eine in die Instrumententafel integrierte Licht- und Funktionsleiste in Glasoptik mit nahezu unsichtbaren Belüftungsausströmern zur Verfügung, die sogenannte „BMW Interaction Bar“. Laut Hersteller ist die serienmäßige Interieursausstattung zudem vollständig vegan. Bequemeres Be- und Entladen soll die verbreiterte Gepäckraumöffnung in Verbindung mit der tiefen Ladekante ermöglichen. Insgesamt kann der i5 Touring 570 bis 1.700 Liter Gepäck aufnehmen. In Anbetracht des dicken Akkus im Unterboden ein ganz ordentliches Volumen.
Genug der Theorie und ab auf die Piste. Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Wo bei BMW Premium draufsteht, ist auch Premium drin. Es fängt bei den Materialien an, Haptik und Verarbeitung sind standesgemäß, und hört bei Ausstattung und Technik noch lange nicht auf. Viel Platz, gute Sitze, gute Geräuschdämmung, stimmiges Fahrwerk, gelungenes Handling. Der elegante Businesskombi lässt nicht nur Managerherzen höherschlagen. Laut Hersteller ist der 5er Touring wegen seiner hohen Funktionalität und dem großen Gepäckraum besonders auch bei Familien beliebt. Bei der Vorgängerbaureihe entschieden sich immerhin 60 Prozent der Käufer für den Lademeister und lediglich 40 Prozent für die Limousine. Bei der neuen Generation prognostiziert das Marketing eine ähnliche Verteilung. Und auch beim Antrieb sollen die elektrifizierten Modelle mit jeweils 30 Prozent BEV und PHEV (Plug-in-Hybrid) den Verbrennerversionen grob den Rang ablaufen.
Für Fahrspaß bei der Einstiegsversion i5 eDrive40 Touring sorgt eine an der Hinterachse montierte E-Maschine mit 340 PS und 430 Nm. Damit beschleunigt der 2,2-Tonner in 6,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 193 km/h Spitze. Die 81,2-kWh-Batterie ist laut WLTP für etwa 483 Kilometer ausgelegt. Am Ende der Testfahrt erscheinen rund 400 Kilometer realistischer. Unser Durchschnittsverbrauch betrug nach 64 Minuten und 101,5 Kilometern 25,0 kWh. Naturgemäß nochmal ganz anders zur Sache geht’s im Topmodell i5 M60 xDrive Touring. Mit satten 601 PS und krassen 820 Nm maximalem Drehmoment lässt sich so mancher enger Termin doch noch wuppen, wenn die Bahn frei ist. Aus dem Stand braucht es 3,9 Sekunden bis zu Tempo100, zur Not unterstützten auch noch Launch Control und Boost-Funktion, bei 230 km/h ist abgeregelt Schluss. Wenig überraschend treiben die Hochleistungswerte den Verbrauch nach oben und die Reichweite, laut BMW ca. 445 Kilometer, nach unten.
Aber Freude am Fahren hatte schon immer ihren Preis und gehört ja nach wie vor zu den Markenzeichen des bayrischen Premiumherstellers. Wie sich das in Zukunft anfühlt, wie aus Freude am Fahren, Freude am Gefahrenwerden wird, konnten wir indes auch schon miterleben. Und dieser Fahreindruck war tatsächlich bemerkenswert. Denn im neuen i5 Touring ist ein im Wortsinne wegweisender Autobahnassistent verbaut. Dieser fortschrittliche elektronische Helfer ermöglicht teilautomatisiertes Fahren gemäß Level 2+. Speziell Vielfahrer dürften auf diesen Assistenten buchstäblich abfahren.
Unser Test war beeindruckend. Zuerst muss der Highway Assist per Taste am Lenkrad aktiviert werden. Nach kaum mehr als zwei Sekunden signalisiert die Anzeige „Assist Plus ready“ im Instrumentendisplay, dass der Fahrer die Hände vom Steuer nehmen kann. Gesagt, getan. Von nun an übernimmt der i5 Touring größtenteils die Fahrfunktionen. Eine Infrarotkamera kontrolliert permanent, ob der Pilot den Verkehr weiter im Auge hat. Whatsapp und Co. oder gar ganz Old School Zeitungslesen sind nicht möglich. Unaufmerksamkeit beantwortet der Autobahnassistent umgehend mit lautem Klingeln und kräftigem Meckern, wird dann immer penetranter und greift schließlich ein. Gleichwohl ist das Abbiegen in eine andere Spur ohne Lenkeingriff möglich. Es ist sogar spielend einfach.
Signalisiert der Assi ja und gibt sein Okay, genügt ein Blick des Fahrers in den Außenspiegeln und der i5 Touring wechselt die Spur selbstständig. Die Funktion ist bis 130 km/h auf der Autobahn oder auf Schnellstraßen mit getrennten Fahrtrichtungen einsetzbar. Geht es runter von der Bahn, deaktiviert sich diese spektakuläre Fahrhilfe automatisch, dann muss der Fahrer wieder übernehmen. Auch Kurven werden vom i5 spielend automatisiert genommen. Bereits nach kürzester Zeit fasst der Tester deshalb Vertrauen und legt die Hände ganz entspannt in den Schoss. Zudem reifen die Gedanken, dass diese Art zu Reisen Vielfahrern tatsächlich ein wenig Entspannung auf langen Touren vermitteln kann. Wie schon eingangs beschrieben, könnte BMWs neustes Motto deswegen lauten: Freude am Gefahrenwerden!



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