Skoda bringt mit dem Elroq sein erstes vollelektrisches Kompakt-SUV auf den Markt – ein Versuch, aus der Elektroauto-Masse herauszustechen. Wir haben den Skoda Elroq vorab auf Mallorca getestet.
Der Skoda Elroq möchte das „Gesicht in der Menge“ sein, das auffällt und bleibt. So beschreibt zumindest Klaus Zellmer, CEO von Skoda, im Moove-Podcast vom 15. November das erste vollelektrische Kompakt-SUV der VW-Tochter. Doch in einer Welt, in der sich Elektroautos zunehmend gleichen, stellt sich die Frage: Kann der Elroq wirklich Individualität ausstrahlen – oder geht auch er in der Masse verloren? Wir haben uns den vollelektrischen Elroq auf der Fahrveranstaltung von Skoda auf Mallorca mal genauer angeschaut und ihn getestet.


Elroq heißt der neue Skoda, den die Tschechen bald auf die Straßen bringen. Er ist das vollelektrische Pendant zu seinem Verbrenner-Bruder Karoq. Sein Name stammt schlicht und ergreifend aus der Verbindung der Wörter „elektrisch“ und „Karoq“, ein elektrischer Karoq, Elroq eben. Beim Kompakt-SUV kommt im Unterschied zum Karoq nun eine neue Design-Sprache ins Spiel, die sich „Modern Solid“ nennt. Sie definiert sich durch „Robustheit, Funktionalität und neue visuelle Akzente wie das schwarze Tech-Deck-Face“, so Klaus Zellmer. Oliver Stefani, Leiter Škoda Auto Design, beschreibt das Design als funktional und minimalistisch. Fangen wir also beim Neuen an, das den Elroq ziert: dem Kühlergrill.
Dieser hat sich im Vergleich zum Karoq deutlich verändert. Auch das runde Skoda-Wappen ist verschwunden und wurde durch den neuen, zentral auf der Motorhaube platzierten Skoda-Schriftzug ersetzt. Darunter befindet sich in schwarz das sogenannte „Tech-Deck Face“, das mit Sensoren wie einem Radar und einer Frontkamera ausgestattet ist. Dazu gesellt sich am unteren Rand der Frontpartie noch eine Stoßstange mit dunklem Chromeinsatz. Serie ist ein durchgehendes, gestricheltes Element für Tagfahrlicht und Blinker, darunter sitzen rechts und links LED-Module für Abblend- und Fernlicht. Am Heck ist der neue Skoda-Schriftzug zentral zwischen LED-Rücklichtern platziert. Hinzu kommt ein Heckstoßfänger mit Dark Chrome Einsatz und Reflektoren.
Ansonsten ist das Elroq Kompakt-SUV 4.48 Meter lang, 1.88 Meter breit und 1.62 Meter hoch, damit im Vergleich zum Verbrenner-Bruder Karoq ein klein wenig länger und breiter. Platz bietet der Fünftürer für fünf Passagiere. Der Kofferraum des Elroq fällt mit 470 Litern im Vergleich zum Karoq etwa 50 Liter kleiner aus. Bei umgeklappter Sitzbank sind dann bis zu 1.580 Liter drin.




Innen geht es digital weiter. Ein Infotainmentbildschirm mit 13 Zoll ist Serie und das auch schon bei der kleinsten Variante des Elroq, dem Elroq 50. Gut, denn in der ebenfalls in diesem Jahr vorgestellten Superb Limousine gibt es eine 13 Zoll-Display erst ab einer höheren Modellvariante und deshalb auch nur gegen Aufpreis. Allerdings gibt es im Elroq keine Smart Dials, sondern mit einigen Knöpfen am unteren Ende des Armaturenbretts mehr Haptik. Das hat allerdings auch Vorteile, denn so verlieren sich Fahrerinnen und Fahrer nicht in Untermenüs des Infotainmentdisplays. Gut ist auch, dass die Temperierung im Wagen leicht regulierbar ist. Die dafür vorgesehenen Regler sind stets an der unteren Bildschirmoberfläche digital präsent; kein Untermenü nötig.
Das Infotainmentsystem selbst ist recht übersichtlich gestaltet und lässt sich intuitiv navigieren. Möglich macht es ein recht nutzerfreundliches App-Menü, ähnlich dem eines Smartphones. Damit ist auch die Bedienung des Navigationssystem recht einfach. Dieses gibt es allerdings bei der Einstiegsvariante Elroq 50 nur in der Sonderausstattung „Clever“ gegen Aufpreis von 2.319 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) Dann sind unter anderem aber auch ein adaptiver Abstandsassistent, ein adaptiver Spurhalte- und Stauassistent mit an Bord sowie Parksensoren, eine Klimaanlage Climatronic (2-Zonen) und 2 USB-Anschlüsse vorn und hinten für die Mitfahrerinnen und Mitfahrer. Im Paket „Smart“ gegen 1.268 Euro Aufpreis ist zwar auch ein Navi mit dabei, aber nicht die genannten Assistenzsysteme. Im Ausstattungspaket „Plus“ für 3.731 Euro gibt es dann unter anderem noch Matrix-LED-Scheinwerfer, LED-Heckleuchten mit beleuchteten Kristallelementen und Seitenairbags vorn und hinten.


Die Ausstattungspakete „Clever“ und „Plus“ gibt es auch für die hochpreisige Version Elroq 85, nur etwas weniger teuer. „Clever“ kostet hier 1.126 Euro und „Plus“ 2.596 Euro. Allerdings unterscheiden sich die Bestandteile der Ausstattungspakete im Vergleich zwischen Elroq 50 und 85 teilweise voneinander. Das liegt auch daran, dass der Elroq 85 eine ausführlichere Serienausstattung besitzt. Eine Wärmepumpe gibt es hingegen nur für den Elroq 85 gegen 907 Euro.
Wir fuhren die stärkste Variante des Elroq auf der Fahrvorstellung auf Mallorca, den Elroq 85 mit 286 PS. Dieser beschleunigte auf offener Straße rasant, auch schon im Fahrmodus „Normal“. Heißt, eigentlich müsste man diesen gar nicht ändern, um zügiger von der Stelle zu kommen. Dennoch gibt es eine Fahrprofilauswahl (Serie im Elroq 85, beim Elroq 50 gegen Aufpreis innerhalb eines Ausstattungspakets), die die Fahrmodi Normal, Sport, Comfort, Eco und Individual umfasst. Die Fahrt in die Kurve ist kein Problem, das Lenkrad reagiert entsprechend direkt und auch der Wendekreis mit nur 9,3 Metern fällt positiv auf. Rangieren in der Stadt oder gar ein U-Turn sollten damit keine Probleme bereiten. Mit dem Radstand von 2.76 Metern fährt es sich auch auf gerader Strecke recht komfortabel. Unebenheiten dämpft der Elroq gut ab, größere Schlaglöcher macht er allerdings nicht wett.
Auffällig unauffällig: Der E-Motor scheint gut isoliert. Sowohl beim Anfahren außerhalb als auch im Wageninneren während der Fahrt konnten wir wenige Motorgeräusche wahrnehmen. Fahrtwind hingegen dringt schon noch hörbar ins Wageninnere.
Die erhöhte Sitzposition beim Fahren gewährt einen guten Blick über Geschehen außerhalb und es sitzt sich auch bequem auf den Komfortsitzen (Serie im Elroq 85, beim 50 gibt es eine Kunstleder-Stoff-Innenausstattung gegen Aufpreis von 705 Euro). Aber auch hinten sitzen Passagiere gut. Beinfreiheit gibt es genug, auch wenn der Fahrersitz auf eine Person mit 1.87 cm Körpergröße eingestellt ist. Allerdings bleibt bei einer solchen Körpergröße auf der Rückbank nicht allzu viel Platz zur Fahrzeugdecke.
Thema Sicherheit: Zahlreiche Assistenzsysteme informieren über die Geschehnisse außerhalb des Fahrzeugs und geben Hinweise in Form von Signalen. Das Head-up-Display beispielsweise zeigt den Streckenverlauf an und weist den Fahrer oder die Fahrerin auch in Form von Pfeilen darauf hin, wann abzubiegen ist. Fährt man zu weit auf das vorwegfahrende Fahrzeug auf, reagiert das System des Elroq mit einem Warnhinweis. Auch reduziert es die Geschwindigkeit leicht, sollte der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu klein werden. Wendet man den Blick zu lange von der Fahrbahn ab, schaltet sich der Bordcomputer ein und weist den Fahrer darauf hin, sich wieder der Straße zuzuwenden. Das 5-Zoll-Display direkt hinter dem Lenkrad erkennt des Weiteren vorwegfahrende Pkw, unabhängig davon, ob sie am Straßenrand geparkt sind. Das ist uns aufgefallen, als wir an einem in einer Kurve geparkten Auto vorbeifuhren.
Auch im Elroq gibt es wieder einen Spurhalteassistenten, der leicht gegensteuert, sollte man sich zu nah an einer Straßenmarkierung befinden. Dieser ist im Vergleich zu anderen Fahrzeugherstellern recht angenehm gestaltet und weist mit einem Lichtsignal auf das Überschreiten der Linien hin. Auf akustische Signale wird verzichtet. Auch die automatisierte Gegenlenkung greift nicht allzu aggressiv ein. Allerdings gibt es auch hier dasselbe Problem, wie auch schon auf unserer Testfahrt mit der Skoda Superb Limousine 2024. Auf den kurvigen Straßen durch die Berge von Estellencs und darüber hinaus erkannte das System die Mittellinie oftmals nicht und lenkte daher auch nicht gegen. Auf der Autobahn mit längeren geraden und auch nur leicht kurvigen Strecken funktionierte das System besser.
Mit drei Modellen im Schlepptau, Elroq 50, 60 und 85, kommen auch verschiedene Reichweiten zustande. Mit dem Elroq 85 waren wir ca. zweieinhalb Stunden unterwegs, fuhren hauptsächlich über Landstraßen in den Bergen Mallorcas und zeitweise auch über die Autobahn, das alles bei wohltemperierten Außenbedingungen von zwischen 18 und 21 Grad Celsius. Zurückgelegt haben wir 127 Kilometer und verbrauchten durchschnittlich 18.1 kWh/100km. Damit lagen wir dann über der Spanne von 15,2 – 16,6 kWh/100km, die von Skoda angegeben wurden (Stand 9. Dezember 2024).
Allerdings sind die Reichweiten der vollelektrischen Elroq-Modelle auch mit Vorsicht zu genießen, da sie durch verschiedene Parameter beeinflusst werden. „Faktoren wie persönliche Fahrweise, Streckenbeschaffenheit, Außentemperatur, Witterungsverhältnisse, Nutzung von Heizung und Klimaanlage, Vortemperierung, Anzahl der Mitfahrer“, können laut Skoda die tatsächliche Reichweite nochmal kürzer ausfallen lassen.
Nach unserer Testfahrt mit dem Skoda Elroq bleibt ein Eindruck, der so schnell verfliegt wie ein flüchtiges Lächeln. Sicher, das Auto ist durchdacht, effizient und modern – aber reicht das, um wirklich besonders zu sein? Die kurze Begegnung hinterlässt Fragen: Was macht heutzutage ein Elektroauto noch zu etwas Besonderem? Der Elroq reiht sich in die Parade der Elektroautos ein, die alle denselben Design-Kodex zu verfolgen scheinen: glatte Flächen, aerodynamische Formen, eine cleane Ästhetik. Praktisch, ja. Zukunftsorientiert, sicher. Aber eben auch gesichtslos. In dieser Welt der Gleichmacher, in der Innovation oft zur bloßen Anpassung wird, wirkt der Elroq wie ein weiterer Teilnehmer eines Maskenballs – sein wahrer Charakter bleibt verborgen.
Vielleicht braucht es aber auch mehr als eine 2,5-stündige Testfahrt. Vielleicht braucht es ein Auto, das von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, dass es anders ist. Ein Fahrzeug, das nicht nur modern und effizient ist, sondern das Herz schneller schlagen lässt. Eine Ikone, die sich einprägt wie die feinen Linien in einem Gesicht, das man nie vergisst.
Seit dem 2. Oktober kann der Skoda Elroq in ausgewählten europäischen Regionen bestellt werden. Die Auslieferung soll ab Q1 2025 beginnen. Die Elroq-Produktion startete Ende Januar 2025 in Mladá Boleslav.


Das Kompakt-SUV Skoda Elroq ist in drei Versionen erhältlich, als Elroq 50 mit 125 kW, Elroq 60 mit 150 kW und Elroq 85 mit 210 kW. Außerdem gibt es einen Elroq 85 First Edition in limitierter Stückzahl und den Elroq 85x mit Allradantrieb. Letzterer kommt aber erst im Verlauf des Jahres 2025 auf den Markt. Den Elroq 60, der laut Produktpräsentation von Björn Kröll eigentlich das Massenauto sein soll, konnten wir auf der Fahrveranstaltung auch noch nicht fahren. Wie der Elroq 85x kommt auch er erst 2025 dazu.
Elroq 50, 60 und 85 kommen (Stand Dezember 2024) mit unterschiedlichen Reichweiten (WLTP), Beschleunigungen, Batteriegrößen und Ladeleistungen:
Das könnte Sie auch interessieren: