Kia hat seinem quirligen City-Flitzer Picanto eine kräftige Frischzellenkur spendiert. Neben optischen Retuschen sind auch etliche neue Assistenten an Bord.
Kia hat den Picanto geschärft. Es ist nach 2020 bereits das zweite Update der seit 2017 zugelassenen dritten Generation. Ein schlauer Schachzug. Denn mit der üppigen Modellpflege dürfte der südkoreanische Mobilitätsanbieter insbesondere Autofahrer im urbanen Umfeld ansprechen. Sowohl gewerbliche Kunden, beispielsweise Pflege- oder Botendienste, als auch Städter suchen nach zeitgemäßen Alternativen im A-Segment, gehören doch Stadtflöhe eher zu den aussterbenden Rassen. So startete die erste Picanto-Auflage 2004, als die Kleinst- und Kleinwagenwelt noch in Ordnung war. Das war 2010 als die zweite und 2017 die dritte Generation in Deutschland auf die Straßen kam nicht anders. Wie sehr sich speziell aufgrund immer strenger werdender CO2- und Sicherheitsvorgaben der EU die Modellpaletten der Hersteller jedoch verändert haben, zeigt ein kurzer Rückblick in die KBA-Zulassungsstatistik: 2018 kamen 233.000 dem A-Segment zugeordnete Einheiten auf den Markt. Der Marktanteil betrug sieben Prozent; der Wettbewerb bestand aus 16 Verbrennern und fünf Stromern. 2023 hat sich das A-Segment mit nur noch 127.000 Neuzulassungen und einem Marktanteil von vier Prozent fast halbiert, sind lediglich sieben Verbrennermodelle und vier kleine E-Autos geblieben.
Auch der Picanto musste Federn lassen. Kamen 2018 noch 10.819 Exemplare hierzulande auf die Straße, waren es 2023 mit 9.184 Einheiten knapp 15 Prozent weniger. Freilich vergleichsweise ein eher moderater Rückgang. Zumal sich die Verkäufe aus 2022 von 6.107 auf eben 9.184 Picantos im vergangenen Jahr um satte 50 Prozent verbessert haben. Gewiss war dies auch eine der Triebfedern für ein nochmaliges Update.
Und was ist alles neu? Der optische Feinschliff fand vor allem an Front und Heck statt. Dank der schärfer geschnittenen neuen LED-Scheinwerfer, dem LED-Zierstreifen und dem breiteren Kühlergrill wirkt der Auftritt des Picanto jetzt noch frecher und selbstbewusster. Ins Auge fällt auch die neue Motorhaube mit dem großen Kia-Emblem. Zudem verstärken die neuen LED-Rückleuchten, ein neuer Heckstoßfänger und ein sportlicher Diffusor die flotte Picanto-Optik. Im Innenraum wurden Materialien und Anmutung optimiert, das Cockpit übersichtlicher gestaltet. Hervorzuheben ist das neue Infotainmentsystem mit einem 8-Zoll-Touchscreen, der Apple CarPlay und Android Auto unterstützt. Die Bedienung ist intuitiv, die grafische Darstellung klar und ansprechend. Das 4,2 Zoll große Kombiinstrument ist nun auch digital und alles serienmäßig an Bord. Der Platz im Innenraum ist für ein Fahrzeug dieser Größe naturgemäß nicht gerade üppig, was insbesondere für den Fond gilt, aber dennoch ausreichend. Beim Kofferraumvolumen gehört der Picanto mit 255 Litern, per umgeklappter Rückbank auf 1.010 Liter erweiterbar, sogar zu den Klassenbesten.
Unter der Haube hat sich dagegen nicht so viel getan. Das Programm bleibt überschaubar; weder eine elektrifizierte Variante noch ein vollelektrisches Angebot stehen zur Wahl. Vielmehr bleibt es weiterhin bei den beiden bekannten Benzinern mit 1,0 oder 1,2 Liter Hubraum bzw. 63 oder 79 PS. Je nach Ausführung können beide Aggregate auch mit einem automatisierten Schaltgetriebe geordert werden. Trotz optischer Mimikry, speziell die GT Line macht auf dicke Hose, ist der Picanto mit der angebotenen Motorisierung etwas zu schwach auf der Brust. Na klar, ein Sprinter möchte er gar nicht sein, aber mehr Kraft, mehr Zug und mehr Puste täten ihm sicherlich gut.
Fazit: Für die Stadt ist der lütte Südkoreaner das passende Gefährt. Er ist wendig, stabil, die Lenkung direkt, die Federung komfortabel und ist angenehm zu fahren. Für lange Autobahnstrecken oder Überlandfahrten empfiehlt es sich jedoch, Geduld mitzubringen und Ambitionen zurückzustellen. Dementgegen steht indes die recht ambitionierte Preisgestaltung. Die Basisversion Edition 7 ist ab 14.025 Euro netto (zzgl. USt.) zu haben, für die Topvariante GT Line mit manueller Handschaltung sind mindestens 17.807 Euro netto (zzgl. USt.) fällig.
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