Mit dem EV4 nimmt Kia europäische Platzhirsche der Kompaktklasse ins Visier und will ihnen das Revier streitig machen – mit Tugenden, die aufhorchen lassen.
Sie galt über viele Jahre hinweg als die profitabelste Fahrzeuggattung überhaupt – die Kompaktklasse. Zumeist sogar nach ihrem einstigen Hero auch als Golfklasse bezeichnet. Ehre, wem Ehre gebührt. Nun, der ehemalige VW-Bestseller ist inzwischen in die Jahre gekommen und mit dem Einzug von SUV, Crossover und Co. sowie im Zeichen zunehmender Elektromobilität haben sich die Vorzeichen ohnehin merklich geändert. Längst hat das Kompaktsegment seine Poleposition abgegeben und muss sich mittlerweile in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamts (KBA) weit abgeschlagen mit dem zweiten Platz begnügen.
Gleichwohl bedeuten 311.588 Einheiten in den ersten acht Monaten des Jahres immer noch einen durchaus veritablen Marktanteil von 16,6 Prozent. Interessant und aussagekräftig ist auch eine andere KBA-Zahl: Notieren doch die Flensburger bei insgesamt 1.874.820 zwischen Januar und August 2025 neu zugelassenen Pkw einen bemerkenswerten Anteil wie auch immer elektrifizierter Fahrzeuge. Demnach sind satte 1.068.687 Neuwagen, sprich 57 Prozent, mit einem alternativen Antrieb ausgestattet.
Exakt von diesem Kuchen will sich Kia eine gehörige Portion abschneiden. Denn die südkoreanische Marke gehört in Sachen Stromer gewiss zu den ambitionierten Herstellern. Mit dem neuen EV4 setzt der Mobilitätsanbieter aus dem Hyundai-Konzern zudem mal wieder ein echtes Ausrufezeichen. Und das nicht nur bei der für das angebrochene Elektrozeitalter so wichtigen Reichweite, sondern auch bei Technik, Komfort und Design. Freilich, die Herausforderungen im harten Flottenalltag sind groß, denn in der elektrischen Kompaktklasse muss sich der EV4 mit festen Größen wie dem VW ID.3, Cupra Born oder Peugeot e-308 messen.
Optisch setzt der EV4 schon mal Akzente in einem Segment, das oft von einem eher grauen, konservativem Look geprägt ist. Das charakteristische „Tigergesicht“ und das „Star Map“-Tagfahrlicht ordnen ihn eindeutig der Kia-Familie zu, während die windschnittige Silhouette mit einem cW-Wert von nur 0,265 (bei 17 Zoll Bereifung) nicht nur schick aussieht, sondern auch der Effizienz dient. Darüber hinaus zeigt besonders die GT-Line mit ihren 19-Zöllern und exklusiven Designelementen sportliche Ambitionen.
Wo der EV4 jedoch deutlich hervorsticht, ist die Reichweite. Mit dem großen 81,4-kWh-Akku (ab 36.336 Euro, alle Preise netto zzgl. USt.) erreicht er laut WLTP-Norm bis zu 625 Kilometer – ein Wert, der in dieser Klasse neue Maßstäbe setzt, selbst wenn im Realbetrieb nach wie vor eine Lücke zwischen Prospekt und Nutzwert bleibt. Sogar die kleinere 58,3-kWh-Batterie (ab 31.588 Euro) kommt auf respektable 440 Kilometer.
Wichtig für Fuhrparks ist indes auch die Ladeinfrastruktur: Mit maximal 128 kW Ladeleistung (AC 11 kW, DC 128 kW) ist das Schnellladen (10 bis 80 Prozent) in etwas mehr als 30 Minuten erledigt, zumindest wenn es die Säule hergibt. Das reicht aus, um Alltag und typische Dienstwege problemlos zu absolvieren. Die E-GMP-Plattform ermöglicht auch bidirektionale Funktionen wie V2L (Vehicle to Load), was für Flotten mit Event- oder Handwerkerbedarf echte Argumente sein können.
Im Innenraum präsentiert sich der EV4 zweckmäßig, mit augenscheinlich viel digitalem Anspruch. KI-basierter Sprachassistent, großes Infodisplay, App-Steuerung inklusive Digital Key – alles an Bord, was heute möglich ist. Doch im Dienstwagenalltag zählt vordergründig das Handfeste: Stauraum, Bedienfreundlichkeit und Komfort auf langen Strecken. Der Kia punktet mit flexiblem Gepäckraum (bis zu 1.415 Liter), einem überzeugend nutzbaren Fond und bequemen Sitzen, selbst wenn einige Kunststoffe und Oberflächen nicht ganz aus dem obersten Regal sind. Die ergonomische Sitzposition und ein in der GT-Line angenehm griffiges Lenkrad passen – gerade für Vielfahrer auf Langstrecke eine nützliche Option.
Bemerkenswert ist die modulare Ausstattungspolitik: Bereits ab der Basis sind zentrale Assistenten, Navigation, Panoramadisplay und Klimaautomatik Standard, sodass Fuhrparks nicht mit endlosen Optionslisten kämpfen müssen. Dazu gesellen sich Sieben-Jahres-Garantie und – für Stromer relevant – acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Batterie. Zudem sind Over-the-Air-Updates (OTA) des Kartenmaterials und der Fahrzeugsoftware für ein Jahr kostenfrei (zwei Updates).
Wie aber fährt der Kia EV4 denn nun? Die ersten Kilometer zeigen: Antritt, Spritzigkeit und Fahrwerksabstimmung liegen spürbar über dem klassischen Kompaktmaßstab. 204 PS reichen für zügiges Vorankommen, 7,5 bis 7,8 Sekunden auf Tempo 100 sind ausdrucksstark, 170 km/h Spitze reichen allemal und das Fahrwerk ist auf Komfort, nicht Härte ausgelegt. Die Lenkung bleibt tendenziell synthetisch, aber ausreichend direkt – Fahrspaß geht in Ordnung, wobei sportliche Höhenflüge nicht Ziel, sondern Bonus sind. Rekuperation und One-Pedal-Drive sind präzise regel- und nutzbar, was im urbanen Stop-and-Go-Betrieb Effizienz bringt.
Im Umfeld der Dienstwagen und Firmenlösungen punktet der Kia vor allem mit Flexibilität: Viel Platz für Gepäck und Passagiere, variable Nutzung – etwa für wechselnde Nutzer dank digitaler Schlüssel und Fernsteuerung – sowie etlicher Assistenzsysteme, die Sicherheit und Komfort erhöhen. Die Garantieleistungen untermauern Kias Vertrauen in die eigene Technik.

