In unserem Praxistest präsentiert sich der Smart #3 Premium wie ein Blender im Büro: Er verspricht viel, doch bei Reichweite und Ladeleistung bleibt er hinter den Erwartungen zurück. Hat er trotzdem das Potenzial seinen Platz im Fuhrpark zu finden?
Der neue Smart #3 Premium positioniert sich mutig als vielseitiges, urbanes SUV-Coupé. Doch in der Praxis zeigt sich: Die Verpackung macht noch keinen Inhalt. Für Fuhrparkmanager, die auf Zuverlässigkeit und Effizienz setzen, könnte der Smart #3 eher ein schwieriger Kollege werden.
Smart setzt beim #3 Premium auf große Zahlen: Bis zu 455 Kilometer Reichweite (WLTP) bei 63 kWh-Batterie, 150 kW DC-Ladeleistung und 200 KW (272 PS) stark. Das Fahrzeug bietet zudem eine Wärmepumpe. Diese soll den Energieverbrauch für die Klimatisierung reduzieren. Doch wie so oft liegen Anspruch und Realität weit auseinander.
Die beworbenen 150 kW DC-Schnellladeleistung sind in unserem Praxistest nur schwer zu erreichen. Die Ladegeschwindigkeit fällt ab etwa 30 % Batteriekapazität rapide ab, wodurch die versprochene Schnellladung auf 80 % in 30 Minuten oft nicht realistisch ist. Bei kalten Temperaturen – gerade spät Abends oder im Winterbetrieb – wird der Akku zudem langsamer geladen. Ein Ärgernis für Fuhrparkmanager, die auf planbare Ladezeiten angewiesen sind.
Die WLTP-Reichweite von bis zu 455 Kilometern klingt vielversprechend, doch in der Realität ist die Reichweite abhängig von Fahrstil, Außentemperatur und Stromverbrauchern wie Heizung und Klimaanlage oft enttäuschend. Bei Autobahntempo schrumpft die Reichweite auf ca. 300 km und im Winter könnte es sogar noch weniger sein.
Während der Innenraum des Smart #3 Premium mit seinem minimalistischen Design und modernen Features punktet, zeigen sich auch hier Schwächen im Detail. Das Platzangebot ist für ein SUV-Coupé zwar solide, aber die Mittelkonsole wirkt überladen, und die Bedienung des Infotainments ist nicht immer intuitiv. Im Fuhrparkbetrieb – wo Fahrzeuge häufig von verschiedenen Nutzern gefahren werden – kann das zu Frustration führen. Auf dem Papier punktet er jedoch mit attraktiven Eckdaten:







Ein großer Pluspunkt des Smart #3 Premium ist seine Förderfähigkeit und die reduzierte Dienstwagenbesteuerung (0,5 % des Listenpreises). Doch was auf dem Papier wirtschaftlich wirkt, relativiert sich bei den laufenden Betriebskosten. Der Verbrauch liegt bei Autobahngeschwindigkeiten schnell über 20 kWh/100 km, was die Betriebskosten erhöht. Zudem sind die Ladeverluste bei langsamen Ladungen spürbar höher als bei Mitbewerbern.
Der Smart #3 Premium hat seine Stärken, keine Frage. Er ist kompakt, wendig und als urbanes Fahrzeug durchaus brauchbar. Doch für Fuhrparks, die vielseitige Fahrzeuge mit verlässlicher Leistung suchen, kann er eine Herausforderung sein. Seine eingeschränkte Reichweite, schwankende Ladeperformance und der hohe Verbrauch auf der Langstrecke schränken seine Flexibilität stark ein. Trotzdem hat er zweifellos Charme und bringt frischen Wind in das Segment der Kompakt-SUVs. Doch wer auf Verlässlichkeit setzt, muss auch seine Schwächen ernst nehmen: Denn dieses SUV-Coupé verhält sich wie der neue Kollege, der beim Team-Meeting mit innovativen Ideen glänzen will, aber bei der Umsetzung enttäuscht. Für Fuhrparkmanager heißt das: Abwägen ob der Mehrwert des Fahrzeugs die potenziellen Probleme aufwiegt. Mut anzuecken ist manchmal hilfreich – aber in diesem Fall bleibt es eine Gratwanderung.