Mit der dritten Auflage des Countryman wildert Mini klar im Kompakt-Segment. Plug-in-Hybride gibt es nicht mehr, dafür kommt das SUV auch vollelektrisch.
Klein, wendig, dynamisch – drei Kernattribute der Marke Mini. Eigentlich, denn klein ist das neue Mini-SUV Countryman nicht mehr. Schon der Vorgänger war mit knapp 4,30 Meter Länge alles andere als Mini, ging aber noch als kleines SUV durch. Auf 4,45 Meter ist die neue, dritte Generation des Countryman gewachsen und wird damit eindeutig zum Kompakt-SUV. Das aber erstmals auch vollelektrisch.
Ein typischer Engländer ist der Countryman weiterhin, für die Markenidentität sorgt bereits der bekannte Mini-Grill. Wobei die Scheinwerfer des Kompakt-SUVs auch eine Miniaturausgabe des Land Rover Defender schmücken könnten. Neu und prägnant an der Seitenansicht: die markante C-Säule mit der Haifisch-Flosse, außerdem der für einen Mini lange Überhang hinten.
Der kommt allerdings dem Kofferraum zugute. 505 bis 1.530 Liter Gepäck schluckt der Countryman als S, JWC und als Diesel. Als Benziner mit 170 PS sind es 450 bis 1.450 Liter, als rein elektrisches SUV 460 bis 1.450 Liter. Genug Platz also für einen Wochenend-Trip auch mit vier Personen. Allerdings: Das Gepäck muss eine ziemlich hohe Ladekante überwinden, und das – entfernt man den doppelten Ladeboden in den reinen Verbrennermodellen – auch innen.
Auch für die Passagiere bietet der Mini Countryman genügend Platz. Ok, ein Raumriese ist er nicht, aber er kneift auch nirgendwo. Das gilt auch für die – um 13 Zentimeter in der Länge verstellbare – Rückbank mit mehr als akzeptabler Knie- und Kopffreiheit. Außerdem Typisch für Mini: Das runde Zentraldisplay als zentrale Bedieneinheit. 9,5 Zoll misst der kreisrunde Touchscreen, unter dem sich in einer zusätzlichen Einheit weitere Tasten und Schalter für zentrale Funktionen befinden – über die sich allerdings weder Klimatisierung noch Sitzheizung steuern lassen. Dafür sitzen dort unter anderem der Startknopf und der Joystick für die Fahrstufenwahl.
Eine breite Antriebspalette bietet Mini für den Countryman. Bestellbar sind sechs Antriebe:
Handschalter gibt es nicht für den neuen Mini Countryman, dafür je nach Motorisierung Automatik- oder Doppelkupplungstriebe. Der technisch mit dem BMW iX1 und iX2 identische Elektro-Countryman zieht seinen Strom aus einer 64,6 kWh großen Batterie, die soll laut WLTP für maximal 462 beziehungsweise 432 Kilometer Fahrt reichen. Geladen wird an der AC-Säule mit bis zu 11 kW, an der DC-Säule mit höchstens 130 kW. Kein allzu guter Schnellladewert also auch im Mini Countryman, dafür entschädigt je nach Optionspaket aber die Möglichkeit, an der AC-Säule mit 22 kW zu laden.
Gefahren sind wir die beiden stärksten Mini Countryman. Dass hier mit 300 beziehungsweise sogar 313 PS kein Leistungsmangel vorherrscht, dürfte klar sein. Mit entsprechendem Schub drängt das England-SUV in beiden Versionen nach vorn. Dabei zeigt sich das Fahrwerk von seiner ausgewogenen, die Lenkung von ihrer direkten Seite. Was uns gut gefiel im Countryman: die trotz breiter C- und D-Säule gute Übersicht und die mitlenkende Rückfahrkamera.
Nicht ganz so gut dagegen: die relativ engen hinteren Türausschnitte in Kombination mit den nicht wirklich weit öffnenden Fond-Türen. Auch das Head-up-Display mit billiger Plastikscheibe für die Projektion müsste nicht sein, und bei der Sprachsteuerung besteht wie im BMW X2 noch deutliches Optimierungspotenzial. Im Erwartungshorizont lag dagegen der Verbrauch unseres Countryman SE All4: Laut Bordcomputer flossen je 100 Kilometer 18,7 kWh Strom durch den Motor.
Mini bietet den Countryman in verschiedenen Design-Ausrichtungen – den sogenannten Trims – an. 966 bis 3.908 Euro muss ausgeben, wer das SUV mit Rädern, Farben, Zweifarb-Lackierung oder Ähnlichem in den drei aufpreispflichtigen Trims schicker gestalten möchte. Wichtige Extras packt die BMW-Tochter zusätzlich in Options-Pakete, Einzeloptionen bietet Mini für den Countryman kaum an. Sechs große, aufeinander aufbauende Pakete – man könnte auch von Ausstattungslinien sprechen – hat Mini geschnürt, sie heißen XS, S, M, M Plus, L und XL.
Sowohl beim Elektro-Countryman als auch bei den Verbrennern würden wir auf jeden Fall mindestens zum M-Paket greifen (Elektro: 4.815 Euro; Verbrenner: 4.504 Euro). Der Grund: Erst ab diesem Paket gibt es 22-kW-AC-Laden, außerdem ist erst ab hier das Gepäcknetz ab Werk an Bord. Abgesehen davon enthält das M-Paket das kabellose Smartphone-Laden und die Sitzheizung vorn aus dem S-Paket, das Spiegelpaket, das erweiterte LED-Licht mit Fernlichtassistent, das Head-up-Display und den Komfortzugang aus dem S-Paket (in den Verbrennern gibt es außerdem die verstellbare Rücksitzbank) sowie das Panorama-Dach und die Vorbereitung für den Driving Assistant Plus zur nachträglichen Online-Aktivierung.
Übrigens: Ein On-Board-Navi gibt es – zusammen mit dem dann bereits aktivierten – Driving Assistant Plus, dem Parking Assistant Plus sowie einer Harman-Kardon-Surround-Soundanlage im L-Paket für 6.622 Euro im elektrischen Countryman oder für 3.622 bis 6.311 Euro in den Verbrennermodellen. Ob man dieses Geld wirklich ausgeben möchte, ist eines Individualentscheidung – Apple Carplay und Android Auto sind schließlich in jedem Countryman Serien-Standard.








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