Think big. Das uramerikanische Prinzip macht sich jetzt die rumänische Renault-Tochter Dacia zu eigen und präsentiert mit dem neuen Bigster einen echten Gamechanger.
Nomen est Omen. Insbesondere ältere Semester dürften sich seit geraumer Zeit bei der Erwähnung der Marke Dacia immer wieder verwundert die Augen reiben. Ist doch aus dem einstigen Nischenhersteller und Billigheimer längst eine höchst erfolgreiche Automarke geworden. Mit dem Motto „Bezahlbare Mobilität ohne Verzicht auf moderne Technologie“ findet Dacia immer mehr Käufer. Denn Sandero, Duster, Jogger und der Kleinwagen-Stromer Spring weisen nicht nur das jeweils beste Preis-Leistungs-Verhältnis in ihren Segmenten auf, sie fahren mittlerweile auch bei den Zulassungen immer weiter und öfter vorne mit.
Mit 75 Prozent Privatanteil ist Dacia nach eigenen Angaben erneut klarer Branchenprimus. Der Privatdurchschnitt über alle Marken hinweg liege bei lediglich 32,4 Prozent. Zudem verzeichnet die Renault-Tochter in den ersten acht Vertriebsmonaten dieses Jahres mit 48.768 Verkäufen und 2,4 Prozent Wachstum – der Gesamtmarkt ist in diesem Zeitraum um 0,3 Prozent geschrumpft – den höchsten Marktanteil seit dem zarten Deutschlandstart 2005. Demnach ergibt sich ein Gesamtmarktanteil von 2,6 Prozent, bei den Privatkunden sind es sogar 5,9 Prozent. Nicht so schlecht für einen Importeur.
Und nicht umsonst sehen die Dacia-Strategen deshalb im neuen Bigster einen echten Gamechanger, der die Transformation und Positionierung der Marke hin zu einem erschwinglichen, gleichwohl angesagten Günstiglabel mit Eco-Touch eindrucksvoll auf den Weg bringen und weiter in der Erfolgsspur halten soll. Deswegen sollen neben den ohnehin bereits sehr Dacia-affinen Privatkäufern nun auch verstärkt Geschäftskunden, Flotten und Fuhrparks ins Visier genommen werden. Schließlich ist das heißbegehrte und stark umkämpfte C-Segment hierzulande dieser Tage und den Autoauguren zufolge auch künftig das Maß aller Zulassungsdinge. Genau dort will Dacia mit dem neuen Bigster jetzt einen Frontalangriff fahren.
Ein Vorhaben, das so abwegig nicht ist. Denn insbesondere Fuhrparkmanager könnten vor allem an dem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis großen Gefallen finden. Zumal sich der neue Bigster sehr ansehnlich präsentiert und auch auf den zweiten Blick punkten kann. „Deutlich mehr Auto für spürbar weniger Budget“ könnte bei so manchem Dienstwagenfahrer als Argument durchaus verfangen. Denn er bekommt mit dem Bigster ein vielversprechendes SUV, das ab Januar 2025 für unter 21.008 Euro (netto, zzgl. USt.) bestellbar sein wird und ab April ausgeliefert werden soll. Damit positioniert sich das neue Flaggschiff der Marke tatsächlich als ernstzunehmende Alternative zu etablierten Modellen wie dem VW Tiguan oder Hyundai Tucson.
Der Bigster überzeugt mit einem robusten und modernen Erscheinungsbild. Mit einer Länge von 4,57 Metern, einer Breite von 1,81 Metern und einer Höhe von 1,71 Metern bietet er komfortabel Platz für fünf Insassen. Mit einem Kofferraumvolumen von bis zu 667 Litern (VDA) ist der Bigster laut Dacia sogar Klassenbester. Dank der teilbaren Rückbank (40/20/40) und der modularen Dachreling meistert er auch Familienausflüge und Transportaufgaben. Die Materialauswahl ist erwartungsgemäß zweckmäßig, wobei Hartplastik dominiert. Bei bestimmten Karosserieteilen wird jedoch immerhin recycelter Kunststoffe verwendet. Auf Chrom- und Aluminiumverzierungen verzichtet Dacia ganz. Zudem bietet der Bigster einige (optionale) Komfortfeatures wie Lendenwirbelstützen für die Vordersitze. Das Cockpit ist mit einem digitalen Instrumentendisplay (7 oder 10 Zoll) und zentral positionierten 10,1-Zoll-Touchscreen ausgestattet. Apple CarPlay und Android Auto werden unterstützt. Gegen Aufpreis gibt’s auch ein Navi mit Echtzeit-Verkehrsinformationen.
Bei den Antrieben setzt Dacia größtenteils auf Bewährtes, hat aber auch ein ganz neues Triebwerk im Angebot. So verknüpft der neu entwickelte Hybrid Effizienz mit Fahrspaß, der laut Dacia darüber hinaus bis zu 80 Prozent der Fahrstrecken im Stadtverkehr rein elektrisch zurücklegen kann. Das Aggregat kombiniert einen 1,8-Liter-Benziner mit zwei Elektromotoren, die auf 155 PS Systemleistung kommen. Dazu gesellen sich ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 48V-Mildhybrid und 140 PS, eine Allradversion mit 130 PS sowie eine Autogas-Variante, die die CO2-Emissionen laut Hersteller um 13 Prozent reduziert und somit eine kostengünstige Alternative zu reinen Elektrofahrzeugen darstellt. Diesel bleiben komplett außen vor.
Fazit: Mit dem Bigster demonstriert Dacia eindrucksvoll, dass die Marke auch im höheren Segment konkurrenzfähige Fahrzeuge anbieten kann. Die Kombination aus attraktivem Design, geräumigem Innenraum und wettbewerbsfähiger Technik zu einem äußerst günstigen Preis könnte das neue Marken-Flaggschiff zu einem echten Verkaufsschlager machen. Eine Kampfansage an die Konkurrenz ist es indes allemal. Es bleibt freilich abzuwarten, wie sich das schnieke Kompakt-SUV im harten Wettbewerb des C-Segments behaupten wird. Doch die Vorzeichen stehen günstig für einen weiteren Erfolg der aufstrebenden Renault-Tochter.
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