Der EX30 CC vereint als erstes rein elektrisches Cross-Country-Modell der Schweden Eleganz, Robustheit und Leistungsstärke. Genauso ambitioniert sind aber auch die Preise.
Agilität, Allrad, Abenteuer – Volvo hat den EX30 aufgebockt, ein ganz kleines bisschen zumindest. Sports Utility Vehicle (SUV) erfreuen sich ja nach wie vor größter Beliebtheit, wie auch wieder die aktuelle Halbjahresstatistik des Kraftfahrtbundesamts (KBA) unter Beweis gestellt hat. Von Januar bis Juni 2025 sind und bleiben SUVs die erfolgreichste Fahrzeuggattung, bilden mit 34,2 Prozent das mit weitem Abstand stärkste Segment. Grund genug für den schwedischen Premiumhersteller, sein elektrisches Einstiegsportfolio mit dem EX30 Cross Country (CC) um eine speziell auf Outdoor getrimmte Variante zu erweitern. Da passt es ins Bild, dass das Flensburger KBA auch batterieelektrisch angetriebenen Modellen (BEV) ein bemerkenswertes erstes Halbjahr 2025 attestiert: Allen Widrigkeiten und Markthindernissen zum Trotz verzeichneten Vollstromer innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres ein sattes Plus von 35,1 Prozent (Anteil 17,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Man könnte meinen, da kommt der EX30 CC jetzt gerade recht. Ganz so schnell geht’s. Zwar ist der kompakte Schwede ab knackigen 48.143 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) bereits bestellbar, zu den Händlern rollt er aber erst nach dem Sommer. Sei´s drum. Ob mit Kanu oder Skigepäckträger auf dem Dach, dem Abenteuer mit Volvos erstem rein elektrischen Cross-Country-Modell soll nichts im Wege stehen. Der skandinavische Autobauer, der zum chinesischen Geely-Konzern gehört, verspricht volle Outdoor-Gängigkeit. Ob allerdings das Fahrwerk mit einer auf 190 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit auch für anspruchsvolle Offroad-Pfade ausreicht, käme auf den Versuch an. Doch seien wir ehrlich, Allrad hin oder her, wer will schon mit so einem stylischen und nicht eben günstigen Stromer angestrengt über Stock, Stein und durch den Matsch hobeln? Richtig, eigentlich niemand. Wiese und Feldweg tun es durchaus auch und selbige können in der Seenlandschaft rund um Göteborg bei Dauerregen herausfordernd genug sein.
Gleichwohl bringt Volvo mit dem EX30 Cross Country frischen Wind in das ohnehin äußerst beliebte B-SUV-Segment. Denn das schwedische „Landei“ ist kein gewöhnliches Crossover-Modell, sondern präsentiert sich als eigenständige Interpretation mit betont drahtigem Auftritt und typischen CC-Merkmalen, wie u. a. robuste Anbauteile, spezifische 19-Zoll-Geländereifen und markante schwarze Akzente – vom Unterfahrschutz über Radhausverbreiterungen bis hin zu einem Frontgrill mit topografischer Gravur des Kebnekaise, der höchsten Erhebung Schwedens. Damit suggeriert der Volvo schon optisch: Hier will jemand raus aus der Stadt und rein in die Natur.
Unterm Blech steckt die Performance-Variante des regulären EX30. Zwei E-Motoren – 156 PS vorn, 272 PS hinten – vereinen sich zu kernigen 428 PS und 543 Nm sofort verfügbarem Drehmoment. Damit rauscht der EX30 CC in erstaunlichen 3,7 Sekunden auf Tempo 100 km/h und lässt den kompakten Schweden gefährlich nahe in Sportwagen-Sphären driften. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt und völlig ausreichend. Dabei bleibt das Fahrverhalten solide und überraschend agil; die direkte Lenkung, das straffe, jedoch etwas komfortabler abgestimmte Cross-Country-Fahrwerk und die hohe Fahrstabilität überzeugen. Seitenneigung in Kurven hält sich in engen Grenzen, die Bodenfreiheit verschafft Sicherheit beim Überqueren kleiner Hindernisse oder verschneiter Wege, und die Traktion auf losem Untergrund ist dank All-Terrain-Bereifung und elektronischen Helfern exzellent.
Doch wie schon eingangs erwähnt, den echten Offroader gibt der EX30 CC trotzdem nicht. Weder gibt es ein Untersetzungsgetriebe noch Sperrdifferenziale oder wuchtige Böschungswinkel. Vielmehr ist der Cross Country ein urbanes Abenteuerauto mit klarer Kante, das Feldwege und verschneite Zufahrten problemlos meistert, aber im echten Gelände schnell an Grenzen stößt. Spaß macht er dennoch: Auf abgesperrten Arealen lässt sich das ESC (Electronic Stability Control) teilweise lockern, so dass sogar leichte Drifts auf Schnee möglich sind – aber sobald das kleine Volvo-System-Gespür Unsicherheit signalisiert, übernimmt der Sicherheitsgedanke die Kontrolle. Und das ist eben typisch Volvo und für viele Kunden ein schätzenswertes Alleinstellungsmerkmal: Auch auf rutschigem Terrain bleibt das Fahrzeug berechenbar, die umfangreichen Assistenzsysteme schützen wirksam im Ernstfall.
Macht es ihn damit aber auch schon zu einem veritablen Dienstwagen? Warum denn nicht. Stylischer Auftritt mit schlicht-elegantem skandinavischen Design, kompakt aber trotzdem komfortabel, fortschrittliches Infotainment mit integrierten Google-Diensten wie Google Maps und Google Assistant, hohe Sicherheitsstandards und eine beeindruckende Reichweite, die es ermöglicht, alle dienstlichen Fahrten mit einer einzigen Ladung zu bewältigen. Zudem soll es gerade für Gewerbe- und Flottenkunden interessante Leasingraten und maßgeschneiderte Angebote geben. Den TCO (Total Cost of Ownership) gibt Volvo in einer Beispielrechnung für den EX30 CC Ultra mit 1,34 Euro pro Kilometer an. Zugrunde gelegt wurden dafür ein 36-Monatsleasing bei 10.000 Kilometern pro Jahr ohne jegliche Nachlässe. 1,14 entfallen dabei auf die Anschaffung, 20 Cent auf den Betrieb.
Rein praktisch präsentiert sich der EX30 Cross Country alltagstauglich mit kleinen Schwächen. Dank 318 bis 1.000 Liter Kofferraumvolumen (je nach Rückbankstellung) schluckt er zwar ausreichend Gepäck für Ausflüge zu zweit, üppig ist es trotzdem nicht. Für fünf Personen wird’s bei 4,23 Meter Fahrzeuglänge und 2,65 Meter Radstand naturgemäß eng, und wer regelmäßig viel transportieren möchte, greift besser zu Größerem. Flexible Stauraumlösungen wie eine zentrale Handschuhbox oder optionale Dachträger und Dachkorb erhöhen die Variabilität und passen gut ins Outdoor-Konzept. Die Anhängelast von 1,6 Tonnen erweitert die Nutzbarkeit – vom Wohnwagen bis zum Bootstrailer ist vieles möglich. Im Cockpit trifft minimalistisches Design auf Nachhaltigkeit. Das fehlende Instrumentenfeld, alles läuft über das mittige Zentraldisplay, ist indes gewöhnungsbedürftig. Reichlich recycelte Materialien, wahlweise rustikale Stoffe oder Jeans-Optik, bestimmen das Ambiente. Die Bedienung erfolgt fast ausschließlich über den 12,3-Zoll-Touchscreen, was nicht immer intuitiv erscheint, aber modern wirkt. Die Übersicht ist gut, klassische Ablagen oder Haltegriffe fehlen, und auf der Rückbank ist das Platzangebot für lange Strecken knapp.
Im Fahreindruck zeichnet sich der EX30 CC durch seine souveräne Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit aus. Die Federung filtert Unebenheiten gekonnt weg, ohne schwammig zu wirken. Die Lenkung ist direkt, bleibt aber ein wenig synthetisch. Gerade bei schnellen Sprints zehrt die geballte Kraft am Akku. Laut WLTP liegt die Reichweite bei bis zu 427 Kilometern, realistisch je nach Reifen und Fahrweise sind eher rund 350 bis 400 Kilometer. Immerhin: Am Schnelllader zieht der EX30 CC mit bis zu 175 kW Strom, der Sprung von 10 auf 80 Prozent dauert etwa 26 Minuten. Wechselstrom-Laden klappt mit 11, optional sogar 22 kW, was für Outdoorfans samt Fahrzeug-Stromversorgung nützlich ist.
Der EX30 Cross Country ist zwar eine der hochpreisigen Optionen im Segment, bietet im Gegenzug aber rundum Vollausstattung, kräftige Leistung, einen eigenen Stil und das bekannte Volvo-Sicherheitsversprechen. Unterm Strich inszeniert sich der EX30 Cross Country als stylischer Lifestyle-Allrounder für Großstadt-Cowboys und Wochenend-Abenteurer, weniger als knallharter Offroad-Profi. Schwächen in Detail-Usability und Reichweite stehen auf der Negativseite, während Fahrspaß, Fahrdynamik und Sicherheitsausstattung präzise den Nerv der Zielgruppe treffen. (mn)