Melanie Dahms hält den Energieversorger Enercity mobil. Mit ihrem Team meistert die Mobilitätsmanagerin einen Spagat zwischen Tagesgeschäft, Transformation und Zukunftstechnologien.
Wie organisiert man Mobilität für tausende Mitarbeitende – vom Monteur mit Spezialfahrzeug bis zur Führungskraft im Dienstwagen? Melanie Dahms hat darauf eine klare Antwort. Sie ist Mobilitätsmanagerin beim Energieunternehmen enercity in Hannover – und hält gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen und -kollegen das Unternehmen mobil.
Insgesamt verfügt die enercity AG über einen Fuhrpark mit rund 654 Equipments. Darunter mehr als 526 Fahrzeuge, dazu Spezialgeräte, Fahrräder und alternative Mobilitätslösungen und eine eigene Kfz-Werkstatt.
Der Weg in ihre heutige Rolle war alles andere als geradlinig – aber genau das macht ihn so wertvoll. Zwölf Jahre war Melanie Dahms in der Leasingbranche tätig, betreute Autohäuser und Banken, war viel unterwegs. Es folgte ein bewusster Schnitt: raus aus dem Außendienst, rein in neue Themen. Stationen in der Beratung, mit Fokus auf agile Arbeitsmethoden, und bei einem Anbieter für Mobilitätsbudgets erweiterten ihren Blick.
„Ich wollte etwas machen, das näher an Menschen ist – und gleichzeitig strategischer“, sagt sie. Die neu geschaffene Position bei enercity passte perfekt: Mobilität ganzheitlich denken – über Abteilungen hinweg.
Was von außen oft nach klassischem Fuhrparkmanagement aussieht, ist in Wahrheit deutlich komplexer. „Es geht nicht nur darum, dass jemand ein Fahrzeug hat. Es geht darum: Wie kommt er zur Arbeit? Wo lädt er? Wo parkt er? Was braucht er wirklich für seinen Job?“, macht Dahms klar. Mobilität wird hier als Gesamtsystem verstanden – mit Schnittstellen zu Immobilien, Infrastruktur, Energieversorgung und Nachhaltigkeit. Das Ziel: funktionierende Prozesse, die den Arbeitsalltag erleichtern – nicht verkomplizieren.
Der Arbeitsalltag? Kaum planbar. An einem Tag geht es um die Beschaffung von Spezialfahrzeugen im Wert von über 100.000 Euro. Am nächsten um die Einführung einer neuen Fuhrparkmanagement-Software. Dazwischen: Rückrufaktionen von Herstellern, defekte Fahrzeuge, spontane Anforderungen aus den Fachbereichen.
Und dann sind da die Zukunftsthemen. enercity arbeitet intensiv an der Elektrifizierung der Flotte – mit klaren Zielen: CO₂-Neutralität bis 2035. Dabei setzt enercity vor allem auf den ID.Buzz und den VW-eTansporter. „Gerade im städtischen Versorgungsgebiet sind diese für die Einsätze ideal.“ Gleichzeitig testet das Unternehmen innovative Ansätze wie bidirektionales Laden für gewerbliche Flotten.
Ein zentrales Projekt: die Einführung einer integrierten Fuhrparkmanagement-Software. Ziel ist es, Daten zusammenzuführen, Prozesse zu automatisieren und Transparenz zu schaffen – von Fahrzeugzuständen über Wartungszyklen bis zur CO₂-Bilanz. „Wir brauchen einen Datenpunkt für alles – nicht fünf verschiedene Systeme.“
Doch die Umsetzung ist anspruchsvoll. Gerade bei Poolfahrzeugen oder wechselnden Fahrern stoßen viele Systeme an ihre Grenzen. Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es noch nicht.
Von außen wirkt vieles technisch – Fahrzeuge, Software, Infrastruktur. In der Praxis geht es vor allem um Menschen. Dahms: „Du musst verstehen, wie die Kolleginnen und Kollegen arbeiten – und warum sie zum Beispiel bestimmte Ausbauten und Ausstattungen in den Fahrzeugen brauchen.“
Das bedeutet auch: mitfahren, zuhören, Lösungen gemeinsam entwickeln. Gerade bei Standardisierungen oder Veränderungen braucht es Überzeugungskraft und Fingerspitzengefühl. Denn: Ein Fahrzeug ist für viele nicht nur ein reines Fortbewegungsmittel – sondern ein zentrales Arbeitswerkzeug.
Der Moment, der für Melanie Dahms den Job ausmacht, ist klar: „Wenn meine Kollegen mobil sind, ihre Aufgaben im Versorgungsgebiet erledigen können und alles funktioniert – genau dafür mache ich das.“
Die Erfahrungen aus der Leasing- und Beratungswelt helfen bis heute. Wirtschaftliches Denken, Marktkenntnis und ein Gespür für Entwicklungen sind essenziell – gerade bei Investitionen, Technologieentscheidungen oder strategischen Weichenstellungen. Gleichzeitig bleibt der Praxisbezug entscheidend: Was funktioniert im Alltag wirklich?
Für Energieversorger ist Mobilität weit mehr als reine Logistik – sie ist ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit, Effizienz und die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. „Gerade im operativen Alltag entscheidet die Verfügbarkeit der richtigen Fahrzeuge darüber, ob Störungen schnell behoben und Einsätze zuverlässig durchgeführt werden können“, so Dahms. Im Notfall zählt jede Minute: „Unsere Monteure müssen jederzeit einsatzbereit sein, Fahrzeuge funktional ausgestattet und sofort verfügbar.“
Hinzu kommt die Vielfalt der Anforderungen: Vom klassischen Pkw über Nutzfahrzeuge bis hin zu hoch spezialisierten Einsatzfahrzeugen braucht es differenzierte Mobilitätslösungen. Am Ende zeigt sich: Die größte Herausforderung besteht darin, die richtige Mobilität zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitzustellen – zuverlässig, wirtschaftlich und gleichzeitig zukunftsfähig. Genau hier wird Mobilitätsmanagement zum entscheidenden Hebel für den Erfolg von Energieunternehmen.
„Dieser Job ist ideal für Menschen, die gerne gestalten statt nur verwalten, die mit Komplexität umgehen können, technisches Interesse mitbringen und vor allem: Freude daran haben, Menschen mitzunehmen. Interessierte finden hier ein vielseitiges und sinnstiftendes Aufgabenfeld“, sagt Dahms. Ihr Tipp für Einsteiger: „Trau dich – aber sei dir bewusst, dass es kein einfacher Job ist. Dafür aber ein unglaublich spannender.
Die Rolle der Mobilitätsmanagerin zeigt, wie stark sich das Berufsbild verändert hat. Es geht nicht mehr nur um Fahrzeuge – sondern um Systeme, Daten, Nachhaltigkeit und vor allem um Menschen. Oder, wie Melanie Dahms es zusammenfasst: „Wir – Fuhrparkleiter, Fuhrparkadministration, Kfz-Meister und Mobilitätsmanagement – sorgen gemeinsam dafür, dass alles läuft – im wahrsten Sinne des Wortes.“ Alfons Wolf