Rainer Schnarr verantwortet 850 Fahrzeuge bei den Vitos Kliniken. Warum Fuhrparkmanagement für ihn weit mehr ist als Fahrzeugverwaltung – ein Einblick in einen Traumjob.
Manche Traumjobs verbinden Technik mit Organisation – und haben am Ende vor allem eines im Blick: Menschen. Für Rainer Schnarr, Leiter Fuhrparkmanagement bei den Vitos Kliniken, ist Fuhrparkmanagement genau das. Kein stiller Verwaltungsjob, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Organisation, Verantwortung und Haltung. „Kritische Situationen – das ist genau mein Ding", sagt Schnarr.
Rainer Schnarr ist kein klassischer Verwaltungsprofi. Er kommt aus der Praxis: Ausbildung als LKW- und PKW-Mechaniker, später Berufserfahrung in der Autovermietung. Dort entdeckte er, dass ihn nicht nur Fahrzeuge interessieren, sondern vor allem das Management dahinter – Technik, Verträge, Organisation.
Seit 2011 arbeitet Schnarr bei Vitos. Heute verantwortet er administrativ rund 850 Fahrzeuge, direkt betreut sein Team aktuell etwa 160 Fahrzeuge, Tendenz steigend. Als Vitos einen Fuhrparkmanager suchte, war das für ihn eine bewusste Entscheidung. „Ich wollte gestalten, nicht nur reagieren." Gemeinsam mit einem Kollegen baute er den Fuhrpark praktisch neu auf – inklusive eigener Werkstätten an mehreren Standorten.
Zahlen sind für ihn nie Selbstzweck. „Planen, mit Ressourcen umgehen, effiziente und reibungslose Abläufe schaffen – genau das passt zu mir."
Gerade dort, wo andere Stress sehen, beginnt für Schnarr die Motivation. Denn im Klinikalltag bedeutet Mobilität mehr als Bewegung: Ärzte, Pfleger und Therapeuten müssen zuverlässig zu ihren Einsätzen kommen – oft unter Zeitdruck, manchmal in Ausnahmesituationen.
Morgens geht es immer los mit der Planung. „Wir schauen, was anfällt, setzen Prioritäten, kommunizieren mit Werkstätten, mit Händlern, mit Leasingfirmen. Dann schauen wir uns die Kennzahlen an, Auswertungen. Dann gibt es Team-Updates, Jour-Fixes und natürlich steuern wir die Fahrzeugeinsätze", beschreibt Schnarr seinen Tagesablauf.
Im Hintergrund laufen parallel strategische Aufgaben: Beschaffungsplanung, Budgetüberwachung, Systembetreuung. „Wir haben einen vollelektrischen digitalen Fuhrpark aufgebaut: digitales Fahrtenbuch, digitale Führerscheinunterweisung, Fahrerunterweisung und digitales Schadensmanagement."
Doch täglich werfen neue Herausforderungen den durchgeplanten Tag über den Haufen. „Da hat ein Kollege Benzin statt Diesel getankt, der andere steht verzweifelt vor einem entwurzelten Baum…" Man kann sich vorstellen, was bei 7.000 Fahrerinnen und Fahrern anfällt.
Eine Geschichte macht die praktischen Risiken im täglichen Fahrzeugeinsatz deutlich: Ein Firmenfahrzeug wurde falsch betankt, der Motor ging aus – direkt auf dem Weg zur Autobahn. Der Fahrer rief nervös bei Schnarr im Büro an.
Schnarr stellte gezielte Fragen, ließ sich Standort und Situation schildern. Schritt für Schritt erklärte er, was als Nächstes zu tun war – ohne Zeitdruck, ohne Hektik. Parallel organisierte er Pannenhilfe und Ersatzmobilität.
„Wenn jemand panisch ist, bringt es nichts, selbst hektisch zu werden. Dann eskaliert die Situation und führt oft zu weiteren Fehlentscheidungen." Da sei es wichtig, Ruhe zu bewahren und die betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, die Ausnahmesituation zu bewältigen. „Also erst nachdenken, Sachlage verstehen und parallel schon alles Notwendige organisieren."
Er ließ einen Ersatzwagen aus der hauseigenen Werkstatt bereitstellen, um die Weiterfahrt zum Patienten sicherzustellen. Gleichzeitig kontaktierte er das Autohaus, um das defekte Fahrzeug so schnell wie möglich abzuschleppen und fachlich prüfen zu lassen.
Der Abschleppdienst traf innerhalb von 40 Minuten ein, das Fahrzeug wurde sicher entfernt, und der Kollege konnte mit einem Ersatzwagen weiterfahren – ein eigenes Poolfahrzeug steht für solche Sonderfälle immer bereit.
„Es stellte sich heraus, dass der Schaden bei rund 8.000 Euro lag. Der beteiligte Fahrer gab zu, privat am gleichen Morgen Benzin statt Diesel getankt zu haben und ging davon aus, dass unser Firmenfahrzeug ebenfalls einen Benzinmotor habe." Die folgende Team-Session verlief alles andere als ruhig, inklusive Unterweisung und Bildmaterial.
Und da das für Rainer Schnarr zu oft vorkam, beschloss er, den Fuhrpark vollständig auf Elektrofahrzeuge umzurüsten. „Das hat den Umstellungsprozess beschleunigt und führte zu einer deutlich höheren Zufriedenheit im Team. Schließlich geht es bei uns auch um eine effiziente Patientenversorgung, da wollen und müssen wir uns solche Fälle vermeiden."
Ein zentrales Thema für Schnarr: Struktur schaffen, wo Komplexität wächst. Bei Vitos wurde der Fuhrpark konsequent digitalisiert – von Fahrtenbuch und Führerscheinkontrolle bis hin zum Schadensmanagement. „Ohne digitale Systeme funktioniert das heute nicht mehr."
Vor der Digitalisierung war der Fuhrpark schwer vergleichbar, kaum steuerbar und nur mit großem Aufwand auswertbar. Fahrtenbücher wurden handschriftlich geführt, Auslastungen mit Excel rekonstruiert. „Allein die Kontrolle der Fahrtenbücher hat Wochen gedauert", erinnert sich Schnarr.
Mit der Einführung eines zentralen Flottenmanagementsystems änderte sich das grundlegend. Heute sind Fahrzeugdaten, Verträge, Laufleistungen und Auslastungen jederzeit abrufbar – über Dashboards, Suchfunktionen und standardisierte Auswertungen. Entscheidungen, die früher Bauchgefühl waren, sind heute datenbasiert.
Der Effekt ist messbar: Erst durch die digital erhobenen Fahrprofile konnte Schnarr belegen, dass die meisten Fahrzeuge im Durchschnitt zwischen 17 und 200 Kilometer pro Tag fahren – eine zentrale Grundlage für die konsequente Elektrifizierung der Flotte. „Ohne diese Zahlen hätte ich das gegenüber der Geschäftsführung nie sauber argumentieren können."
Schnarr gilt intern als klarer Treiber der Elektromobilität. Neue Fahrzeuge werden seit Jahren bevorzugt elektrisch beschafft. Parallel entsteht eine landesweite Ladeinfrastruktur – bewusst auch ohne sofortige Fahrzeugbindung.
Ein weiterer Hebel liegt für Schnarr in der Kombination aus Elektromobilität und eigener Energieerzeugung. An mehreren Standorten betreibt Vitos großflächige Photovoltaikanlagen. „Wir haben große PV-Anlagen auf den eigenen Geländen – die größte mit bis zu 850 kWp, weitere im Bereich von 400 bis 700 kWp. Damit kann man extrem kosteneffizient arbeiten."
Für ihn ist das keine Ideologie, sondern saubere Wirtschaftlichkeitsrechnung – kombiniert mit Verantwortung für Umwelt und Betriebskosten. „Wir haben die Kosten und Auswirkungen gegenübergestellt – auch wenn es bisher nur Hochrechnungen sind: Durch die PV-Anlagen werden wir nicht nur über 200 Tonnen CO₂ einsparen, sondern im Vergleich zum Netzstrom auch über 80.000 Euro im Jahr. Nimmt man noch die Einsparungen durch Stromtanken statt Kraftstoff, liegen wir in unserer Größe bei mehreren 100.000 Euro Gesamtersparnis", erklärt Schnarr.
Für Schnarr ist die Antwort klar: „Kommunikationsstärke, Ruhe in Stresssituationen und Verantwortungsbewusstsein." Wenn Mitarbeitende auf der Autobahn liegen bleiben, landet der Anruf oft direkt bei ihm. Dann zählt nicht Perfektion, sondern Verlässlichkeit.
Schnarr macht keinen Hehl daraus, dass Fuhrparkmanagement fordernd ist: „Man ist definitiv Stresssituationen ausgesetzt und muss pragmatisch handeln." Für ihn ist es ein absoluter Traumjob – aber nichts für Menschen, die eine Schönwetter-Karriere anstreben.
Bei über 7.000 Fahrern auf rund 500 Poolfahrzeugen ist kein Tag wie der andere. „1.000 Fahrzeuge sind kein Problem. Die Herausforderung ist die Anzahl der Nutzer." Da brauche man Erfahrung, um damit klarzukommen. „Man muss sehr flexibel sein, um auf außergewöhnliche Situationen schnell reagieren zu können."
Und trotzdem – oder gerade deshalb – begeistert ihn sein Beruf. Weil er Wirkung entfaltet. Weil Mobilität Sicherheit schafft. Und weil gute Entscheidungen jeden Tag spürbar werden, auch wenn man sie nicht immer sofort sieht.
Wer einsteigen will, sollte klein anfangen, lernen, fragen – und dranbleiben. „Zuverlässigkeit ist entscheidend. Man wird daran gemessen, ob die Menschen mobil sind." Netzwerke, Weiterbildungen und Mentoren spielen dabei eine zentrale Rolle – und der Blick über den eigenen Tellerrand.
„Neugierig sein und bleiben und sich regelmäßig weiterbilden", so seine Empfehlung. Die bfp-Akademie gehöre da zu den besten Möglichkeiten.
Rainer Schnarr zeigt, wie Fuhrparkmanagement im Gesundheitswesen zum echten Traumjob werden kann: mit Struktur, Haltung und Leidenschaft. Ein Beruf für Menschen, die Verantwortung nicht scheuen – und genau darin ihre Motivation finden.