Spezialisierte Unternehmen rüsten Nutzfahrzeuge für Fuhrparks mit ganz unterschiedlichen Einsatzgebieten um. Der Markt für Umbauten wächst. Anbieter entwickeln flexible Finanzierungsmodelle.
Fahrzeugbauer und Werkstätten statten Transporter mit Regalsystemen und Halterungen aus und sorgen so für Ordnung und Sicherheit. Die Komponenten und Systeme für den professionellen Innenausbau kommen häufig von Spezialisten wie Bott, Kögl, Modul System, Sortimo, Work System oder Würth/ Orsymobil. Bei den Materialien setzen Komponentenhersteller auf einen Kompromiss aus geringem Gewicht und hoher Belastbarkeit. Häufig verwendet würden Aluminium oder verstärkter Kunststoff, um die Langlebigkeit der Einrichtung zu gewährleisten, ohne das Fahrzeug unnötig schwer zu machen, heißt es.
Angebot und Nachfrage entwickeln sich offenkundig gut: Das für Fuhrparks relevante Segment der Nutzfahrzeuge mit einer Nutzlast von 1,5 bis drei Tonnen wuchs in Europa im vergangenen Jahr durchschnittlich um sieben Prozent. So zumindest konnte man es einer Mitteilung zu den Unternehmenszahlen von Bott entnehmen. Ford Pro gibt an, dass etwa 50 Prozent der in Europa verkauften Ford Transit nach Kundenwünschen um- oder ausgebaut werden.
Fahrzeugeinrichter argumentieren, dass die Einbauten zwar zuerst einen Aufwand darstellen, auf lange Sicht allerdings beim Sparen helfen. Ein aufgeräumtes Fahrzeug untermauert außerdem die Professionalität gegenüber den Kunden, weiß man bei Work System. Dem Anbieter zufolge soll sich die Investition durch erhöhte Effizienz, verbesserte Arbeitsabläufe und geringere körperliche Belastung rasch amortisieren – branchenübergreifend. Nicht nur Schreiner benötigen schließlich spezielle Halterungen für ihre Werkzeuge.
Viele Anbieter gehen Partnerschaften mit Fahrzeugherstellern ein, um Komplettlösungen anzubieten. Fuhrparkverantwortliche ordern hierfür ein Neufahrzeug beim Autobauer, der ab Werk für den Umbau sorgt. Von Ford, MAN, Stellantis oder VW gibt es beispielsweise konfigurierte Umbauten zum Komplettpreis („Ein-Rechnungs-Geschäft“) – teilweise auch als Leasingangebot. VW Nutzfahrzeuge verweist im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums vom "Bulli" auf derzeit besonders günstige Angebote, auch für Elektrofahrzeuge. Der Werksausbau eignet sich aufgrund höherer Kosten und begrenzter Individualisierungs-Möglichkeiten insbesondere für große Flotten.
Bott hat in Zusammenarbeit mit Stihl eine Lösung für das mobile Laden von Akkus entwickelt ("Bott Vario3 powered by Stihl"). Diese richte sich vor allem an den Garten- und Landschaftsbau sowie Kommunalbetriebe, heißt es. Aber auch Holzbearbeitungsbetriebe und Zimmerer können profitieren, wenn sie Elektro-Werkzeuge nutzen. Ziel sei es, das Lademanagement für Akku-Arbeitsgeräte zu beschleunigen und die emissionsfreie Montage wirtschaftlicher zu machen.
Die Berner Group arbeitet über die Tochtergesellschaft „BTI by Berner“ bereits seit Jahren erfolgreich mit Sortimo zusammen. Aktuell steht die Internationalisierung an. Eine neue Art der Finanzierung beinhaltet das Servicekonzept „Bera Mobil“. Damit können Betriebe ein Regalsystem von Sortimo beziehen und durch ein Bonussystem und den Kauf von Berner-Produkten abschreiben, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.
Für die Kögl GmbH sind Innovationen Teil der Firmen-DNA, wie Geschäftsführer Markus Kögl herausstellte. Der Fahrzeugeinrichter aus Bubesheim beging im vergangenen Jahr 60-jähriges Jubiläum und hat laut eigenen Angaben mithilfe künstlicher Intelligenz flexible Konfigurationstools entwickelt, um individuelle Baukastenlösungen effizient zu erstellen. Das soll der Beratung und Anpassung von Flexmo-Einrichtungen zugutekommen. Kögl führte die Eigenmarke 2010 ein, die zweite Flexmo-Generation folgte 2015.
Neben Kauf und Leasing bestehen auch kurzzeitige Mietmodelle: In diesem Kontext kooperiert Sixt mit Sortimo. Bei Ausfällen oder Auftragsspitzen lassen sich Nutzfahrzeuge mit Standard- oder individuellen Regalsystemen mieten. Die Mindestlaufzeit wurde laut Sixt von zwölf Monaten auf einen Monat reduziert, bei maximal 36 Monaten Laufzeit. Seit Juni 2024 gebe es den Tarif "Full Service Rental", bei dem Kosten wie Versicherung, Steuern, Wartung und Reparaturen im Mietpreis enthalten seien. Dieser Tarif mit flexiblen Kilometerpaketen sei eine Alternative zu Kauf oder Leasing.
Einbaupartner bieten auch Wartung und Instandhaltung der Ausbauten an. Dies umfasse die Überprüfung von Regalen, Schubladen, Zurrgurten und anderen Befestigungsmitteln sowie den Austausch defekter Teile. Modul-System hat laut eigener Mitteilung eine digitale Wartungsanwendung in sein "Modul-Connect"-System integriert. Diese diene der Optimierung des Wartungsmanagements für Flotten und sei eine Erweiterung des Asset Trackers zur Echtzeitverfolgung von Werkzeugen.