Assistenzsysteme reduzieren Unfälle, treiben jedoch die Kosten. Nach einer aktuellen Studie steigen Reparaturaufwand und Versicherungsprämien durch komplexe Technik und Inflation deutlich.
Notbremsassistent, Müdigkeitswarner, Automatisierungsfunktionen: Moderne Fahrzeuge werden immer digitaler und vernetzter. Laut einer Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) führt diese Entwicklung zwar zu mehr Sicherheit, erhöht aber zugleich die Kosten für Wartung und Reparaturen.
Fahrerassistenzsysteme können die Zahl der Unfälle langfristig senken. Der GDV rechnet damit, dass die Schadenanzahl bis 2040 um 9 bis 14 Prozent und der Schadenaufwand um 6 bis 12 Prozent zurückgehen wird. Besonders wirksam seien Park- und Rangierhilfen sowie Notbrems- und Spurwechselassistenten.
Gleichzeitig verteuerten diese Systeme einzelne Schäden. Sensoren, Kameras und elektronische Komponenten erhöhten den Reparaturaufwand deutlich. Selbst einfache Eingriffe wie der Austausch einer Frontscheibe könnten teurer werden, da eine Kalibrierung der Technik erforderlich sei. In der Folge steigen laut GDV auch die Versicherungsprämien.
Elektroautos haben zwar weniger Verschleißteile als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Reparaturen können aber teurer ausfallen, etwa bei Schäden an der Antriebsbatterie. Zusätzlich wirkt die Inflation kostentreibend: Bereits bei jährlich 2 Prozent Inflation steige der Schadenaufwand bis 2040 um 24 bis 32 Prozent, bei 3,7 Prozent sogar um 64 bis 75 Prozent. „Die Preisentwicklung ist damit der dominante Kostentreiber“, heißt es in der Studie. Schon heute liegen Werkstattkosten auf hohem Niveau. 2024 überschritt laut GDV der durchschnittliche Stundensatz erstmals 200 Euro. Seit 2017 seien die Kosten um 50 Prozent gestiegen.
Zudem bleiben viele Schäden auch durch Assistenzsysteme unvermeidbar, etwa bei Diebstahl, Wildunfällen oder Witterungseinflüssen. Ebenso könne moderne Technik physikalische Grenzen nicht aufheben. „Ein Autobahnpilot schreckt keine Autodiebe ab, eine Einparkhilfe schützt weder vor Steinschlägen, Hagel noch vor Wildunfällen oder Marderbissen.“
Hinzu kommen neue Risiken durch automatisiertes Fahren, etwa Fehlinterpretationen im Verkehr oder Bedienfehler. „Auch technische Grenzen und Bedienfehler können zu Unfällen führen – etwa wenn Sensordaten fehlerhaft sind oder die Abstimmung zwischen Mensch und System nicht reibungslos funktioniert.“
Die zunehmende Digitalisierung stellt auch die Hauptuntersuchung vor Herausforderungen. Moderne Fahrzeuge verfügen über zahlreiche Steuergeräte und komplexe Elektronik. Deshalb fordern Sachverständigenorganisationen einen gesetzlich gesicherten Zugang zu Fahrzeugdaten, um die Prüfung künftig zu gewährleisten.