In ihrer Kolumne berichtet Dr. Olga Nevska, Geschäftsführerin der Telekom Mobility Solutions, von ihren Erfahrungen bei der Transformation eines der größten Unternehmensflotten des Landes zu einem innovativen Mobilitätsprovider.
Ein rascher Hochlauf der E-Mobilität sei erforderlich, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen, verkündete das Kanzleramt nach dem Mobilitätsgipfel am 10. Januar. Bestätigt wurde auch das Ziel, bis 2030 mindestens 15 Millionen vollelektrische Autos auf die Straße zu bringen. Ach ja? Und das soll es gewesen sein? Wo sind neue Ideen, wo mutige Entscheidungen? So wird das nichts mit der Verkehrswende in Deutschland!
Schon gar nicht, wenn die Verantwortlichen nicht gemeinsam an schnellen Lösungen arbeiten, sondern sich gegenseitig den schwarzen Peter in die Schuhe schieben. Die einen fordern für den Ausbau der Ladeinfrastruktur ein stabileres Stromnetz, die anderen sehen das Problem in den langen Lieferzeiten. Wieder andere zeigen auf die Bundesregierung, verlangen staatliche Kaufprämien und die Abschaffung der Subventionen für Verbrenner. Von branchenbergreifender Zusammenarbeit keine Spur! Das Ergebnis: Bis heute wird die Zahl der E-Autos auf etwa 1 Mio. geschätzt. Der Anteil der Neubestellungen wächst zu langsam, gebremst durch steigende Stromkosten und fehlende Infrastruktur.
Da haben wir Corporates deutlich mehr zu bieten! Allein bei der Deutschen Telekom lag Ende 2022 der Elektro-Anteil bei den Neubestellungen schon bei 40 Prozent. Und besser noch: seit 1. Januar 2023 wird bei uns im Geschäftswagen-Segment nur noch rein elektrisch bestellt! Kein Wunder also, dass die Konzernentscheidung zum Verbrenner-Aus, die für uns nur ein konsequenter Schritt war, einen Riesenwirbel auslöste. Nie hatte ich mehr Likes in den sozialen Medien, nie so viele Presseanfragen im Posteingang. Wieder einmal ist also die betriebliche Mobilität der Beschleuniger in Sachen klimafreundliche Mobilität.
Wir machen unsere Hausaufgaben in Sachen Corporate Citizenship und geben Gas bei der Antriebswende. Häufig werde ich gefragt, wie uns die Transformation gelungen ist. Der Umstieg passierte natürlich nicht über Nacht. Seit 2019 haben wir hart daran gearbeitet. Damals war die Reichweite der E-Fahrzeuge kaum größer als 250 km, das Interesse bei unseren Kunden gleich Null. Aber wir haben nicht aufgegeben, haben unsere Prozesse angepasst, sehr viel Knowhow aufgebaut und schließlich unsere Kunden überzeugt.
Es sind also erneut wir Corporates, die den Weg für Veränderungen ebnen. Das ist fair, denn nirgendwo sonst wird so viel CO2-Ausstoß produziert wie auf dem Weg zur Arbeit. Warum aber werden wir nicht mit umfangreicheren Instrumenten ausgestattet, die wir für die Bewältigung der Transformation benötigen? Wenn die Innovationsprämie wegfällt, warum wird im Gegenzug z.B. nicht die Abschreibung beschleunigt? Warum können wir den Bau von Ladestationen für E-Autos nicht steuerlich geltend machen? Warum finden wir keinen Platz am Gipfeltisch, zu dem fast ausschließlich Vertreter der Automobilindustrie eingeladen waren? Und warum wird hier Mobilität offenbar gleichgesetzt mit Elektromobilität? Am Ende brauchen wir doch mehr geteilte Mobilität und weniger Autos. Fragen über Fragen – wir haben Antworten. Herr Wissing, wir müssen reden!