Auf der Nakobemo 2024 kamen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen, um über nachhaltige betriebliche Mobilität und notwendige Schritte zur Mobilitätswende zu diskutieren.
Paneltalks, Keynotes, Best Practices: Die Nakobemo (Nationale Konferenz für betriebliche Mobilität) war am 19. und 20. November wieder mal der Treffpunkt für alle, die an der Gestaltung zukunftsorientierter Mobilitätskonzepte arbeiten. Mit dem Ziel nachhaltige und ganzheitliche Mobilitätslösungen für Unternehmen zu entwickeln, versammelten sich Expertinnen und Experten, Mobilitätsverantwortliche und Vertreter (aus Kommunen, Wissenschaft und Politik) sowie Studierende, um Ansätze zu diskutieren und praktische Lösungen vorzustellen. Im Fokus der diesjährigen Konferenz standen unter anderem Themen wie alternative Mobilität, die Nutzung von Daten zur Optimierung von Flotten, Fahrradleasing sowie die Entwicklung von Mobilitätskonzepten auf kommunaler Ebene. Der Austausch auf der Nakobemo 2024 machte erneut deutlich, dass der Wandel hin zu einer nachhaltigen betrieblichen Mobilität auf die Zusammenarbeit zahlreicher Akteurinnen und Akteure und den Austausch innovativer Ansätze angewiesen ist.


Einmal mehr ging es auf der Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität nicht nur um (E-) Autos, sondern um den geballten Strauß der betrieblichen Mobilität – sprich um Fahrräder, Mobilitätsbudgets, Nachhaltigkeit, kommunales Mobilitätsmanagement, Software und vieles mehr. Da gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und diejenigen, um die es im Kern geht, abzuholen - nämlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Betriebliche Mobilität ist nicht irgendeine Verwaltungsaufgabe, sondern ein Management-Thema. Wir dürfen die Menschen nicht vernachlässigen. Denn wir gestalten nicht nur ihre berufliche, sondern oft auch ihre private Mobilität“, betont Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender, Bundesverband Betriebliche Mobilität, zu Beginn der Mobilitätskonferenz.
Es geht nicht nur um Verwaltung. Fuhrparks sind zurzeit auch zutiefst politischen Schlachtfeldern ausgesetzt. Die Automobilwirtschaft steckt im Umbruch und der Umgang mit China könne deutliche Auswirkungen auf das betriebliche Mobilitätsmanagement haben, so Prof. Dr. Benedikt Maier, Institut für Automobilwirtschaft (IfA) HfWU Nürtingen/Geislingen, auf der Nakobemo 2024. Fuhrparkverantwortliche müssten mit dem Risiko von langen Wartezeiten bei Umsetzung von Servicebedarfen, einer unkalkulierbaren Wertstabilität der Fahrzeuge und sogar dem Marktaustritt einiger Marken rechnen.


Die Zahlen zur aktuellen Lage der Mitarbeitermobilität lieferte Marc Odinius, Geschäftsführer von Dataforce. Er präsentierte das BBM Mobility Survey 2024, dem Daten des Mobilitätsverhaltens von 2.870 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugrunde liegen. Darunter auch Informationen, zu den Mobilitätsangeboten der Arbeitgeber. Deutlich wurde: Auf dem Arbeitsweg geht am Auto immer noch kein Weg vorbei. Über 60 Prozent der Befragten nutzten nach wie vor den Pkw für den Arbeitsweg, insbesondere den Verbrenner. Aber: Das Fahrrad wird auch immer wichtiger für den Arbeitsweg. Zusammen schlagen Fahrrad und E-Bike laut Studie sogar den ÖPNV! Der Mobilitäts-Studie zufolge seien mehr Personen auf 2 Rädern auf Arbeitswegen unterwegs, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit der Statistik bestätigt sich aber auch ein Trend zu mehr Nachhaltigkeit: Pkw-Verzicht in der Großstadt, Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz, der Wunsch von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nach besseren Mobilitätsangeboten seitens der Arbeitgeber; ein Umdenken wird deutlich.
Und beim Auto heißt Nachhaltigkeit (soweit es nicht einfach kein Auto heißt): E-Auto. Zwar sind sie mittlerweile fester Bestandteil der alltäglichen Mobilität, beim Umstieg blieben allerdings Hemmungen bestehen. Warum? Die Langstrecke ist ein Punkt! Allerdings müsse man sich vor ihr nicht mehr fürchten, meint Can Baltaci, Referent Fleet Management bei der Eppendorf Group. Batteriekapazität, Technologie, Ladeinfrastruktur, all das habe sich bereits verbessert und mache das E-Auto immer attraktiver. Baltacis jahrelanger Erfahrung mit verschiedenen E-Auto-Modellen zeige, dass E-Mobilität sehr gut möglich sei. Für Unternehmensfuhrpark vielleicht am wichtigsten: Eppendorf hat mit der Einführung von E-Autos die TCO bereits senken können, so Baltaci.




Alternative Mobilitätsmittel kamen auf der Nakobemo 2024 nicht zu kurz. Insbesondere dem Fahrrad wurde eine Bühne geboten, das entlang der Rekordzahlen des Dienstrad-Leasing 2023 bereits bewiesen hat, dass es fester Bestandteil der betrieblichen Mobilität ist. Von der Beliebtheit des Fahrrads für den Arbeitsweg berichtete auch Kerstin Wolf, Managerin Mobility und Fleet Management bei Biontech. Am Standort Mainz kämen bereits über 50 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur Arbeit. So weit, so gut, das hieß aber auch, dass die nötige Infrastruktur vor Ort angelegt werden musste, eine besondere Aufgabe für das Fuhrparkmanagement. Denn es galt, die Stadt Mainz mit ins Boot zu holen, um Fahrradstellplätze zu installieren. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, aufs Fahrrad zu steigen, müsse schließlich auch die entsprechende Infrastruktur am jeweiligen Unternehmensstandort vorfindbar sein. Damit ist es aber nicht getan, denn wichtig sei auch, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Umkleidemöglichkeiten und Duschen zur Verfügung zu stellen, um Fahrradmobilität noch attraktiver zu machen. Auch Brandschutz kommt ins Spiel (falls Fahrräder vor Ort am Fahrradparkplatz geladen werden sollen) eine weitere Aufgabe, die auf Fuhrparkmanager zukommen kann.
Das Fahrrad in der betrieblichen Mobilität vereine grundsätzlich zahlreiche Vorteile, meint Florian Knauer-Stülzebach, Key-Account-Manager bei Bikeleasing-Service. Nicht nur sei es klimafreundlich und kann auch im Rahmen der CSRD angegeben werden. Auch kommt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesundheitlich zugute, Stichwort Gesundheitsförderung, oder wie Prof. Dr. Volker Nürnberg, BWL-Professor für Management, Health & HR, vor Ort betonte: „Mobilität ist eine Gesundheitsfrage.“ Herausforderungen blieben aber nach wie vor bestehen, sei es ein Mangel an Fahrradwegen oder fehlende Anreize des Arbeitgebers. Daher auch der Appell von Prof. Dr. Stephan A. Jansen, wissenschaftlicher Beirat des Bundesverbands Betriebliche Mobilität: „Die Mobilitätswende ist keine Technologiewende, sondern eine Verhaltenswende.“
Und schließlich ist da auch noch der ÖPNV. Zu dem Thema sprachen Christian Wagner (traffiQ), Melanie Schmahl (Boehringer Ingelheim) und Michael Frömming (Abteilungsleiter Mobilität, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz). Trotz der Preiserhöhung des Deutschland-Tickets im Jahr 2025 treffe es noch immer auf großen Zuspruch, gerade auch als Corporate-Benefit. „Betriebliches Mobilitätsmanagement und Deutschlandticket, das gehört zusammen“, so Frömming.
Mit Blick auf internationale Nachhaltigkeitsziele steigen die Anforderungen an Fuhrparks schon seit langem. Deshalb ist die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD-Richtlinie) im Grunde kein neues Thema. Fakt ist aber auch, dass die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen bis einschließlich 2026 rasant zunimmt. Das stellt Fuhrparkverantwortliche vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen, weiß Ronald Bankowsky von Fast2Work. Mobilität ist ein Emissions-Herd für Unternehmen und das Fuhrparkmanagement ist angehalten, Mobilität neu zu denken und so CO2-Emissionen zu verringern. Umso wichtiger sei es für Fuhrparkverantwortliche zu wissen, wie sie die CSRD im Fuhrpark umsetzen müssen. Für Mobilitätsverantwortliche heißt das, dass sie sich zukünftig nicht nur mit dem Tagesgeschäft ihres Betriebs beschäftigen, sondern mit komplett neuen Fragestellungen rund um die Nachhaltigkeit ihrer Flotte auseinandersetzen müssen. Und da können Daten einen entscheidenden Unterschied machen.
Schließlich kommt auch der Rolle von Daten in der betrieblichen Mobilität, insbesondere der zeitnahe Zugriff, eine große Bedeutung zu. Denn mit dem Auto-Kauf (insbesondere im Bereich der E-Mobilität) gehe es im Fuhrparkmanagement erst los, meint Wolfgang Schmid, Webfleet Head of Central Region. Neue Energiequellen und folglich neue Kosten, der Bedarf an Ladeinfrastruktur, vorausschauende Planung von Wartungen, der Spritverbrauch, alles zwecks Optimierung und das live. Daten sind das neue Gold und auch für das Fuhrparkmanagement und es wird notwendig, Datenmonitoring auf Basis von Echtzeitinformationen zu betreiben. (ks)

