Herber Schlag für Niedersachsen: Die Industrie rutscht laut Branchenverband NiedersachsenMetall in eine Dauerkrise – bis zu 50.000 Arbeitsplätze könnten bis 2026 wegfallen.
NiedersachsenMetall rechnet bis Mitte 2026 mit einem Abbau von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen in der niedersächsischen Industrie. Grund für diese Prognose, die auf Basis von vorliegenden Unternehmensplänen getroffen wurde, sei unter anderem die starke Abhängigkeit von der angeschlagenen Automobilbranche und die zurückliegenden Jahre voller Krisen und wirtschaftspolitischer Entscheidungen. NiedersachsenMetall geht deshalb von einer anhaltenden Rezession auch im Jahr 2025 aus.
Das Fazit aus einer Konjunkturumfrage unter 540 Mitgliedsunternehmen von NiedersachsenMetall und weiteren Industrie Arbeitgeberverbänden könnte kaum düsterer sein: „Die Krise der deutschen Wirtschaft schlägt auch in Niedersachsen voll durch – sie macht sich hier wegen der hohen Abhängigkeit von der Autoindustrie sogar noch stärker bemerkbar. Teile unserer Industrie befinden sich im freien Fall“, fasste NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt am 24. Januar zusammen.
Seit 2020 befinde sich die niedersächsische Industrie in einer Ausnahmesituation. Coronapandemie, Ukraine-Krieg, ein massiver Anstieg der Energiekosten und eine irreführende Bundes-Politik. Letzten Endes habe das dazu geführt, dass die Planungssicherheit vieler Firmen endgültig verloren gegangen sei. Die Prognose? Verheerend: „Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht grundlegend verbessern, erwarten wir aufgrund der uns vorliegenden Unternehmenspläne, dass bis Mitte 2026 mindestens 50.000 Arbeitsplätze in der niedersächsischen Industrie verloren gehen.“
Die Auftragslage sei nach der Sommerpause 2024 sowohl für den Bereich Automotive als auch im Maschinenbau und bei Investitionsgütern streckenweise zusammengebrochen: „Die Prognosen für das zweite Halbjahr 2024 mussten reihenweise revidiert werden, mit der Folge, dass die Fixkosten vieler Unternehmen durch die Decke gehen. Die Situation ist deutschlandweit besorgniserregend, in Niedersachsen aber noch schlimmer“, sagt Schmidt, auch mit Blick auf den geplanten Stellenabbau in Niedersachsen. 45 Prozent der Unternehmen gaben im Verlauf des Jahres 2024 an, Personal abbauen zu wollen. Bundesweit seien es hingegen im Schnitt 37 Prozent.
„Für Niedersachsens Industrie ist das Auto nahezu systemrelevant“, erklärt Schmidt. „Wenn dann 61 Prozent der niedersächsischen Firmen im Automobilsektor davon ausgehen, dass sie die Produktion in 2025 zurückfahren müssen, ist das in höchstem Maße alarmierend. Es hat unmittelbare Konsequenzen für den Arbeitsmarkt.“
Auch Investitionen in den Standort Deutschland würden stärker zurückgehen, als es in vergangenen Jahren noch der Fall war: „Neue Investitionen finden zu zwei Dritteln außerhalb Niedersachsens und Deutschlands statt, das ist ein regelrechter Exodus. Nur noch jede dritte Investition fließt in die vorhandenen niedersächsischen Kapazitäten. Für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit ist das verheerend“, erklärt Schmidt.
Angesichts der desaströsen Lage der niedersächsischen Wirtschaft müsse die Politik schnellstmöglich handeln und das produzierende Gewerbe stützen, um letztendlich auch einem massiven Stellenabbau entgegenzuwirken. Schmidt fordert daher einen erleichterten Zugang zur Kurzarbeit wie während der Corona-Krise, vergünstigte Energiepreise für die Industrie, eine Reduzierung der Unternehmensbesteuerung. Auch sprach er sich für eine „drastische“ Entbürokratisierung aus: „Wir stehen in Deutschland vor einem Regulierungsinfarkt. Trotz aller politischen Absichtserklärungen ist es nicht gelungen, die Regelungsdichte zu reduzieren.“
Neben der Forderung nach mehr Entlastung von Unternehmen gelte es auch, sich von der aktuellen Linie der Klima-Politik hinsichtlich Verbrennermotoren abzuwenden. Die Automobilindustrie habe eine herausragende Bedeutung für Niedersachsen, nicht zuletzt, weil Volkswagen mit 6 Standorten allein in Niedersachsen vertreten ist. Daher müsse sich die Politik von der Fixierung auf das Verbrenner-Aus abwenden, die die Industrie schwer beschädigt habe und anderen Antriebstechnologien offen stehen: „Hybride, aber auch E-Fuels und Wasserstoff – davon würde die Industrie gerade in einem Autoland wie Niedersachsen besonders profitieren.“ (ks)
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