Pkw-Chef Christian Weingärtner erklärt, wie Ford Plattformpartnerschaften nutzt und die neuen Modelle trotzdem typisch Ford sein sollen.
Ford hat fünf neue Modelle für den europäischen Markt angekündigt und richtet seine Pkw-Strategie neu aus. Christian Weingärtner, Chef der Pkw-Sparte von Ford Europa, erklärt, warum Plattformpartnerschaften mit Renault und Volkswagen wichtiger werden, wo Elektroautos sinnvoll sind und wie die Marke ihren eigenen Charakter bewahren will.
Christian Weingärtner: Nein, es ist eine rationale Antwort auf die Marktentwicklung. Das meistverkaufte Auto in Europa vor 25 Jahren war der VW Golf mit rund 680.000 Einheiten - heute ist es der Dacia Sandero mit 250.000. Der Markt ist massiv fragmentiert. Dazu kommt die Transition zur Elektromobilität, die diese Fragmentierung weiter verstärkt. Ein einzelnes Modell wirtschaftlich in einer eigenen Fabrik herzustellen, funktioniert unter diesen Bedingungen schlicht nicht mehr. Renault hat im Kleinwagensegment in Europa die größte Skalierung - das macht sie zum idealen Partner. Was wir beisteuern: Design, Fahrwerksabstimmung, das gesamte Markenerlebnis. Das wird dann echter Ford, innen wie außen.
Weingärtner: Als die Entscheidungen für Explorer und die VW-Kooperation (Anm. der Redaktion: Ford baut auf der MEB-Plattform von VW die Modelle Explorer und Capri) getroffen wurden, sind wir - wie die gesamte Branche - von einer anderen Adoptionskurve ausgegangen. Das Segment, das vollelektrisch heute wirklich sinnvoll ist, sind eigentlich die kleinen Fahrzeuge: das Zweitauto im Haushalt, keine langen Strecken, kein klassischer Außendienst mit 500 Kilometern täglich. Genau dort setzen wir konsequent auf BEV. Für die größeren Modelle halten wir uns Optionen offen - die Regulatorik verschärft sich, aber die Zukunft ist unsicher. Wer vor fünf Jahren Prognosen aufgestellt hat, wo wir heute stehen, hat in den meisten Fällen daneben gelegen.
Weingärtner: Es geht nicht um Extremsportlichkeit - die Fahrzeuge sollen im Alltag problemlos fahrbar sein. Agilität, Lenkpräzision und das Fahrgefühl stehen im Mittelpunkt der Entwicklung: eigene Dämpfer, eigenes Fahrwerk, komplett neu abgestimmt - auch bei den Renault-basierten Modellen. Das ist die gemeinsame DNA aller vier Fahrzeuge, als sportliche Handschrift über alle Karosserieformen hinweg. Ford muss im Volumensegment nicht überall vertreten sein wie VW - aber wo wir spielen, wollen wir mit einem klaren Markencharakter auftreten. (sp-x)