China-Modelle stoßen in Fuhrparks laut Umfragen auf wachsendes Interesse. Doch zwischen Offenheit und tatsächlichen Zulassungen bleibt die Lücke noch groß.
Chinesische Automarken werden für deutsche Firmenflotten immer interessanter. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Instituts Omniquest im Auftrag von MHC Mobility. Marktdaten von Dataforce zeigen allerdings, dass die tatsächlichen Flottenzulassungen bislang noch deutlich hinter dem wachsenden Interesse zurückbleiben.
Für die Studie wurden im Juli 2026 rund 1.000 Berufstätige in Deutschland befragt. 615 davon arbeiten in Unternehmen, die Firmenfahrzeuge einsetzen.
Die Ergebnisse unter den 615 Befragten im Überblick:
Bei Personen, die an der Fahrzeugbeschaffung beteiligt sind, ist die Offenheit noch größer:
„Die Frage ist offenbar nicht mehr, ob chinesische Fahrzeuge in deutsche Fuhrparks kommen, sondern unter welchen Bedingungen“, sagt Rainer Thies, CEO von MHC Mobility.
Bei den Gründen für eine chinesische Marke liegen wirtschaftliche und technische Aspekte eng beieinander. 29 Prozent nennen Preis und Gesamtbetriebskosten als wichtigsten Vorteil, 27 Prozent Technologie und Ausstattung. Weitere 19 Prozent verweisen auf die Elektrokompetenz der Hersteller. Unter den Fuhrparkentscheidern steht Technologie und Ausstattung mit 32 Prozent an erster Stelle.
Die größten Vorbehalte betreffen praktische Fragen des Fuhrparkbetriebs. Am häufigsten genannt werden das Service- und Werkstattnetz mit 26 Prozent, politische Unsicherheiten wie Zölle mit 22 Prozent sowie Datenschutz und IT-Sicherheit mit 20 Prozent. Das Markenimage spielt mit neun Prozent dagegen nur eine geringe Rolle. Für viele Befragte würde außerdem ein Preisvorteil die Bereitschaft zum Wechsel auf eine chinesische Marke erhöhen.
„Werkstattabdeckung, Ersatzteilversorgung, Restwerte, Datenschutz – das sind genau die Punkte, die ein Fuhrpark nicht selbst abfangen kann und will. Wenn diese Themen im Servicepaket gelöst sind, verliert die Herkunft der Marke sehr schnell an Bedeutung“, so Thies. Ein günstigerer Preis allein reiche also nicht aus, wenn dadurch an anderer Stelle höhere Kosten entstehen. Auch bei der Dienstwagenmarke zeigen sich viele Befragte offen:
Die hohe Offenheit aus der MHC-Befragung spiegelt sich bislang nur begrenzt in der tatsächlichen Fahrzeugauswahl wider. Laut User-Chooser-Studie 2026 von Dataforce sind chinesische Marken bislang bei 15 Prozent der User Chooser innerhalb der vorgegebenen Markenauswahl zugelassen.
Bei europäischen, koreanischen, japanischen und anderen Importmarken liegt der Anteil dagegen zwischen 30 und 40 Prozent. Das ist relevant, weil mehr als die Hälfte der Dienstwagen von den Fahrenden selbst ausgewählt wird. 2025 entsprach das laut Dataforce rund 447.500 Pkw-Neuzulassungen. Damit ist die Car Policy oft ausschlaggebend dafür, ob chinesische Modelle überhaupt in die engere Auswahl kommen.
Auch bei den tatsächlichen Zulassungen ist der Marktanteil noch klein. Im ersten Quartal 2026 kamen chinesische Hersteller laut Dataforce auf 1,4 Prozent des deutschen Flottenmarkts. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Flottenzulassungen allerdings um 62 Prozent. Besonders stark legten einzelne Modelle zu:
Die absoluten Stückzahlen bleiben dennoch überschaubar. BYD, Polestar und Xpeng kamen zusammen auf weniger als 2.000 Flottenauslieferungen. Viele chinesische Modelle liegen laut Dataforce mit Preisen zwischen 40.000 und 60.000 Euro genau in einem typischen User-Chooser-Budget.
Für Fuhrparks bedeutet das: Das Interesse wächst deutlich schneller als der tatsächliche Bestand. Ob chinesische Modelle breiter in Flotten ankommen, hängt deshalb nicht nur vom Preis ab, sondern auch davon, ob sie überhaupt in Car Policies zugelassen werden und Service, Ersatzteilversorgung und Restwerte überzeugen.