Audi kleidet sich neu ein und macht aus dem Bestseller Audi A4 den sportlichen, dynamischen Audi A5. Kann das umfassende A4-Update punkten oder steht der A5 lediglich für Altbekanntes in neuem Gewand? Wir haben ihn getestet.
Nach Jahrzehnten auf der Straße ist es plötzlich vorbei mit dem Audi A4. Aber keine Sorge, war es doch nur ein kurzer Abschied, denn er kam umgehend zurück und zwar mit neuem Look und neuem Namen. Während seiner eher kurzen Abwesenheit hat sich einiges getan. A5 heißt er nun, sieht anders aus und ist dazu breiter und länger geworden. Ob Limousine oder Avant, grundsätzlich soll er im Vergleich zum Vorgänger sportlicher sein, sagte Audi CEO Gernot Döllner. Außerdem soll er mit neuem Interieur und moderner Elektronik-Architektur auf der Premium Platform Combustion (PPC) brillieren. Ob er seine Versprechen halten kann? Wir haben uns den neuen A5 geschnappt und ihn ausführlich getestet.
Dank neuer Designphilosophie wirkt der neue Audi A5 noch einmal hochwertiger, dynamischer und eleganter. Vorn dominiert ein flacher und gleichzeitig auch breiter Kühlergrill mit großen Lufteinlässen, flankiert von scharf gezeichneten, leicht abgerundeten, serienmäßigen LED-Scheinwerfern, die im Vergleich zum Vorgänger auch etwas geschrumpft sind. Der A5 ist um knapp sieben Zentimeter gewachsen. Nun misst er 4,83 Meter in der Länge. Die Türgriffe sind in die Karosserie eingelassen, sodass sich eine flache Linie bildet. Auch beim Radstand hat sich etwas getan, dieser wuchs von 2,82 auf 2,9 Meter.
Wie schon beim Audi A6 Avant e-tron heißt es auch beim neuen A5: technology, technology, technology. Über das Armaturenbrett hinweg sitzt das Audi MMI Panoramadisplay im Curved Design in OLED-Technologie. Es besteht aus dem Audi virtual cockpit mit 11,9 Zoll direkt hinter dem Lenkrad und dem 14,5 Zoll großen MMI touch-display. Optional gibt es im Rahmen des Pakets Tech Plus, gegen einen Aufpreis von 5151 Euro, einen 10,9-Zoll-Bildschirm für die Beifahrerin oder den Beifahrer. Ein Head-up-Display gibt es ebenfalls nur per Aufpreis als Zusatzkonfiguration im MMI experience pro für 1.950 Euro. Vom Funktionsumfang her lässt das Infotainment-System keine Wünsche offen. Allerdings kann man sich darin schnell verlieren, sollte sich Fahrerin oder Fahrer in Untermenüs verzetteln. Für einfache Anweisungen steht aber auch die Sprachsteuerung zur Verfügung, die, gepaart mit ChatGPT, nicht nur Anweisungen ausführt, sondern auch Fragen beantwortet. Ersteres klappt für das Navigationssystem wunderbar, letzteres hat die Grenzen dort, wo ein LLM nun mal seine Grenzen hat.
Ansonsten zieren Knöpfe und Regler das Cockpit. Auf dem Lenkrad sind es kleine Schaltflächen mit Touch-Funktion für verschiedene Fahrzeugeinstellungen, die ihren Zweck erfüllen, aber entfernt von der Touch-Funktion eines Touch-Screens liegen. In der Fahrertür gibt es noch eine Schaltfläche mit vielen weiteren Knöpfen, womit unter anderem die Sitzheizung betätigt werden kann. Nachteil an der ganzen (Touch-)Sache: Es sammeln sich unheimlich schnell Fettflecken auf den Flächen und Displays an.
Gegen 1.764 Euro Aufpreis gibt es ein Panorama-Glasdach mit schaltbarer Transparenz, das, sobald der Wagen abgestellt wird, automatisch in den intransparenten Modus wechselt.



Der Audi A5 Avant präsentiert sich während der Fahrt als komfortabler Allrounder. Mit einem auf 2,90 Meter gewachsenen Radstand bietet der Kombi spürbar mehr Platz im Innenraum. Vorne wie hinten sitzt man ausgesprochen bequem. Hinzu kommt eine gute Dämmung. Dank ihr bleibt es im Innenraum angenehm leise. Erst bei hohen Geschwindigkeiten nehmen die Fahrgeräusche zu, ohne jedoch unangenehm zu werden.
In unserem Modell, dem A5 Avant quattro, arbeitet ein Dieselmotor, unterstützt von einem Mild-Hybrid-System. Das ermöglicht dem A5 teilweise ganz ohne Verbrennungsmotor unterwegs zu sein. Trotz eines Leergewichts von fast zwei Tonnen zieht der Avant kräftig an und schafft den Sprint von 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 236 km/h. Damit ist der A5 zwar kein Sportler, aber durchaus flott unterwegs. Für sicheren Vortrieb sorgt dabei der Allradantrieb. Die Lenkung arbeitet präzise und vermittelt ein sicheres Gefühl, die Bremsen hingegen könnten etwas mehr Rückmeldung geben.
Die Ingolstädter geben den Kraftstoffverbrauch des neuen A5 mit 5,1–5,7 l/100 km (kombiniert) an. Wir lagen bei unseren Testfahrten mal leicht darüber, mal deutlich darüber, natürlich auch unter unterschiedlichen Fahrbedingungen. Über eine Strecke von knapp 52 Kilometern während des Berufsverkehrs bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52 km/h lag der Verbrauch nach einer Stunde bei 6,1 l/100 km. Über eine weitere Strecke von knapp 163 Kilometer bei durchschnittlich 90 km/h lag der Verbrauch nach 1:50h bei 8 l/100 km. Bei letzterer Strecke fuhren wir allerdings maßgeblich mit hohen Geschwindigkeiten über die Autobahn.
Optisch legt der A5 mit flacherem Grill, langgestreckter Karosse und clever integrierten Türgriffen an Präsenz zu, ein schönes Design hat er definitiv bekommen. Und das gilt auch für den Innenraum. Dort beeindruckt die neu strukturierte Elektronik-Architektur samt großem Curved-Display; bleibt aber bei Bedienung und Touchflächen ein Stück weit gewöhnungsbedürftig. Der Premiumanspruch der Marke geht mit Blick auf den Innenraum leider insofern ein wenig verloren, als dass aufgrund der Materialauswahl überall Fingerabdrücke und jedes einzelne Staubkorn zu sehen sind.
Fahrdynamisch überzeugt der A5 als ausgewogener Allrounder: Das Fahrwerk federt komfortabel, bleibt aber ausreichend straff für eine sportlichere Gangart. Die präzise Lenkung vermittelt Vertrauen, der Allradantrieb sorgt für sicheren Grip, selbst bei zügiger Autobahnfahrt. Der Mild-Hybrid-Diesel zeigt also eine souveräne Leistung und guten Langstreckenkomfort. Verbrauchswerte zwischen 6,1 und 8 l/100 km zeigen aber auch, dass er kein Sparfuchs ist.
Unterm Strich ist der neue (und erste) Audi A5 Avant ein stimmiger Begleiter für die lange Strecke und den Alltag. Er verbindet Komfort mit souveräner Fahrleistung, hält sich trotz sportlichen Designs mit sportlichen Ambitionen allerdings bedeckt. Von einer Revolution im Vergleich zum Vorgänger sollte man nicht sprechen. A4-Fahrerinnen und Fahrer sollten mit dem neuen A5 aber nicht weniger zufrieden sein.