Der schwedische Premiumhersteller hat seinem Topseller ein weiteres Update spendiert. Doch auch im Modelljahr 2026 will der XC60 mit bewährten Tugenden punkten.
Er läuft und läuft und läuft. Wem jetzt spontan ein alter Käfer einfällt, liegt falsch. Nicht VW, sondern Volvo ist gemeint – im Speziellen der XC60. Das Mittelklasse-SUV ist mittlerweile das meistverkaufte Volvo-Modell in der Geschichte des schwedischen Premiumherstellers. Mehr als 2,7 Millionen Exemplare konnten bisher weltweit abgesetzt werden – ein Meilenstein, mit dem sogar der legendäre Volvo 240 übertroffen wurde. Kaum überraschend, dass die Skandinavier an ihrem Bestseller festhalten und ihn noch möglichst lange in der Erfolgsspur halten wollen. Wenn das kein Grund ist, welcher dann?
Gewiss tragen dazu auch ein wenig die Irrungen und Wirrungen der Branche bei, die neben den bereits bekannten infrastrukturellen und transformatorischen Herausforderungen nun auch noch mit höchst volatilen ökonomischen und politischen Unwägbarkeiten kämpfen und wird leben müssen. Nicht von ungefähr sah sich deshalb der neue Volvo-Chef Håkan Samuelsson jüngst genötigt, die ehrgeizigen Elektrifizierungsziele der Marke etwas zurückzufahren. Credo: Volvos Zukunft bleibe zwar elektrisch, aber die Komplettumstellung auf Stromer benötige vielleicht ein paar Jahre länger – ursprünglich sollten bis 2030 keine Verbrenner mehr gebaut werden. Ob es bis dahin noch eine weitere XC60-Auflage gibt, wird sich zeigen. Zunächst hat die aktuelle Generation ein weiteres, zweites Facelift erhalten.
Insbesondere Fuhrparkmanager und Dienstwagenfahrer dürften den erneut modellgepflegten XC60 unter die Lupe nehmen. Lag doch der Gewerbeanteil 2024 bei satten 71 Prozent. Zudem war der XC60 Plug-in-Hybrid (PHEV) der bestverkaufte Teilzeitstromer (elektrische WLTP-Reichweite bis zu 80 Kilometer) in Europa und Deutschland sowie das stärkste Flottenmodell der Marke hierzulande. Der TCO (Total Cost of Ownership) für das Topmodell XC60 T8 PHEV Plus Dark beträgt 1,90 Euro netto pro Kilometer (Leasinglaufzeit: 36 Monate, 10.000 Kilometer im Jahr, ohne Nachlässe). So lief auch die zweite Überarbeitung des Dauerbrenners unter der Devise: Bewährtes bewahren, wenig Neuerungen, Fokus auf die Feinjustierung. Denn der XC60 soll sich auch weiterhin als die automobile Komfortzone für Familien und Vielfahrer präsentieren, aufgepeppt mit einer kräftigen Vitaminspritze und taufrischem Selbstbewusstsein.
Gleichwohl werden wohl nur ausgewiesene XC60-Experten und Detailverliebte das Update auf den ersten Blick zu erkennen. Zu den Merkmalen des Modelljahres 2026 zählt insbesondere die aufpolierte Front. Der neue Kühlergrill mit markanten, diagonal laufenden Lamellen und das frische Volvo-Emblem prägen das Gesicht. Dezent abgedunkelte Rückleuchten und drei neue Lackierungen bringen subtile Modernität in das stilvolle, betont unaufgeregte Design. Der neue Felgenlook unterstreicht den optischen Feinschliff, ohne dass das Erfolgs-SUV seine skandinavische Zurückhaltung verliert.
Der Innenraum bleibt Wohlfühloase. Neue Materialien und Dekore sorgen für hochwertiges Ambiente, das gewohnt ausgereift und durchdacht wirkt. Zentrales Element: Das neue, aufgesetzte 11,2-Zoll-Infotainment-Display ist deutlich schneller und intuitiver geworden. Googles Dienste sind nahtlos integriert, Bedienung und Darstellung profitieren spürbar – Android-Auto-Basis inklusive. Die Sprachbedienung läuft flüssig, das Fahrerlebnis ist digital optimiert – ohne überfrachtet zu wirken. Hinzu kommen Verbesserungen wie eine induktive Smartphone-Ladestation und zusätzliche Ablagen, die im Alltag einen echten Mehrwert bieten.
Auch unterm Blech bleibt es beim Erfolgsrezept. Volvo bietet den XC60 weiter als Benziner mit Mild-Hybrid-System (B5, 250 PS) und Plug-in-Hybrid an – den T6 AWD (Systemleistung: 350 PS) und das Topmodell T8 AWD mit 455 PS Systemleistung. Vor allem als Teilzeitstromer will der XC60 mit bis zu 80 Kilometern lokal emissionsfreier Reichweite (WLTP) für den Pendelalltag und Kurzstrecken punkten. Die rein elektrische Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 km/h, im Hybridmodus wird bei 180 km/h abgeregelt, wie bei allen neuen Volvo-Modellen üblich. Die größere Batterie (14,7 kWh netto) bleibt etwas schwach auf der Brust. Aufgeladen wird weiterhin nur einphasig mit 6,4 kW, was an der hauseigenen Wallbox rund drei Stunden dauert – Schnellladen bleibt außen vor, genauso wie Selbstzünder.
Und wie fährt er sich? Souverän, komfortabel, sicher. Die gut abgestimmte Luftfederung (optional) gleicht Unebenheiten gelassen aus und betont den ohnehin hohen Fahrkomfort des Schweden-SUV. Geräuschdämmung durch Doppelverglasung und skandinavische Gelassenheit tun ihr Übriges – lange Strecken werden zum entspannten Gleiten, selbst auf groben Landstraßen bleibt Stille im Innenraum. Im PHEV-Modus startet der XC60 leise und souverän, die ersten Kilometer laufen rein elektrisch. Erst wenn der Akku an seine Grenzen kommt, schaltet sich der kultivierte Vierzylinder-Benziner sanft hinzu – auf der Langstrecke ein effizienter und verlässlicher Partner. Zwar meldet sich der Motor bei hoher Beanspruchung akustisch, aber der XC60 will ohnehin nicht als Sportler missverstanden werden, sondern setzt weiter auf Komfort und ruhigen Vorwärtsdrang.
Die elektronischen Assistenten, darunter Spurhalte- und Abstandshalter sowie eine ausgereifte Verkehrszeichenerkennung, funktionieren zuverlässig. Die Bedienlogik bleibt nach kurzer Eingewöhnung klar – und typisch Volvo. Für Vielreisende und Familien bleibt die Größe ein Plus. Der Kofferraum bietet mit 468 bis 1.528 Litern jede Menge Stauraum und praktische Details wie einen doppelten Ladeboden. Die Rückbank ist bequem, selbst Erwachsene finden im Fond ein gutes Platzangebot, solange keine dritte Person den Mittelsitz beansprucht. Die Anhängelast von 2.250 Kilogramm bleibt eine Einladung für Caravan-Besitzer.
Fazit: All das hat seinen Preis: Ab 48.227 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) für den Mild-Hybrid, mindestens 57.134 Euro für den T6 und 66.126 Euro für das Topmodell T8. Für universellen Serienkomfort samt Fahrassistenzsystemen, Panorama-Dach, Luftfederung und feinen Ledersitzen sind locker 75.630 Euro im Testwagen möglich. Der Volvo XC60 bleibt dennoch auch im Modelljahr 2026 der Maßstab für entspanntes, alltagstaugliches Fahren. Die optische und technische Auffrischung bringt ihn auf Augenhöhe mit der jüngsten Konkurrenz und betont seine Stärken: Komfort, Sicherheit und einen Hauch von Luxus im skandinavischen Stil. Wer statt lautem Dynamik-Gehabe ein seriöses, zeitloses und technisch ausgereiftes SUV sucht, wird beim XC60 fündig – der vermutlich aus gutem Grund erfolgreichste Volvo bisher. (Michael Neher)