Die C-Klasse ist vor allem bei Gewerbekunden gefragt. Nun bringt Mercedes sie erstmals auch rein elektrisch. Wir sind den C 400 4Matic gefahren.
Mehr als 70 Prozent der C-Klasse-Neuzulassungen entfallen auf Gewerbekunden. Entsprechend relevant ist die erste rein elektrische Variante für Fuhrparks. Die elektrische C-Klasse wächst gegenüber den Verbrennern spürbar und bietet dank des längeren Radstands mehr Platz im Innenraum. Und wie macht sich der Stromer auf der Straße?
Mit der Elektroversion haben die Entwickler laut Hersteller zugleich die bislang sportlichste und agilste C-Klasse auf die Räder gestellt. Nach ersten Testfahrten mit dem elektrischen C 400 4Matic lässt sich diese Einschätzung durchaus nachvollziehen. Der bereits aus dem GLC bekannte Allradantrieb leistet 360 kW (489 PS) und arbeitet mit einem Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Schon ein leichter Druck auf das Beschleunigungspedal sorgt für kräftigen Vortrieb. Von null auf 100 km/h beschleunigt die Limousine laut Datenblatt in vier Sekunden, bei 210 km/h wird elektronisch abgeregelt. Obwohl wir recht flott unterwegs waren, haben wir weder die Beschleunigungszeit noch die Höchstgeschwindigkeit ausgereizt.
Auf kurzen Autobahnabschnitten waren wir überwiegend mit Tempo 130 unterwegs, bei Zwischenspurts auch mit 160 km/h. Auf kurvenreichen Landstraßen ging es, wo erlaubt, mit bis zu 100 km/h voran. Hier zeigt der Stromer seine Stärken. Im Passagierabteil bleibt es sehr leise, zugleich folgt die Limousine präzise den gewünschten Richtungswechseln. Dazu tragen die bei unserem Testwagen verbaute Hinterradlenkung und Luftfederung bei. Beide sind optional erhältlich.
Serienmäßig stehen die Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Individual zur Verfügung. Nach ersten Kilometern im Comfort-Modus wechselten wir auf den engen Serpentinen in den Sport-Modus. Damit steigt der Fahrspaß, allerdings auch der Verbrauch. Während der Bordcomputer beim entspannten Fahren auf Autobahn und Landstraße 16,8 kWh anzeigte, stieg der Strombedarf nach der zügigen Kurvenfahrt auf 21,7 kWh. Angesichts der sportlichen Fahrweise bleibt auch dieser Wert im Rahmen. Der WLTP-Verbrauch liegt bei 14,3 kWh.







Nach WLTP soll der Mercedes C 400 4Matic bis zu 762 Kilometer weit kommen. Im Alltag dürften rund 600 Kilometer realistisch sein. Im Stadtverkehr kann die Reichweite dank einer Rekuperationsleistung von bis zu 330 kW sogar noch höher ausfallen.
Wie schon beim GLC kommt eine Lithium-Ionen-Batterie mit einem Netto-Energiegehalt von 94 kWh zum Einsatz. An der Wallbox lädt die elektrische C-Klasse serienmäßig mit 11 kW. Gegen Aufpreis sind 22 kW möglich. Dank 800-Volt-Architektur beträgt die maximale DC-Ladeleistung 330 kW. Nach Herstellerangaben dauert der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent 22 Minuten. Innerhalb von zehn Minuten lässt sich Energie für bis zu 325 Kilometer Reichweite nachladen. Beide Werte konnten wir bereits bei umfangreichen Fahrten mit dem technisch baugleichen GLC nachvollziehen.
Während des Ladens zeigt der Bordcomputer zudem an, weshalb die maximale Ladeleistung gegebenenfalls nicht erreicht wird. Als Einflussfaktoren werden unter anderem der Ladestand der Batterie und ihre Temperatur angezeigt.
Im Cockpit dominiert eine Bildschirmlandschaft, die sich nahezu über die gesamte Breite des Armaturenträgers zieht. Der sogenannte MBUX Superscreen bietet eine scharfe Darstellung. Vor dem Fahrer befindet sich ein 10,25 Zoll großes digitales Cockpit. Daneben sitzt das 14 Zoll große Infotainment-Touchdisplay, gefolgt von einem ebenfalls 14 Zoll großen Bildschirm für den Beifahrer.
Bei wichtigen Funktionen setzt Mercedes weiterhin auf physische Bedienelemente. Außenspiegel, Lenkrad und Sitze lassen sich über Schalter einstellen. Für die Lautstärke gibt es eine Walze auf der Mittelkonsole. Direkt daneben befindet sich ein Schalter für die Sprachbedienung, die alternativ auch über eine Taste am Lenkrad aktiviert werden kann. Das System versteht Sprachbefehle im Test fast immer zuverlässig, sodass viele Handgriffe entfallen. Das gilt beispielsweise für die Klimaautomatik. Sie lässt sich ansonsten über eine Leiste im unteren Bereich des Infotainmentdisplays per Touch bedienen.
Auch beim Komfort legt die elektrische C-Klasse zu. Die verwendeten Materialien hinterlassen einen hochwertigen Eindruck, die Sitze sind bequem und bieten guten Langstreckenkomfort. Auf der Rückbank profitieren die Passagiere vom längeren Radstand. Für die Beine gibt es ausreichend Platz, außerdem lassen sich die Füße problemlos unter die Vordersitze schieben. Auch die Kopffreiheit fällt trotz der coupéartig nach hinten abfallenden Dachlinie großzügig aus.
Durch die veränderten Abmessungen und die gestrecktere Linie wirkt das Elektro-Modell harmonischer proportioniert als die Verbrenner-Varianten. Mit einem cW-Wert von 0,22 ist auch die elektrische C-Klasse aerodynamisch gut aufgestellt. Wie bereits beim GLC besitzt sie einen vergleichsweise großen Kühlergrill mit prominentem Mercedes-Stern. Wegen der niedrigeren Front wirkt die Gestaltung allerdings weniger wuchtig als beim SUV.
Der Mercedes C 400 4Matic kostet netto 56.900 Euro. In naher Zukunft sollen mit dem C 250 und dem C 300 4Matic zwei günstigere Elektroversionen folgen. Sie erhalten Batterien mit einer Nettokapazität von 85 kWh und entsprechend geringeren Reichweiten. Eine elektrische Kombiversion der C-Klasse ist dagegen nicht geplant. Der Kombi bleibt den Verbrenner-Modellen vorbehalten.
Die elektrische C-Klasse bietet:
Das Fahrzeuggewicht beträgt 2,46 Tonnen.