Mit mehr als 500 Kilometern Reichweite und kurzen Ladezeiten zeigt der elektrische Mercedes GLC im Test was er auf langen Strecken kann.
Der leuchtende Stern ist nicht das einzige Highlight des GLC 400 4Matic mit EQ Technology. Allerdings hat die Sache einen Haken: Günstig ist das elektrische SUV nicht. Mindestens 71.281 Euro brutto beziehungsweise 59.900 Euro netto müssen für den Stromer mit seiner unnötig sperrigen Modellbezeichnung kalkuliert werden. Das ist nicht wenig. Doch dafür bietet Mercedes viel Auto und moderne Technik.
Für den Antrieb sorgen zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren an Vorder- und Hinterachse. Gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 360 kW (489 PS). Das Drehmoment von 800 Newtonmetern wird über ein bei E-Autos selten verbautes Zweiganggetriebe verteilt. Es soll eine möglichst gute Beschleunigung mit hoher Effizienz verbinden.
Damit kommt das immerhin 2,5 Tonnen schwere Fahrzeug mehr als nur flott voran. Nach Angaben von Mercedes gelingt der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,3 Sekunden. Im Test zeigte sich der Antritt des GLC ebenso kraftvoll wie die Beschleunigung beim Überholen. Auch das angegebene Höchsttempo von 210 Kilometern pro Stunde ließ sich bestätigen. Diese Geschwindigkeit erreicht das SUV geradezu leichtfüßig.


Auch bei zügiger Fahrweise bleibt der Verbrauch in moderaten Bereichen. Die Testfahrt führte über knapp 400 Kilometer, davon 95 Prozent auf der Autobahn. Bei einem angezeigten Durchschnittstempo von 125 Kilometern pro Stunde lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei 21,9 kWh pro 100 Kilometer. Die Batterie mit einem Netto-Energiegehalt von 94 kWh war vor dem Start vollständig geladen und wies bei der Ankunft noch einen Ladestand von 18 Prozent auf.
Der Bordcomputer zeigte noch eine Restreichweite von 125 Kilometern an. Insgesamt hätte der GLC damit mehr als 500 Kilometer bei hohem Reisetempo zurückgelegt – ein mehr als alltagstauglicher Wert. Auch längere Geschäftsreisen lassen sich damit ohne große Ladepausen bewältigen. Im reinen Stadtverkehr steigt die Reichweite noch einmal deutlich, weil der GLC beim Bremsen und Ausrollen viel Energie zurückgewinnt. So sind mehr als 700 Kilometer möglich. Als kombinierten WLTP-Wert gibt Mercedes eine Reichweite von 673 Kilometern an.
Zudem kann der Mercedes GLC dank seiner 800-Volt-Architektur mit maximal 330 kW laden. Nach Angaben von Mercedes dauert es 22 Minuten, den Akku von zehn auf 80 Prozent zu laden. Innerhalb von zehn Minuten soll Strom für rund 300 Kilometer in die Batterie fließen. Beide Werte ließen sich im Test an der DC-Ladesäule auch dank der Vorkonditionierung nachvollziehen. Da bleibt kaum Zeit, sich einen Kaffee zu holen oder die Mails zu checken.
Während des Ladevorgangs zeigt der Bordcomputer außerdem an, weshalb die Ladeleistung unter dem Maximalwert von 330 kW liegt. Als Gründe werden unter anderem der Ladestand und die Temperatur des Akkus genannt.
Der Bordcomputer ist in eine Bildschirmlandschaft eingebettet, die sich nahezu über die gesamte Breite des Armaturenträgers erstreckt. Die Darstellung des sogenannten MBUX Superscreens ist gestochen scharf. Vor dem Fahrer informiert das 10,25 Zoll große digitale Cockpit über alle wichtigen Fahrdaten. Daneben befindet sich das 14 Zoll große Infotainment-Touchdisplay, gefolgt von einem ebenso großen Bildschirm für den Beifahrer.
Außenspiegel, Lenkrad und Sitze lassen sich über physische Schalter einstellen. Für die Lautstärkeregelung befindet sich eine Walze auf der Mittelkonsole. Direkt daneben liegt ein Schalter, über den sich die Sprachbedienung alternativ zur Taste am Lenkrad aktivieren lässt. Das System versteht gesprochene Befehle im Test fast immer zuverlässig und macht dadurch viele Handgriffe überflüssig. Die Klimaautomatik lässt sich bei Bedarf über eine Leiste im unteren Bereich des Infotainmentdisplays bedienen.






Die umfangreiche Ausstattung trägt zum hohen Komfort im Innenraum bei. Die Sitze sind äußerst bequem, sodass sich auch längere Strecken entspannt zurücklegen lassen. Auf der Rückbank sorgt der Radstand von 2,97 Metern für viel Bein- und Fußraum. Auch über dem Kopf bleibt ausreichend Platz.
Ob alleine oder mit mehreren Personen und reichlich Gepäck: Das auf Komfort ausgelegte Fahrwerk des elektrischen GLC zeigt im Test keine Schwächen. Das Testfahrzeug war mit dem optionalen Luftfahrwerk ausgestattet. Damit gleitet das SUV souverän über Bodenwellen und federt Unebenheiten sanft ab.
Gleichzeitig bleibt der GLC auch in schnell gefahrenen Kurven und bei abrupten Richtungswechseln stabil. Dazu trägt die präzise reagierende Lenkung bei. Zum hohen Komfort gehört außerdem das niedrige Geräuschniveau im Innenraum. Windgeräusche bleiben weitgehend außen vor. Auch die Abrollgeräusche der Reifen im Format 235/50 vorne und 265/45 hinten auf 20-Zoll-Felgen sind nur dezent wahrnehmbar.
Vor allem für User-Chooser dürften die Anhängelast von 2,4 Tonnen und die Stützlast von 100 Kilogramm wichtige Argumente sein. Damit eignet sich der GLC sowohl für einen Pferdeanhänger als auch für den Transport von bis zu drei E-Bikes auf einem entsprechenden Träger.
Ganz ohne Kritik bleibt der Test dennoch nicht. Vor allem Geschäftsreisende sollten die seitlichen Trittbretter des Testwagens mit Bedacht wählen. Bei schlechtem Wetter lassen sich Schmutzränder an Hosenbeinen oder langen Kleidern kaum vermeiden. Auch das Frontdesign dürfte die Meinungen teilen. Der vollflächig beleuchtete Kühlergrill im XXL-Format wird von einem ebenfalls beleuchteten Mercedes-Stern dominiert. Das unterstreicht zwar den Prestigeanspruch der Marke, wirkt jedoch vergleichsweise aufdringlich.
Technisch und beim Komfort liefert der Mercedes GLC 400 4Matic mit EQ Technology überzeugende Werte. Ob die auffällige Inszenierung der Front dazu passt, bleibt dagegen Geschmackssache.