Um CO2-Emissionen einzusparen, wird europaweit massiv in Mobilität investiert. Nur gehen die Länder nicht alle den gleichen Weg. Wie Länder Europas Mobilität fördern, mitunter aber auch einschränken und wie Mobilitätsstrategien aussehen können, haben wir anhand einiger Beispiele illustriert.
Weniger Verbrenner, mehr Stromer und auch alternative Mobilitätsmittel anstelle von Autos: Europas Mobilität steckt im Wandel. Das gilt aber nicht nur für den Individualverkehr. Auch Unternehmen müssen sich um grünere Mobilität bemühen. Nicht zuletzt die Politik macht dort Druck. Mit der CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung zwingt sie Unternehmen, ihren Fuhrpark nachhaltiger aufzustellen, denn ansonsten drohen hohe Geldstrafen. Und auch deshalb geschieht so einiges auf dem Kontinent, doch aller Einheit zum Trotz sehen internationale Mobilitätsstrategien und Förderprogramme in Sachen E-Mobilität noch unterschiedlich aus. Gerade für Unternehmen mit internationalen Flotten kann es vorteilhaft sein, zu wissen, wie es bei den europäischen Nachbarn in Sachen Mobilität aussieht. Einen kleinen Überblick haben wir mit Hilfe des Berliner Beratungsunternehmens M3E illustriert.
Nachhaltige Mobilität heißt in Norwegen zu einem großen Teil E-Auto. Das Land der Fjorde und des Wassers ist auf dem europäischen Kontinent das Vorzeigeland, wenn es um Elektromobilität geht und besitzt eine der höchsten E-Auto-Quoten weltweit. Zuletzt verwies der norwegische Verband für Elektrofahrzeuge Norsk elbilforening auf das Jahr 2023 als Rekordjahr in Sachen verkaufter E-Autos. Über 82,5 Prozent aller verkauften Pkw waren dem Automobilverband zufolge vollelektrische Fahrzeuge. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von etwa 4 Prozent. Und in den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 wurden in Norwegen bereits satte 57.960 Elektroautos neu zugelassen. Auch der Anteil an vollelektrischen leichten Nutzfahrzeugen (LCV) nimmt stetig zu. Bei alldem hilft der norwegische Staat kräftig mit, indem er beim Kauf eines BEV die ersten 500.000 norwegischen Kronen (ca. 41.440 Euro, Stand August 2024) von der Mehrwertsteuer (25 Prozent) befreit.
Kopenhagen und Amsterdam kennt man bereits für deren enormen Fahrradflotten. Schon 2022 besaßen die Einwohnerinnen und Einwohner von Kopenhagen über 745.000 Fahrräder. In Amsterdam sieht es ähnlich aus. Hier besaßen die etwa 780.000 Einwohnerinnen und Einwohner zusammen etwa 881.000 Fahrräder. Autos sieht man hier eher weniger. Und wenn sich durch die Städte etwas auf mehr als 2 Rädern bewegt, ist es meist der ÖPNV. Und um diesen jetzt noch umweltfreundlicher zu gestalten, wollen sowohl Kopenhagen als auch Amsterdam ihre Buslinien bis Ende 2025 emissionsfrei betreiben.
Die Niederlande engagieren sich allgemein sehr für einen diversen Energiemix. Im Rahmen des nationalen Klimaabkommens wollen unsere Nachbarn bis 2025 50 Wasserstofftankstellen errichten. Außerdem haben in den Niederlanden 29 Gemeinden beschlossen, emissionsfreie Zonen für Nutzfahrzeuge einzuführen. In 18 dieser Gemeinden treten die emissionsfreien Zonen bereits am 01.01.2025 in Kraft.
Frankreich will große und schwere Autos grundsätzlich unattraktiv machen, zumindest in Großstädten. Zuletzt hat die Stadtverwaltung von Paris eine Neuregelung auf den Weg gebracht, wonach das Parken in der Innenstadt für schwere Autos deutlich teurer wird. Vorgesehen ist, dass Verbrenner und Hybridfahrzeuge, die schwerer sind als 1,6 Tonnen und E-Autos, die schwerer sind als 2 Tonnen, für eine Stunde parken im Zentrum von Paris 18 Euro statt wie bisher 6 Euro zahlen. Aber auch sonst will Frankreich schmutzigen Autos den Gar ausmachen. Jeder, der in Frankreich einen Pkw mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 194 Gramm pro Kilometer zulässt, muss mit hohen Geldstrafen bis in Höhe von 60.000 Euro rechnen.
Grundsätzlich werden Elektroautos aber durch eine Förderung, den „bonus écologique“, begünstigt. Allerdings wurden die Prämien mitunter leicht angepasst. Zuschüsse für die einkommensstärkere Hälfte der Bevölkerung wurden von 5.000 Euro auf 4.000 Euro gemindert, die maximale Förderung für die andere Hälfte bei 7.000 Euro belassen. Der Zuschuss für den Kauf von E-Fahrzeugen für Unternehmen wurde indes gestrichen und Nutzfahrzeug-Käufer müssen mit einer um 1.000 Euro kleineren Förderungssumme auskommen. Generell gibt es in Frankreich gut 22 regionale Förderprogramme für die Anschaffung von vollelektrischen Fahrzeugen.
Italien möchte keine Autos in ihren Innenstädten haben. Und deshalb wird es mitunter immer komplizierter, sich mit dem Pkw innerhalb von Städten fortzubewegen. Grund dafür sind Umweltzonen und sonstige Durchfahrbeschränkungen für Fahrzeuge. Und diese häufen sich. Hier und da findet man die "zona traffico limitato", eine begrenzte Verkehrszone, in die ausschließlich Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung einfahren dürfen. Hinzu kommt, dass Umweltzonen in Italien von Stadt zu Stadt unterschiedlich geregelt sind, sodass Regelungen in Parma vielleicht nicht in Verona gelten.
Der Fahrzeugmarkt Polens ist stark vom Verbrennungsmotor geprägt und auch grundsätzlich ist Polens Energieerzeugung von fossilen Brennstoffen abhängig. Mit einer Dekarbonisierungsstrategie will die amtierende polnische Regierung nun dagegen angehen und bis 2030 1,46 Millionen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride zulassen. Aber nicht erst seit gestern verändert sich der Antriebsmix unter den Fahrzeugen in Polen schon, sodass eine zunehmende Präsenz von Elektrofahrzeugen wie dem Tesla Model 3 und Model Y zu verzeichnen ist, angetrieben durch das Interesse von Verbraucher an nachhaltigem Verkehr und einer fördernden Regierungspolitik
Eines der kleinsten EU-Mitglieder ist auch auf den Zug der E-Förderung aufgesprungen. Zypern fördert die Anschaffung von vollelektrischen leichten Nutzfahrzeugen mit 15.000 Euro pro Fahrzeug. Außerdem sollen bis zum Jahr 2030 etwa 36.000 Fahrzeuge mit E- oder Hybridantrieb auf die Straßen gebracht werden. Um die Verbreitung von Elektrofahrzeugen noch weiter zu fördern, sollen zusätzlich 1.000 Ladestationen installiert werden.
Estland hält sich, zumindest bei der Förderung von E-Autos, eher bedeckt. Es ist das einzige Land in der EU, das auf Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge verzichtet. Zwar versucht die Hauptstadt Estlands, Tallinn, seit 2013 den Individualverkehr mit einem kostenlosen ÖPNV einzugrenzen, allerdings habe diese Maßnahme nicht viel dazu beigetragen, das Auto in dessen Dominanz von der Straße zu verdrängen. Der Autoverkehr habe seitdem sogar noch zugenommen. Generell gehört die Anzahl an zugelassenen Autos pro 1.000 Einwohner in Estland europaweit zu den höchsten.
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