Hoher Prüfaufwand und zusätzliche Nacheichungen verteuern den Betrieb öffentlicher Ladesäulen. Verbände sehen dadurch den Ausbau der Ladeinfrastruktur gefährdet und fordern eine zügige Anpassung an EU-Recht.
Acht Verbände der Mobilitäts- und Energiewirtschaft drängen auf eine Reform des deutschen Mess- und Eichrechts für öffentliche Ladesäulen. Sie sehen den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur durch hohen bürokratischen Aufwand und steigende Kosten gefährdet.
Hintergrund der Forderung ist ein deutlich gestiegener Bedarf an Eichungen. Anfang 2026 existierten in Deutschland rund 200.000 öffentliche Ladepunkte, darunter knapp 50.000 Schnelllader. Diese müssen regulär alle acht Jahre geeicht werden. Während die Behörden bislang von etwa 6.000 Eichungen pro Jahr ausgegangen sind, beziffert die Branche den tatsächlichen Bedarf inzwischen auf mehr als 45.000 Vorgänge jährlich, heißt es in der Forderung. Gründe seien neben der wachsenden Zahl an Ladepunkten auch zusätzliche Nacheichungen nach Wartungen und Reparaturen sowie zunehmend nach Fällen von Kabeldiebstahl.
Der Kabelklau entwickelt sich nach Einschätzung der Verbände zu einem strukturellen Problem. Werden Ladekabel entwendet, können betroffene Ladesäulen häufig über Monate nicht wieder in Betrieb genommen werden. Neben der Reparatur verzögert insbesondere die erneute Eichung die Wiederinbetriebnahme und binde Ressourcen, so die Verbände. Schon unabhängig vom Kabeldiebstahl gebe es Engpässe bei den Prüfkapazitäten.
Die Verbände warnen vor Mehrkosten in Millionenhöhe, die sich perspektivisch auch auf die Ladepreise auswirken können. Zugleich verweisen sie auf eine seit Längerem laufende politische Diskussion und auf die Bedeutung der jüngst auf EU-Ebene beschlossenen Neufassung der Messgeräterichtlinie (MID). Die Mitgliedstaaten haben rund zwei Jahre Zeit, die Vorgaben in nationales Recht umzusetzen.
Gefordert wird ein zügiger und praxisnaher Anschluss an die EU-Regeln. Nationale Sonderwege sollten beendet werden. Konkret plädiert das Bündnis dafür, den Austausch von Bauteilen wie Ladekabeln nicht grundsätzlich mit einer erneuten Eichpflicht zu verbinden, sofern die Messgenauigkeit erhalten bleibt. Zudem sollen Prüfanforderungen vereinfacht, bundesweit vereinheitlicht und stärker auf Stichproben gestützt werden. Auch bei Software-Updates sehen die Verbände erheblichen Bürokratieabbau als notwendig an.
Zu den Unterzeichnern der Forderung zählen unter anderem der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) und der Verband der Elektro- und Digitalindustrie e. V. (ZVEI). In den Verbänden sind zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Ladeinfrastruktur und Energie organisiert, darunter Betreiber und Hersteller von Ladesäulen. (SP-X)