Weniger als fünf Liter Verbrauch verspricht Škoda für den 4,70 Meter langen Octavia. Kommt der Benziner im Alltag auf Diesel-Niveau?
Von Clemens Noll-Velten
Die Motorenentwickler des Volkswagen-Konzerns hatten das Ziel, einen Ottomotor zu entwickeln, der die Vorteile eines Benziners – ruhiger Lauf und moderate Stickoxidemissionen – mit gehobener Performance bei wenig Verbrauch kombiniert. Heraus kam einer der effizientesten Benzinmotoren des Konzerns, der 1.5 TSI ACT. Er wird auch im neuen Škoda Octavia angeboten.
Wir hatten die Gelegenheit bei einem Kurztest das neue Aggregat in einer Škoda Octavia Limousine kennenzulernen. Gestartet wird der Motor per Knopfdruck. Etwas kernig meldet sich der 150 PS starke Motor gleich zu Beginn zu Wort, bleibt ansonsten auch bei Zylinderabschaltung im Teillastbereich eher unauffällig. Auf Wunsch entwickelt der Vierzylinder auch Temperament, sofern man die sechs Gänge per Handschaltung kräftig ausdreht. Der Sprint aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde geschieht in knapp über acht Sekunden abhaken, Tempo 200 sind auch schnell erreicht.
Entspanntes und niedertouriges Dahingleiten ist mit dem 1.5 TSI auch sehr gut möglich, denn ruckelfrei und angenehm ist der Motor bereits bei knapp über 1.000 Touren fahrbar. Unterstützung erhält man auch von dem aufs Spritsparen fokussierten Bordcomputer, der immer wieder aufs Schalten hinweist. Wer dabei eifrig ist und zudem vorausschauend fährt, wird tatsächlich auf Verbrauchswerte um die fünf Liter kommen. Bei uns waren es bei einem Mix aus Landstraße, Stadtverkehr und einigen flotter gefahrenen Autobahnabschnitten 5,8 Liter – ein Wert, wie man ihn eigentlich von einem Diesel erwarten würde.
Nicht nur effizient, sondern außerdem noch komfortabel bringt der Octavia seine Insassen von A nach B. Das Fahrwerk bietet trotz der hinteren Verbund-Lenkerachse genügend Nehmerqualitäten und der Wagen insgesamt ausgewogene Fahreigenschaften. Fahrwerk wie auch Lenkung geben gute Rückmeldung. Insgesamt fühlt sich das Fahren des Škoda Octavia leicht und agil an.
Der neue Octavia IV nutzt die gleiche MQB-Plattform wie der VW Golf VIII. Mit fast 4,70 Meter Karosserielänge ist er allerdings dem Kompaktsegment längst entwachsen. Das beweist auch der großzügig geschnittene Innenraum, der sich auf Mittelklasse-Niveau bewegt. Diesen Anspruch unterstreichen das überaus schick gemachte Armaturenbrett, über dessen gesamte Breite sich eine Aluleiste schwungvoll windet sowie weiche Kunststoffoberflächen und Textilüberzüge, die für ein edles Ambiente sorgen.
Der 10,25 Zoll große Bildschirm für das Informations- und Entertainmentsystem Columbus ist zentral im Armaturenbrett verbaut. Es überzeugt durch übersichtliche Bedienoberfläche, feine Grafik und schnelle Rechnerleistung. Schön gelöst ist auch eine Touchleiste in Hochglanzschwarz unterm Display, auf der sich per Wischgeste die Lautstärke einstellen lässt. Das funktioniert genauso gut wie mit einem klassischen Drehregler.
Großzügig geschnitten ist der Kofferraum der Limousine, der zudem mit einigen Cleverlösungen punktet. Dazu gehören seitliche Fächer mit herausnehmbaren Zwischenwänden, eine Fernentriegelung der Rückbanklehne oder eine von Aluschienen getragene Gepäckhängematte für Kleinkram. Unterm Kofferraumboden ist noch zusätzlicher Stauraum für Werkzeug und Ersatzrad. Wer den Octavia als schnellere und sparsamere Limousine kauft, dürfte angesichts des Kofferraums kaum Sehnsucht nach dem Combi verspüren.
Der neue Octavia mit dem sparsamen 1,5-Liter-Benzinmotor konnte auf der ersten kurzen Fahrt überzeugen. Gutes Fahrverhalten, sparsam im Verbrauch und in Sachen Größe und Komfort eine Klasse höher angesiedelt sind des Octavias Argumente. Wir werden ihn uns noch einmal länger anschauen und einen über längere Zeit ermittelten Verbrauch erfahren. Wir sind schon auf die Gesamtbetriebskosten gespannt, ob er sich tatsächlich auch eine Alternative im Diesel geprägten Fuhrpark rechnet.




