Ein E-Auto für den kleinen Geldbeutel? Der Dacia Spring Electric verspricht Stadt-Mobilität zum Sparpreis. Doch wie alltagstauglich ist der kleine Stromer wirklich? Wir haben den Dacia Spring Electric in seiner stärksten Version getestet.
Rar sind sie, die günstigen E-Autos. Bis heute tummeln sich noch nicht allzu viele Stromer mit Preisen unter der 20.000-Euro-Marke auf dem Markt. Das liegt zum einen an den teuren Batterien und zum anderen auch an EU-Regularien, die mehr Sicherheitseinrichtungen in Autos fordern und damit die Herstellungskosten in die Höhe treiben. So kam es, dass sich für viele Automobilhersteller das Geschäft mit den Kleinstwagen einfach nicht mehr lohnte. Das Kleinstwagensterben nahm seinen Lauf. Mittlerweile kommt aber wieder etwas Dynamik in das A-Segment, nicht zuletzt durch chinesische Marken wie BYD und Leapmotor. Und während europäische Hersteller wie Renault und VW ihre neuen Kompakt-Stromer Twingo und ID.1 erst 2026 auf den Markt bringen wollen, macht sich Dacia bereits seit Jahren im A-Segment breit. Der rumänische Autobauer fährt mit dem Dacia Spring bereits seit 2021 vollelektrisch im A-Segment vor und das mittlerweile ab 14.201 Euro (alle Preise netto, zzgl. USt.). Ein Stadtauto für den kleinen Geldbeutel: Aber gibt es für einen solchen Preis auch genug (E-)Auto? Wir haben uns die aktuell kräftigste Version des kompakten Stadtautos, den Dacia Spring 65 Extreme mit 65 PS, geschnappt und ausführlich getestet.
An sich kommt der Dacia Spring Electric 65 Extreme für 16.722 Euro (alle Preise netto, zzgl. USt.) trotz des relativ kleinen Preises mit viel Ausstattung daher, darunter eine Rückfahrkamera, ein Multimediasystem „Media Nav LiveSystem“ (serienmäßig in der Ausstattungsvariante „Extreme“) inkl. 10-Zoll-Touchscreen, elektrische Fensterheber, Klimatisierung und Apple CarPlay sowie Android Auto. Das Navigationssystem braucht ein wenig Zeit, um wach zu werden, allerdings funktioniert es einwandfrei.



Hochwertig wirkt der Spring hingegen nicht, denn soweit das Auge reicht: Plastik. Und das schon bevor man den Wagen betritt. Beim Öffnen des Wagens wirken die Türgriffe leicht instabil und auch innen fällt die Plastikverkleidung des Wagens ins Auge. Das ist deswegen ärgerlich, weil aufgrund der billigen Materialauswahl schnell Kratzer an den Innenseiten der Türen entstehen, gerade beim Ein- und Aussteigen.
Stauraum im Cockpit gibt es schon ein wenig, aber auch hier wieder nur als Plastikschale. In ihnen rutschen Gegenstände wie Smartphones beim abrupten Abbremsen schnell hin und her. Es gibt auch kein Fach in unmittelbarer Nähe der USB-Schnittstellen, was dazu führt, dass man das Smartphone nur in die Schale am Armaturenbrett vor dem Beifahrer legen kann. Auf eine große Mittelkonsole wurde gänzlich verzichtet, sodass zwischen Fahrer und Beifahrer mehr Raum ist. Gegen Aufpreis von 25 Euro ist optional noch ein Getränkehalter drin. Die Bremse ist recht altmodisch mit einem großen Hebel zu betätigen, wie eine klassische Handbremse in älteren Autos. Auch der Schlüssel zum Starten des Wagens ist noch ein tatsächlicher Schlüssel.
Große Fahrerinnen oder Fahrer und auch Beifahrer haben im kleinen Spring genug Platz. Für weitere Fahrgäste wird die Rückbank dann aber fast unbrauchbar. Da bleibt einfach zu wenig Platz beim 3,70 Meter langen Stadtflitzer. Ja er hat vier Sitze. Sobald jedoch der Fahrer groß ist, bleibt im Fond praktisch keine Beinfreiheit übrig. Die Beine der Mitfahrer werden unmittelbar in den Vordersitz gedrückt und auch nach oben hin haben Menschen ab 1,80 keinen Platz mehr. In unserem Fall bei einer Körpergröße von 1,87 Metern drückte der Kopf direkt an die Decke. Plant man hingegen den Platz im Fond für etwaigen Transport ein, sieht das Bild wieder anders aus. Dann bietet der Stadtflitzer bei umgeklappten Rücksitzen 1.004 Liter Ladefläche, ansonsten 308 Liter.


Dacia labelt den Spring explizit als Stadtauto, sind die Verbräuche doch eher für die Kurzstrecke ausgelegt, erst recht wenn man die kleine 26,8-kWh-Hochvoltbatterie und den Langstreckenverbrauch beachtet. Erschwingliche, effiziente Mobilität soll er liefern, bei durchschnittlichen Geschwindigkeiten von 37 km/h und Strecken von nicht mehr als durchschnittlich 37 Kilometern täglich, wie Dacia auf Grundlage von Kundendaten darstellte. 90 Prozent aller Fahrten seien kürzer als 70 Kilometer. Und seine Vorteile spielt er definitiv in der Stadt aus, wie man sich bei einem Kleinstwagen mit nur 3,70 Metern Länge und 1,58 Metern Breite gut vorstellen kann. Der kleine Wendekreis und die kompakten Abmessungen spielen Fahrerinnen und Fahrern definitiv in die Karten, Parken und Wenden machen keine Probleme.
Auf der Autobahn oder auf Landstraßen mit hohen Geschwindigkeiten sieht es schon wieder anders aus. Während der schnelleren Fahrten peitschen die Fahrtwinde nur so gegen das Auto, was im Innenraum für eine gewisse Geräuschkulisse sorgt. Außerdem wird man auf unebenen Straßen ordentlich durchgeschüttelt. Wir konnten den Spring Extreme bis auf 130 km/h bringen, dann war aber auch Schluss. Und das ist auch völlig ok, denn für die Langstrecke oder die Autobahn ist der Dacia Spring auch gar nicht ausgelegt.
Schnellladen (DC-Laden) ist im Dacia Spring Electric 65 Extreme nicht serienmäßig. Wollen Sie also auch an der Schnellladesäule tanken, ist ein CCS-Ladeanschluss vonnöten, der allerdings nur bei den stärkeren Versionen des Dacia Spring mit 65 PS erhältlich ist und dann auch nur gegen Aufpreis von 504 Euro. Die Dacia-Spring-Varianten mit 45 PS müssen mit AC-Laden auskommen. Allerdings darf man auch bei der Version Extreme nicht auf große Sprünge hoffen, handelt es sich beim optionalen DC-Schnellladeanschluss eben nur um einen 30-kW-CCS-Anschluss, mit dem der Spring, laut Herstellerangaben, innerhalb von 45 Minuten von 20 Prozent auf 80 Prozent lädt – allerdings nur mit maximal 30 kW.
Der Hersteller gibt den WLTP-Verbrauch des Dacia Spring Electric 65 Extreme auf verschiedenen Untergründen an. Angegeben wurden die Verbräuche am Stadtrand mit 9,5 kWh/100km, die Fahrt auf Landstraßen mit 11,9 kWh/100km, die Fahrt auf der Autobahn 18,6 kWh/100km, die Kurzstrecke mit 7,8 kWh/100km und ein kombinierter Verbrauch von 13,3 kWh/100km.
Auf unseren Testfahrten ergaben sich folgende Verbräuche:
Auf unseren Testfahrten ergaben sich folgende Ladeperformances:
Natürlich ist der Dacia Spring kein Oberklasse-Wagen, aber die billige Verarbeitung hinterlässt schon einen Beigeschmack. Überall dominiert Hartplastik, das Interieur ist funktional, aber optisch und haptisch wenig ansprechend. Auch der Zündschlüssel und die klassische Handbremse geben den Eindruck, in einem einfachen, alten, fast nostalgischen Fahrzeug zu sitzen.
Der Fahrkomfort ist insgesamt in Ordnung, bei höheren Geschwindigkeiten allerdings eher rustikal, erst recht in Geschwindigkeiten zwischen 70 und 125km/h. Auf unebenen Straßen wird man ordentlich durchgeschüttelt, und auf der Autobahn dringen Wind- und Fahrgeräusche sehr deutlich in den Innenraum.
Für die Langstrecke ist der Spring ungeeignet. Natürlich ist sie möglich, aber der Mangel an Komfort gepaart mit einem hohen Verbrauch auf schnellen Strecken zeigt sich ziemlich schnell. Das Auto ist auf kurze, tägliche Stadtfahrten ausgelegt.
Der Spring wird laut Herstellerangaben mit durchschnittlichen Geschwindigkeiten von 37 km/h gefahren. Über die 50 km/h-Grenze geht es in der Stadt sowieso nie weit hinaus, gepaart mit vielen Stop-and-Go-Phasen. Aber sobald es wieder etwas bergauf geht, wird der Verbrauch kurzfristig wieder deutlich höher. Letztendlich hat er auch nur eine 26,8-kWh-Hochvoltbatterie, was zu einer geringen Reichweite führt.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist letzten Endes aber in Ordnung, soweit man ihn als das, was er sein soll, sprich als Stadtauto, nutzt. Pflegedienste und Lieferdienste kommen hier wohl auf ihre Kosten. Allerdings gibt es zurzeit kein Bonusprogramm für E-Autos, bis auf ein geplantes Programm zur steuerlichen Entlastung von vollelektrischen Firmenwagen.
Zum Laden braucht der Spring viel Zeit, erst recht ohne DC-Lademöglichkeit und selbst dann sind es nur 30 kW an der Schnellladesäule. Aber dass der Schnellladeanschluss in unserem Modell nur gegen Aufpreis von 504 Euro zu haben ist, ist doch etwas schade. Das hätte bei der stärksten Version ruhig auch serienmäßig sein können, auch wenn Besitzerinnen und Besitzer des Dacia Spring laut Konzernangaben zu 75 Prozent zu Hause laden.